Ratgeber für Absolventen & Berufseinsteiger

Die vielen (möglichen) Gesichter der modernen Bewerbung

In deinem bisherigen Leben hast du sicherlich bereits so manche Bewerbung geschrieben. Zunächst einmal für einen Studienplatz, im Laufe des Studiums dann für ein Praktikum, eine Stelle als Werkstudent oder einen Nebenjob und danach für den zukünftigen Beruf. Während der Schulzeit hat man bereits die Basics der Bewerbung gelernt und war der Ansicht, dass man doch sowieso alles darüber weiß. Falsch gedacht! Das merkt man spätestens, wenn man in Stellenanzeigen auf eine ganz andere Bewerbungsart trifft. Bewerbungswebsites zu erstellen steht beispielsweise wohl auf den wenigsten Lehrplänen und auch in der Uni lernt man nicht unbedingt, wie man sich auf eine Chiffreanzeige bewirbt. Deshalb stellen wir dir hier die häufigsten Bewerbungsformen vor.

Bewerbungsarten: Die unterschiedlichen Formen der Bewerbung Bewerbungsarten: Die unterschiedlichen Formen der Bewerbung

Der Standard: die klassische Bewerbung

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und vielleicht auch noch Arbeitsproben – daraus besteht die standardisierte, in Deutschland übliche Bewerbung. In der Regel studierst du die Stellenanzeige und das dazugehörige Unternehmen und passt deine gesamte Bewerbung dahingehen an. Dann druckst du alles aus, drapierst es schön in einer Bewerbungsmappe und sendest alles an die angegebene Adresse. Wenn die Bewerbung gut genug war, wirst du zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wenn nicht, erhältst du im Idealfall deine Bewerbung mit einem Absageschreiben zurück. Die klassische Bewerbung ist also genau das, was dir in der Schule und der Uni beigebracht wurde.

So war es quasi schon immer und so wird es auch noch eine Weile bleiben. Allerdings steigen immer mehr Firmen auf andere Bewerbungsarten um, denn der technische Fortschritt und die immer weiter zunehmende Bedeutung des Internets machen den Bewerbungsprozess wesentlich unkomplizierter.

Auf dem schnellsten Weg: Die Bewerbung per E-Mail

Unternehmen geben immer häufiger als bevorzugte Bewerbungsform die E-Mail Bewerbung an. Das erspart den Personalabteilungen Berge von Bewerbungsmappen im Büro und dir die Kosten für Druck und Porto. Darüber hinaus entlastet die Bewerbung per E-Mail die Umwelt, da dabei keinerlei Papier verwendet wird. Der größte Vorteil für dich ist aber, dass die E-Mail Bewerbung von allen Bewerbungsarten die schnellste ist: Sobald du sie abgeschickt hast, ist sie innerhalb von wenigen Sekunden beim Empfänger – zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vom Aufbau her ist die E-Mail Bewerbung der klassischen sehr ähnlich. Auch hier sind Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse gefragt, allerdings diesmal im pdf-Format. Dieses verschickst du als Anhang, jedoch sollte auch in der E-Mail selbst noch ein freundlicher, professioneller Text stehen und die Absenderadresse lieber Max.Mustermann@gmail.com lauten, anstatt Zuckerhasi@kuschel.de.

Zum Ausfüllen: Das Bewerbungsformular

Um die Informationen über Bewerber möglichst einheitlich zur Hand zu haben, bieten einige Firmen auf ihren Homepages auch ein Bewerbungsformular an. Dabei handelt es sich um einen standardisierten Fragebogen, den du fast so ausfüllen kannst wie die Anmeldung auf einer Social Media Plattform. Natürlich solltest du dir hierbei mehr Mühe geben und alle Felder so gut, präzise und fehlerfrei ausfüllen wie möglich. Oft hast du zusätzlich die Möglichkeit, deine Zeugnisse, ein Foto oder auch deinen Lebenslauf hochzuladen. Insgesamt ist das Bewerbungsformular eine der Bewerbungsformen, die für dich und das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst, am wenigsten Aufwand bedeutet - schließlich musst du meist keine schön gestaltete Bewerbung erstellen. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass du dich hierbei nicht kreativ ausleben oder mit deiner Persönlichkeit glänzen kannst.

Aus eigenem Antrieb: Die Initiativbewerbung

Stell dir vor, du wärst in eine Person verliebt, die gar nicht weiß, dass es dich gibt. Du möchtest sie unbedingt kennenlernen und überlegst dir daher ganz genau, wie du das anstellst, beispielsweise indem du mal ihr Facebookprofil anschaust, um herauszufinden, was sie so mag. So ähnlich kannst du dir eine Initiativbewerbung vorstellen. Mit dieser bewirbst du dich bei deinem Wunschunternehmen, ohne dass es eine Stelle ausgeschrieben oder Interesse an dir gezeigt hat. Um zu zeigen, wie sehr du dich für eine Position in dem Unternehmen interessierst, solltest du aber nicht einfach drauflosschreiben, sondern dich vorher gut informieren und im Anschreiben auch begründen, warum du genau dort arbeiten willst. Am besten ist es, wenn du dich zuvor telefonisch in der Personalabteilung meldest und so z.B. erfragen kannst, an wen du deine Bewerbung richten sollst. Im Anschreiben selber machst du klar, was deine Talente sind und um welche Stelle du dich bei dem Unternehmen bewirbst. Ansonsten besteht die Initiativbewerbung ganz klassisch aus Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen.

Ins Blaue hinein: Die Blindbewerbung

Die Blindbewerbung ähnelt der Initiativbewerbung in gewisser Weise, denn auch sie wird an ein Unternehmen verschickt, ohne dass dieses zuvor eine bzw. diese Stelle ausgeschrieben hat. Im Gegensatz zur Initiativbewerbung und allen sonstigen Bewerbungsformen, beziehst du dich im Anschreiben der Blindbewerbung auf kein konkretes Unternehmen. Stattdessen ist die Blindbewerbung reine Werbung in eigener Sache. Das Ziel ist hierbei, das Unternehmen auf sich neugierig zu machen. Weil diese Bewerbungsart natürlich auch in gewisser Weise gewagt ist, muss man dabei nicht zwingend das volle Bewerbungsprogramm einsetzen. Vor allem im kreativen Bereich könntest du dich beispielsweise mit einem selbst gestalteten Flyer, der dich und deine Fähigkeiten anpreist, bei mehreren Unternehmen bewerben.

Für technisch Versierte: Die Bewerbungswebsite

Eine eigene Website erstellen, um sich zu bewerben? In der Tat ist diese Bewerbungsform heute gar nicht mehr so ungewöhnlich. Insbesondere in der Internet- und IT-Branche kannst du damit punkten, denn du kannst so zeigen, wie versiert du in dieser Hinsicht bist. Die Bewerbungswebsite solltest du aber nur dann erstellen, wenn du auch wirklich Ahnung von dem Medium hast, denn eine schlecht programmierte Seite schreckt direkt ab. Letztendlich stellst du auf deiner eigenen Bewerbungswebsite alles dar, was auch in deiner klassischen Bewerbung zu finden wäre (Lebenslauf, Bewerbungsschreiben, Bewerbungsfoto, Arbeitsproben, Kontaktangaben), allerdings auf kreative Art und Weise und ohne die Daten, die du nicht im Internet veröffentlichen willst. Insgesamt sollte die Bewerbungswebsite übersichtlich, ansprechend, aber definitiv nicht langweilig gestaltet sein. Wenn du dann Unternehmen, bei denen du gerne arbeiten würdest, darauf aufmerksam machst, haben sie direkt eine Arbeitsprobe deines Könnens.

Um gefunden zu werden: Das Stellengesuch

„Suche Job in Bereich X, biete Qualifikation Y“ – das ist die absolute Kurzform des Stellengesuchs. Dabei handelt es sich quasi um die Kontaktanzeige unter den Bewerbungsarten. In Zeitungen, Zeitschriften oder in online Bewerberdatenbanken kannst du eine Anzeige in eigener Sache aufgeben. Besonders im Internet musst du darauf achten, dass dein Stellengesuch die relevanten Schlüsselwörter enthält, sodass es einfach gefunden werden kann, gleichzeitig aber auch nicht zu allgemein ist. Das Stellengesuch ist, ebenso wie die Bewerbungswebsite, eine passive Bewerbungsform, da du im Idealfall dadurch gefunden wirst, ohne selbst aktiv auf der Suche zu sein. Das Stellengesuch ist also besonders geeignet, wenn du es mit der Jobsuche nicht allzu eilig hast.

Geheimnisvoll: Die Chiffre-Anzeige

Manche Unternehmen schreiben ihre Stellen in Chiffre-Anzeigen - der Wundertüte unter den Bewerbungsformen - aus, weil sie z.B. geheim bleiben wollen. Du weißt also nicht, um welches Unternehmen es sich bei der Ausschreibung handelt und kannst dich vorher auch nicht darüber informieren. Deshalb bietet es sich hier an, nur eine Kurzbewerbung zu verschicken, also deinen Lebenslauf mit Foto und ein kurzes Anschreiben. Deine Unterlagen sendest du in einem Umschlag mit der Chiffrenummer an die angegebene Adresse. Zeugnisse oder Arbeitsproben kannst du bei Bedarf nachreichen. Schließlich musst du selbst erst entscheiden, ob du überhaupt in dem betreffenden Unternehmen arbeiten möchtest, eine Wundertüte kann schließlich vom tollen Gimmick bis zum blöden Kitsch auch alles Mögliche beinhalten.

Film ab: Das Bewerbungsvideo

Die modernste aller Bewerbungsformen ist wohl die des Bewerbungsvideos. Darin stellst du dich und deine Qualifikationen in maximal zwei Minuten vor. Aber Vorsicht – der Grat zwischen authentisch und peinlich ist in diesem Fall wirklich schmal. Um ein qualitativ hochwertiges Video zu erhalten, solltest du dich also nicht daheim mit der Handykamera filmen, sondern ein professionelles Team damit beauftragen. Somit kommen Kosten von etwa 300 Euro auf dich zu. Entweder schickst du Unternehmen dein Video zu, oder du lädst es auf Bewerbungsplattformen hoch und lässt dich finden.

Zu viel Auswahl? Keine Panik, in den meisten Stellenanzeigen steht, auf welche Art man sich darauf bewerben soll. Wenn eine Firma beispielsweise die E-Mail Bewerbung nennt, verschicke auch eine solche, sonst wirkt es so, als hättest du die Anzeige nicht richtig gelesen. Bei Initiativ- und Passivbewerbungen kannst du hingegen einfach ein wenig rumprobieren, welche der vielen Bewerbungsformen dich auf die richtige Stelle bringt. Wie du siehst, führen viele Wege zum Traumjob. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Jobsuche!

Könnte zu dir passen