Ratgeber für Absolventen & Berufseinsteiger

Leiharbeit

Wer Leiharbeit leistet, ist im Normalfall bei einem Unternehmen zur Arbeitnehmerüberlassung, im Volksmund besser als Zeitarbeitsfirma bekannt, angestellt. Arbeitnehmer werden von hier aus an Unternehmen vermittelt, die für eine bestimmte Frist Personalbedarf haben. Die Leiharbeit ist gedacht für Betriebe, die saisonal bedingt für eine bestimmte Zeit besonders viel Arbeit leisten müssen, für einzelne Projekte, nach deren Abschluss das zusätzliche Personal im Betrieb überflüssig wäre, oder für Unternehmen, die für eine bestimmte Zeit einen Ersatz für einen anderen Arbeitnehmer brauchen.

Soweit die Theorie, die in vielen Fällen auch zutrifft. In der Praxis kommt es leider immer wieder vor, dass Betriebe sich mit Menschen behelfen, die Leiharbeit verrichten, weil das günstiger kommt. Im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ist zwar geregelt, dass Leiharbeit genau so entlohnt werden soll wie die Arbeit Festangestellter; das nennt sich „Equal Pay“. Faktisch allerdings wird die Entlohnung für Zeitarbeiter fast immer über besondere Tarifverträge geregelt. Das entleihende Unternehmen zahlt der Zeitarbeitsfirma ein Entgelt für den Arbeitnehmer. Das Zeitarbeitsunternehmen zahlt dem Leiharbeiter davon den Lohn und die notwendigen Sozialabgaben. Die Differenz ist der Gewinn des Unternehmens.

Um eine Ausbeutung der Menschen zu verhindern, die Leiharbeit verrichten, wurden im November 2012 Mindestlöhne festgelegt: In den neuen Bundesländern dürfen Zeitarbeiter nicht weniger als 7,50 Euro pro Stunde bekommen, in den alten nicht weniger als 8,19 Euro. Die geringen Löhne sind allerdings nicht der einzige Nachteil der Leiharbeit: Da das Gesetz lediglich erklärt, dass Leiharbeiter „vorübergehend“ an Unternehmen ausgeliehen werden dürfen, ist eine Obergrenze nicht festgelegt. Aktuell wird darüber diskutiert, ob eine Obergrenze von 18 Monaten eingeführt werden soll. Das würde zumindest verhindern, dass jemand über Jahre hinweg Leiharbeit für eine Firma leistet und dabei auf viele Vorteile der Festangestellten verzichten muss.

Sicherheit durch Kündigungsschutz ist einer dieser Vorteile, die bei Leiharbeit sehr stark eingeschränkt sind. Je nachdem, welcher Tarifvertrag greift, können sich die Kündigungsfristen voneinander unterscheiden. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie deutlich kürzer sind als bei regulär Angestellten. Im BZA Tarifvertrag wird festgelegt, dass in den ersten beiden Wochen die Kündigungsfrist nur einen Arbeitstag beträgt. Danach und bis zum Ende der ersten drei Monate beträgt sie eine Woche, während der nächsten drei Monate zwei Wochen. Der IGZ Tarifvertrag sieht für die ersten vier Wochen eine Kündigungsfrist von zwei Tagen vor, für den zweiten Monat eine Frist von einer Woche und vom dritten bis zum einschließlich sechsten Monat eine Frist von zwei Wochen.

Auch wenn jemand schon sehr lange Leiharbeit in einem bestimmten Unternehmen verrichtet hat und sich eigentlich zugehörig fühlt, hat er nicht dieselben Rechte wie seine Kollegen in Festanstellung. Wird etwa der Betrieb, in dem er vorübergehend arbeitet, bestreikt, darf er an dem Streik nicht teilnehmen. Auch darf er nicht in den Betriebsrat gewählt werden. Leiharbeiter müssen sich auch schneller Sorgen machen, wenn sie krank werden: Wegen des schwachen Kündigungsschutzes stehen sie recht schnell wieder auf der Straße, wenn sie aus Krankheitsgründen die vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbringen können. Und ein Ersatz ist schnell gefunden, vielleicht sogar direkt aus den Reihen der Zeitarbeitsfirma, bei der der Erkrankte selbst angestellt ist.

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