Ratgeber für Absolventen & Berufseinsteiger

Erst Recherche, dann Mut – die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch

„Was haben Sie den für Gehaltsvorstellungen?“ – ein Satz, der jedem Bewerber schon in der Vorstellung den Schweiß auf die Stirn treibt. Das ist aber nicht nötig. Diese Frage wird gestellt, damit dein eventueller zukünftiger Arbeitgeber sich ein Bild davon machen kann, ob du dich realistisch einschätzen kannst. Mit der richtigen Recherche und Überlegung ist das auch gar nicht so schwer. Zwar erfordert die Vorbereitung einige Zeit, aber danach kannst du unbeschwert in die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch starten.

Branche und Marktsituation

Zunächst ist es wichtig, dass du dich mit den üblichen Gehältern in der Branche auseinandersetzt: Du kannst als Texter nicht so viel verdienen wie als Ingenieur – leider. In unseren Berufsprofilen hier auf Karista haben wir für viele Berufe bereits für dich recherchiert und liefern dir typische Einstiegsgehälter. Allerdings solltest du auch immer die Marktsituation im Auge behalten: Gibt es beispielsweise bei den im deutschen Unternehmen hergestellten Produkten Absatzschwierigkeiten, weil ein günstigeres Konkurrenzprodukt aus einem anderen Land den Markt sättigt, solltest du bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch erst einmal kleine Brötchen backen.

Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch – Tipps und Hinweise

Regionale Differenzen

Es kann sein, dass Unternehmen derselben Branche und ähnlichen Aufbaus höchst unterschiedliche Gehälter anbieten. Das kann mit der Region zusammenhängen: Ein Konzern in München zahlt fast immer besser als einer in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings solltest du die letzteren Angebote deshalb nicht gleich verwerfen: Deine Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch muss sich ja auch an deinen Fixkosten orientieren. Und das Leben ist in der spärlich besiedelten Region in Nordostdeutschland um einiges billiger als in der bayerischen Hauptstadt. Wenn du nach den üblichen Durchschnittseinkommen suchst, beachte also auch immer die Region, in der du dich bewirbst – entsprechende Tabellen finden sich mit wenigen Klicks online.

Der Einser-Kandidat

Steigst du nach dem Abschluss deines Studiums in den Beruf ein, fehlt dir noch fast jede Erfahrung. Daher bewegst du dich mit deinen Forderungen eher am unteren Ende der Skala. Gut ist es natürlich, wenn du schon Praktika in der Branche vorweisen kannst. Sie zeigen, dass du zumindest etwas praktische Erfahrung gesammelt hast. Sonst ist es für die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch von Vorteil, wenn du einen guten Abschluss gemacht und im Idealfall die Regelstudienzeit nicht deutlich überschritten hast. Das zeigt, dass du zumindest theoretisch sehr gut mit dem Thema deines Berufes vertraut bist und eifrig daran gearbeitet hast, möglichst schnell im Job Fuß zu fassen.

Erfahrene Wundertüte

Hast du schon Berufserfahrung, kannst du sie mit all ihrem Gewicht in die Waagschale werfen. Jedes konkrete, gut abgeschlossene Projekt hilft bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch. Gleiches gilt für jede Form von Zusatzqualifikation: Ob du Fremdsprachen sprichst, Auslandserfahrung im Job hast, ein guter Mediator, Organisator oder Redner bist, ob du dich mit zahlreichen verschiedenen Computerprogrammen auskennst – all das kannst du für dich anbringen. Je umfassender deine Fähigkeiten sind, desto wichtiger kannst du für die Firma werden, und desto mehr Gehalt hast du natürlich verdient. Aber schieße dabei nicht über das Ziel hinaus: Die branchenüblichen Grenzen solltest du nicht sprengen, auch wenn du ein unnachahmlicher Alleskönner bist.

Tief schürfen bei der Unternehmensrecherche

Bei manchen Unternehmen kannst du Glück haben und online, etwa bei Arbeitgeber-Bewertungsportalen, etwas über das Gehalt der Angestellten herausfinden. Wenn du solch einen Glücksgriff tust, vergleiche die Summe mit der des Durchschnittsgehalts, das sich aus deinen bisherigen Recherchen und Überlegungen ergeben hat. Stimmen die Zahlen überein, hast du eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was du bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch anbringen kannst. Das Durchschnittseinkommen in der Branche und Region, für jemanden mit deiner Arbeitserfahrung und deinen Qualifikationen, ist in der Regel ein guter Leitfaden.

Frage erwarten und Spanne nennen

Presche nicht mit der Frage nach dem Gehalt vor. Erst müssen viele andere Dinge abgeklärt werden. Nur, wenn diese zur Zufriedenheit aller besprochen wurden, lohnt es sich die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch zu beginnen. Manche Unternehmen integrieren diese sogar grundsätzlich erst ins zweite Gespräch, also werde nicht unruhig, wenn die Frage im ersten ausbleibt. Wirst du gefragt, welche Summe dir vorschwebt, nenne deinen Gesprächspartnern lieber eine Spanne als eine Summe. Der Unterschied der beiden Zahlen sollte etwa 2000 Euro betragen, also beispielsweise 34.000 bis 36.000. Angegeben wird stets das Bruttomonats- oder Bruttojahresgehalt. Hier siehst du, warum eine gründliche Recherche im Vorfeld notwendig ist: Du musst ziemlich genau treffen, um weder hoch- noch tiefzustapeln. Verlangst du viel zu viel, fällst du oft aus der Auswahl. Verlangst du zu wenig, hast du es später schwer, dein Gehalt durch Erhöhungen nach oben zu korrigieren.

Und bisher so?

Wenn du bereits Arbeitserfahrung hast, kann die Frage nach deinem bisherigen Gehalt fallen. Manche Personaler läuten damit die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch ein. Hier solltest du die Wahrheit sagen – nicht auf den Cent genau, aber du solltest dein ungefähres Jahreseinkommen nennen. Bei einem Jobwechsel auf ein höheres Gehalt zu hoffen, ist nichts Ungewöhnliches. Liegt also dein bisheriges Gehalt etwa fünf bis 15 Prozent unter dem, was du hier gern fordern möchtest, ist das kein Problem. Liegt es deutlich darunter, kannst du in der Verhandlung auf das komplexere Aufgabenfeld, die größere Verantwortung oder die höhere Position hinweisen, auf die du dich beworben hast.

Geld knistert nicht unbedingt

Nennt dein Gesprächspartner dir eine Summe, die dich sehr enttäuscht, warte erst weitere Erklärungen ab, ehe du ablehnst. Unter gewissen Umständen bleibt dir nämlich mehr netto vom brutto, als du erst denkst. Frag nach Sozialleistungen: Manche Unternehmen bieten betriebliche Altersvorsorge an oder übernehmen Direktversicherungen. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld können ein eher mau erscheinendes Grundgehalt deutlich attraktiver gestalten.

Wird dir ein Firmenwagen zur Verfügung gestellt, musst du dir kein eigenes Auto leisten. Das ist eine Ersparnis, die besonders stark zu Buche schlägt. Auch Handy oder Laptop  können von der Firma gestellt werden. Je nach Branche kann es auch sein, dass du dein bescheidenes Grundgehalt durch Prämien aufbessern kannst. All diese Punkte gilt es, bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch in Betracht zu ziehen. Manchmal ist die Rechnung sogar so kompliziert, dass du nach dem Termin noch in aller Ruhe Überlegungen anstellen musst, ob sich die besprochenen Optionen für dich lohnen.

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