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Außergewöhnliche Belastungen

Sobald du eine Einkommensteuererklärung abgeben musst, kannst du überlegen, ob du so genannte außergewöhnliche Belastungen tragen musst. Worum es sich dabei genau handelt, ist in den Paragrafen 33 ff. des Einkommensteuergesetzes geregelt. Die Gesetzgebung möchte mit diesen Paragrafen „unzumutbare Härten“ verhindern. Ob außergewöhnliche Belastungen bestehen, wird an den durchschnittlichen Aufwendungen von steuerpflichtigen Menschen mit demselben Familienstand und denselben Vermögens- und Einkommensverhältnissen berechnet. Liegen deine Aufwendungen weit über diesem Mittel, kannst du sie in der Einkommensteuererklärung geltend machen.

Der Gesetzgeber setzt allerdings einen Betrag fest, der als „zumutbare Belastung“ gilt und den der Steuerzahler selbst zu tragen hat. Diese hängt ab von deiner aktuellen Lebenssituation, deinem Jahreseinkommen, deinem Familienstand und der Anzahl deiner Kinder. Dieser Betrag wird von dem abgezogen, was als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht wird. Auch muss es sich bei den angegebenen Mehrausgaben um Aufwendungen handeln, die du zwangsläufig begleichen musst. Sie müssen den gegebenen Umständen nach notwendig und aus sittlichen, rechtlichen und tatsächlichen Gründen zu zahlen sein. Auch dürfen sie einen angemessenen Betrag nicht übersteigen. Handelt es sich zum Beispiel um Kosten für einen Arzt, so muss dieser die Notwendigkeit der Ausgaben bescheinigen.

Das klingt alles sehr abstrakt. Es gibt jedoch ein paar sehr gute Beispiele für private finanzielle Ausgaben, die du nach den genannten Paragrafen als außergewöhnliche Belastung geltend machen kannst. Zu ihnen zählen beispielsweise in der Zahnmedizin Implantate oder Zahnspangen, weiterhin Kosten für Brillen, Augenoperationen zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit, Prothesen, Medikamente, Mammografien, künstliche Befruchtung und Entbindungen. Auch logopädische Behandlungen, Besuche beim Heilpraktiker, Krankengymnastik, Reha- und Krankenhausaufenthalte, orthopädisches Schuhwerk, medizinisch notwendige Abmagerungskuren und Suchttherapien kosten eine Menge Geld, das als zwangläufige Aufwendung angesehen werden kann.

Nicht nur medizinische Ausgaben können außergewöhnliche Belastungen nach dem Gesetz sein. Wer etwa in einem Haus lebt, an dem aus gesundheitlichen Gründen Veränderungen vorgenommen werden müssen, etwa, weil sich bestimmte Schwämme gebildet haben oder weil das Dach Asbest enthält, kann unter gewissen Umständen diese Kosten ebenfalls angeben. Kosten für die Pflege der Eltern, die nicht von der Pflegeversicherung übernommen werden, sind abzugsfähig, ebenso wie die Kosten der Beerdigung von Verwandten, solange sie nicht durch die Erbschaft gedeckt werden. Auch ein Teil der Scheidungskosten fällt unter die außergewöhnliche Belastung, nämlich die Prozesskosten und der Versorgungsausgleich. Die Prozesskosten in einem Zivilprozess können angeführt werden, wenn du diesen nicht leichtfertig oder mutwillig eingegangen bist.

Wenn ein Arzt den Beleg erbracht hat, dass einem Kind der Besuch einer Hochbegabtenschule nutzen würde, zählt auch das entsprechende Schulgeld zu außergewöhnlichen Belastungen. Weiterhin gibt es verschiedene Pauschalbeträge, etwa für Menschen, die ihre Angehörigen unentgeltlich pflegen. Auch behinderte Menschen können einen solchen Betrag geltend machen, und zwar für Mehrkosten, die im Normalfall durch die Behinderung erwachsen, die aber nur sehr schwer nachweisbar sind. Hinterbliebene, vor allem von Menschen, die ihr Leben im Landesdienst gelassen haben, können ebenfalls oft solche Pauschalbeträge geltend machen. Grundsätzlich musst du, damit außergewöhnliche Belastungen bei dir anerkannt werden können, einen Antrag stellen. Am einfachsten ist es sicherlich, einen Fachmann damit zu betrauen: Er erkennt die Chancen und weiß, welche Belege du einreichen musst.

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