Arbeiten im Startup

Richtig viel bewegen, gemeinsam in der Mittagspause Kickern und bis in die Nacht das nächste Facebook entwickeln – diese romantische Vorstellung vom Startup-Leben treibt viele an, sich nach dem Studium in einem Jungunternehmen zu bewerben. Was die Mehrheit dabei vergisst: Nicht jeder ist für Jobs in einem Unternehmen, das noch in den Kinderschuhen steckt, auch geeignet.  Viele Ideen und viel Motivation werden meist von wenig finanziellem Kapital begleitet. Zudem besteht ein hohes Risiko für alle Angestellten – wer weiß, ob es das Startup auch noch in 2 Jahren geben wird? Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte über den Berliner Tellerrand hinausschauen. Auch wenn die Hauptstadt natürlich das heißeste Pflaster der Startup-Szene in Deutschland ist, kannst du in ganz Deutschland einen Job in einem neu gegründeten Unternehmen finden.


Die 5 coolsten Startups

Unternehmensname Gründungsjahr
#1 Vice 1994
#2 9elements 2005
#3 Pooliestudios 2012
#4 Talentschmiede 2012
#5 Outfittery GmbH 2012
Wusstest du schon, dass…
  • 32% der Startups die ersten drei Jahre nicht überleben?
  • im Gegensatz zu klassischen Gründern ¾ aller Startup-Gründer einen Hochschulabschluss haben?
  • das Internet für das Geschäftsmodell von 80% aller Startups in Deutschland sehr große Bedeutung hat?

Insider Tipps

Ein Praktikum machen.

Praktika sind die perfekte Einstiegsmöglichkeit, um in Startups Fuß zu fassen. Als Praktikant kostest du das Unternehmen zunächst nicht so viel wie ein Festangestellter und bist daher ein geringeres Risiko. So kannst du mit deiner Leistung überzeugen und hast die ideale Ausgangsposition, um fest ins Team integriert zu werden. Zudem kannst du dir selbst ein Bild von der Arbeitsatmosphäre und den Abläufen machen, um einzuschätzen, ob das Startup Potential hat oder schnell wieder vom Markt verschwinden wird.

Direkt Ideen einbringen.

Bereits in deiner Bewerbung bzw. spätestens im Vorstellungsgespräch solltest du dein innovatives Potential deutlich machen. Bringe Ideen und Verbesserungsvorschläge aus deinem Fachgebiet ein, die das Unternehmen noch weiter voranbringen können. Wichtig hierbei ist: Zeige, dass du von der Grundidee begeistert bist, und nicht vorhast, alles umzukrempeln und nur „dein Ding zu machen“.

Mach Kontakte, persönlich und nicht online.

Junge Gründer sind selbst darauf angewiesen, in der Startup-Szene sowie in ihrer Branche Kontakte zu knüpfen. Besuche Events und Veranstaltungen und gehe offen auf Leute zu, lerne sie kennen. Nimm davon Abstand direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern überzeuge durch deine Persönlichkeit und dein Fachwissen. Wenn die Chemie zwischen euch stimmt, hast du schon den ersten Schritt in Richtung Startup-Job gemacht.

Arbeiten in einem Startup

Grundsätzlich ist in den meisten Startups das Motto „Alle für einen, einer für alle“ sehr lebendig – immerhin arbeiten alle gemeinsam daran, dass das Unternehmen profitabel wird/bleibt und so ihre berufliche Zukunft gesichert ist. Wenn du Interesse an einem Einstiegsjob in der Startup-Szene hast, solltest du im Idealfall schon ein wenig Praxisluft geschnuppert haben, um deine Chancen zu erhöhen. Ansonsten kann es sein, dass du überfordert bist, wenn du ins kalte Wasser geschmissen wirst und plötzlich sehr viel in Eigenregie schaffen musst. 

In erster Linie braucht ein Gründerteam nicht nur jemanden, der „Bock auf die Sache hat“, sondern vor allem auch was drauf hat. Gute Abschlussnoten und große Namen im Lebenslauf zählen hier weniger als Leistung. Jemanden, der auf seinen Aufgabenbereich pocht und alles „Unprofessionelle“ ignoriert, kann kein Startup gebrauchen. Du solltest also kein Problem damit haben, dir auch mal die Hände schmutzig zu machen und mit aufzuräumen, wenn z.B. ein wichtiger Kunde vor der Tür steht. 

Wer in einem Startup arbeiten möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass es hier noch keine gefestigten Strukturen gibt. Du wirst schnell feststellen müssen, ob du mit dieser Art von Freiraum im Arbeitsleben klar kommst. Denn trotz der vielen Freiheiten musst du ein hohes Pensum schaffen, was dir viel Disziplin und Professionalität abverlangt. Es wird meist niemanden geben, der dich an die Hand nimmt und dir alles zeigt. Eigeninitiative und die Fähigkeit, dich autodidaktisch weiterzubilden, solltest du also auf jeden Fall mitbringen. Da Startups meist nur wenige Mitarbeiter haben, zählt jeder Einzelne und seine erbrachte Leistung doppelt. Du solltest dir selbst also eine steile Lernkurve zutrauen.

Stellenprofile in einem Startup sind nicht mit Stellen in einem Großunternehmen zu vergleichen. Du wirst zwangsweise auch mal andere Aufgaben übernehmen als in der Stellenanzeige und deiner eigentlichen Berufsbeschreibung angegeben und dich nicht so stark spezialisieren können. Wenn du dich also ganz klar auf einen Bereich spezialisieren möchtest, solltest du eher eine andere Unternehmensform wählen – denn es kann gut sein, dass du als Programmierer im Startup auch mal den Systemadministrator mimen musst oder im Marketing Angebote für den Vertrieb schreiben musst.

Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege machen das Arbeiten in einem Startup aus. Du wirst dich häufig direkt mit der Geschäftsführung auseinandersetzen und die nächsten Arbeitsschritte sowie deine Vorstellungen besprechen. Der große Vorteil ist, dass du schneller als in allen anderen Unternehmensformen eine hohe Position einnehmen kannst, wenn alles gut läuft. Die meisten Gründer werden deinen Einsatz zu schätzen wissen – immerhin warst du von Anfang an am Unternehmenserfolg beteiligt. Schnelle Führungserfahrung bedeutet aber auch schnell viel Druck, dem man gewachsen sein muss. Gerade als Berufseinsteiger solltest du ehrlich zu dir selbst sein, wenn es darum geht, ob du bereit bist, so viel Verantwortung zu schultern und übertrieben gesagt, direkt über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens zu entscheiden.

In vielen Startups herrscht außerdem eine „always on“-Mentalität. Will heißen, dass du zur Not auch mal im Feierabend angerufen wirst, weil nur du über ein bestimmtes Thema Bescheid weißt und etwas klären musst. Bei den Arbeitszeiten zu pauschalisieren ist allerdings schwer: Es gibt Startups, die lieber klein bleiben und langsam wachsen, und welche, die ganz schnell hoch hinaus wollen. Meist sind bei letzteren lange Arbeitszeiten und Überstunden die Regel, aber es gibt auch Startups, die auf eine ausgewogene Work-Life-Balance setzen.

In Sachen Gehalt lässt sich aber eine allgemeingültige Aussage treffen: Zu Beginn wird es nicht so  rosig aussehen wie bei mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen. Das Geld will ja erst verdient werden, deswegen solltest du von allzu hohen Gehaltsforderungen Abstand nehmen. Wenn du aber an die Idee glaubst, dann kannst du dir sicher sein, dass mit der Zeit auch mehr auf deinem Konto landet, wenn der Umsatz steigt.

Der ganz große Vorteil für Startups ist neben dem eigenverantwortlichen Arbeiten – und der damit empfundenen Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit – die Arbeitsatmosphäre. Gerade im Onlinebereich tummeln sich junge Leute und ehemalige Studenten in den Büroräumen im gleichen Alter. Das Zusammengehörigkeitsgefühl führt häufig auch zu gemeinsamen Aktivitäten nach Feierabend, angefangen von „zusammen was trinken gehen“ bis zu Sportevents. 

Ein Startup ist nichts für dich, wenn…
du nach dem Studium noch sehr unsicher bist und viel Anleitung brauchst.

ein hohes Einstiegsgehalt auf deiner Wunschliste ganz oben steht.

für dich der Arbeitstag nach 8 Stunden zu Ende sein soll – und du dann komplett abschalten möchtest.

dein erster Job dir u.a. Prestige, viele wichtige Kontakte und einen großen Namen für den Lebenslauf bringen soll.

Ein Startup ist gut für dich geeignet, wenn…
es dir wichtig ist, Ideen einbringen zu können und etwas Neues mitzugestalten.

du mit Unsicherheit gut umgehen kannst und flexibel bist.

dein Leben ein ständiges Lernen ist und du dir schon immer gut Dinge selbst beibringen konntest.

du schnell viel Verantwortung übernehmen möchtest und kannst.

Prominente Beispiele für Startups

Typischerweise denkt man bei Startups zunächst an die großen Vorbilder aus dem Silicon Valley. Facebook, Snapchat, Airbnb und Co. sind wahrscheinlich auch für viele deutschen Gründer Vorbilder, denn die haben geschafft, wovon jedes Startup träumt. Zudem machen diese prominenten Beispiele deutlich, dass der Begriff Startup meist in Verbindung mit der IT- und Online-Branche verwandt wird. Natürlich sind die genannten Unternehmen längst keine Startups mehr, im Gegensatz zu vielen alteingesessenen Unternehmen versuchen sie aber dennoch ihre Startup-Firmenkultur aufrecht zu erhalten.

Berlin entwickelt sich immer mehr zum „deutschen Silicon Valley“. Dabei zeigt sich, dass Technologien weltweit am meisten Fördergelder bekommen und die erfolgreichsten Neugründungen hervorbringen. Beispiele für erfolgreiche Startups finden sich hier vor allem im Bereich E-Commerce sowie im der Softwareentwicklung. Zalando, Dawanda, Wooga, 6Wunderkinder – das sind nur wenige der vielen, inzwischen schon stark gewachsenen, bekannten Startups. Aber nicht nur in der Hauptstadt gibt es diese, MyMuesli ist mit seinem Sitz in Passau ein prominentes Beispiel.