Ratgeber für Absolventen & Berufseinsteiger

Für Einzelkämpfer und Teamplayer

Die Übungen und Aufgaben im Assessment Center, die mal alleine, mal in Gruppen zu bestehen sind, sollen zeigen, ob du den Anforderungen eines Jobs gewachsen bist, und wie ausgeprägt deine sozialen Fähigkeiten sind. Der genaue Ablauf unterscheidet sich dabei von Unternehmen zu Unternehmen und von Job zu Job, hin und wieder geht dem eigentlichen AC auch ein Online-Test voraus, der der Vorauswahl der geeignetsten Kandidaten dient. Gerade für Stellen, die Kreativität erfordern, können die Tests auch mal äußerst originell ausfallen. Damit du aber nicht ganz ratlos dastehst, wenn eine Einladung in deinem Briefkasten landet, stellen wir dir im Folgenden die gängigsten Übungen und Aufgaben im Assessment Center vor.

Wer bin ich und was mach ich hier? – Die Vorstellung und das Einzelinterview

In der Regel beginnt jedes Assessment Center damit, dass die Teilnehmer sich der Reihe nach kurz vorstellen. So weit, so harmlos - so wichtig! Den ersten Eindruck, den du bei den Assessoren und den Mitbewerbern hinterlässt,  wirst du in der verbleibenden Zeit nur schwer wieder los. Sei freundlich und sympathisch, und versuch direkt, einen erinnerungswürdigen Eindruck zu hinterlassen. Selbstverständlich einen positiven, ein schlechter Witz kann auch total nach hinten losgehen. Auch das Unternehmen in Person der Assessoren stellt sich vor. Hörst du aufmerksam zu, kannst du hier direkt schon mit intelligenten Fragen über das Unternehmen punkten.

Anschließend folgt meistens ein Einzelinterview, das einem klassischen Vorstellungsgespräch ähnelt. Wenn du hier unsere Tipps zum Thema Bewerbungsgespräch beherzigst, dann muss dir dieser Teil schon mal keine Kopfschmerzen bereiten.

Assessment Center – Übungen und Aufgaben

Wenn´s mal wieder länger dauert – Die Assessment Center Tests

Bei den AC-Tests kann es sich um Sprach-, Intelligenz-, Persönlichkeits- oder Allgemeinwissenstests handeln. Die dienen gerne mal als Lückenfüller, z.B. wenn andere Bewerber noch an anderen Aufgaben hängen und kein Leerlauf bei dir herrschen soll. Ernstnehmen musst du sie natürlich trotzdem. Es können dich Denk-, Mathe- und Logikaufgaben erwarten, aber auch Sprachtests oder persönliche Fragen.

Probleme über Probleme – Die Fallstudie /Case Study

Im Laufe des Assessment Centers wirst du so gut wie sicher mit einer Fallstudie bzw. Case Study konfrontiert werden. Dabei unterscheidet man zwischen Kurzfällen, von denen oft mehrere direkt aufeinander folgen, und komplexeren Fallstudien, die eine längere Bearbeitungs- und Vorstellungszeit haben. Bei beiden Formen wird man dir ein Branchen-typisches Problem erläutern, das du anschließend lösen musst. Dabei kann es zum Beispiel sein, dass du Marketingstrategien für einen neuen Unternehmenszweig entwerfen, gleichzeitig aber den Umsatz steigern und beim Personal einsparen sollst. Nun musst du darstellen, wie du diese Probleme angehst und deine Prioritäten setzt. Konzentrierst du dich erst mal darauf, Personalkosten zu senken, oder ist die neue Marketingstrategie aus deiner Sicht wichtiger? Mitunter musst du auch Zahlen für einen bestimmten Markt schätzen, zum Beispiel die Verkaufswerte von DVDs, oder kreative Logikaufgaben bearbeiten, für die du ein wenig um die Ecke denken musst. Durch das Lösen des Problems beweist du nicht nur, dass du über das nötige Knowhow verfügst, sondern auch, dass du unter Druck arbeiten kannst. Die Assessoren achten besonders darauf, wie schnell du ein Problem verstehst, ob du alle möglichen Lösungsansätze erfasst und dich für den besten entscheidest. Deine Lösung stellst du in einer kurzen Präsentation oder einem ausführlichen, schriftlichen Bericht vor.

Kinder und Karriere – Die Postkorbübung

Sie gehört zu den Übungen und Aufgaben des Assessment Center wie ein Mensabesuch zum Studium und verlangt Stressresistenz, analytisches Denken, Entscheidungsfreudigkeit und Konzentration. „Postkorb“ ist dabei keine Metapher, sondern wortwörtlich zu nehmen, denn einen solchen bekommst du hier meistens in die Hand gedrückt. Dieser ist vollgestopft mit Dokumenten, die alle irgendein Anliegen enthalten, um das du dich kümmern musst. Das kann die E-Mail deines Chefs sein, der dich an ein wichtiges Meeting erinnert, oder aber ein Notizzettel, auf den deine fiktive Frau deinen baldigen Zahnarzttermin gekritzelt hat. In einem anderen Brief erinnert dich dein Sohn daran, dass er morgen zur Schule gebracht werden muss, und ein Post It weist dich darauf hin, dass deine Sekretärin dir noch dringend wichtige Unterlagen für ein Kundengespräch besorgen muss. All diese Anliegen wollen innerhalb eines engen Zeitraums unter einen Hut gebracht werden und  überschneiden sich dabei mitunter. So fällt dein Zahnarzttermin zur gleichen Zeit an wie das Meeting, und deine Sekretärin kann dir nur die Unterlagen geben, wenn du eigentlich auf dem Weg zur Schule sein solltest. Du musst jetzt für dich entscheiden, wie du diese ganzen Dringlichkeiten managst. Welche Aufgabe erledigst du zuerst, welche verschiebst du nach hinten? Welche kannst du vielleicht ignorieren, und welche auf jemand anderes abwälzen? Vielleicht kann deine Frau den Zahnarzttermin auf die Zeit nach dem Meeting verlegen, und deine Sekretärin schickt dir die nötigen Unterlagen einfach aufs Handy, während du mit dem Kurzen unterwegs bist? Mach dich außerdem auf unerwartete Zwischenfälle gefasst. Ein plötzlicher Anruf kann deine ganze Planung auf den Kopf stellen.

Hefte raus, Aufsatz!

Mitunter fühlst du dich beim AC auf die Schulbank versetzt, nämlich wenn es heißt: „Hefte raus, Aufsatz!“ Du bekommst ein Thema vorgegeben und verfasst ein paar Zeilen dazu. Das Thema kann sich auf tagesaktuelle Geschehen aus Politik und Wirtschaft oder auf unternehmensrelevante Themen beziehen. Vor allem bei Jobs, die eine gute Schreibe verlangen, kommt diese Art der Prüfung oft zum Einsatz.

Das Thema bist Du – Die (Selbst-)Präsentation

Wenn an der Uni Referate deine Stärke waren, dann kannst du dich auf diese Aufgabe im Assessment Center freuen. Entweder stellst du ein vorgegebenes Thema vor, oder dich selbst. Die Präsentationen sind manchmal absichtlich von einer kurzen Vor- und Darstellungszeit geprägt, was wieder zeigen soll, wie gut du unter Stress funktionierst. Die Präsentationen können mündlich abgehalten werden, mitunter werden aber auch interaktive Darstellungsformen wie PowerPoint verlangt. Die Spanne der möglichen Themen ist dabei breit, erwartet wird aber immer eine eher sachliche denn emotionale Präsentation. Wenn du selbst dein Thema bist, dann heißt es, ein wenig Eigenwerbung zu machen -  quasi ein Vorstellungsgespräch mit Bildern. Es kann auch vorkommen, dass du schon mit deiner Einladung zum AC die Aufforderung bekommst, eine Selbstpräsentation vorzubereiten, die du dann während des AC abhältst.

Bandleader oder Mitläufer?

Die Gruppenarbeiten sind das eigentliche Herzstück der Assessment Center Übungen. Einen Sprachtest kann man auch in einem normalen Vorstellungsgespräch unterbringen. Aber deine sozialen Kompetenzen werden nur im Zusammenspiel mit deinen Mitbewerbern deutlich. Bedenke dabei, dass deine Mitbewerber natürlich deine direkte Konkurrenz sind, die Gruppenarbeit aber kein Wettbewerb ist, bei dem es darum geht, die anderen Mitglieder schlecht aussehen zu lassen. Vielmehr geht es darum zu beobachten, wie du mit den anderen zusammenarbeitest. Einige der Einzelaufgaben werden dabei gerne auch für die gruppendynamischen Tests eingesetzt, z.B. die Fallstudie oder die Präsentationen.

Jeder gegen jeden – Die Gruppendiskussion

Erinnerst du dich noch an delectare und movere, narratio und conclusio? Die Kniffe der antiken Rhetorik können dir weiterhelfen, wenn es darum geht, zu einem Thema innerhalb einer Gruppe Stellung zu beziehen. In der Regel wird das Thema vorgegeben, mitunter lässt man euch auch aber auch freie Wahl bei der Themenwahl. So sieht man direkt,  wie kompromissfähig die einzelnen Mitglieder sind. In der Regel sollst du hinter deiner Meinung stehen und sie gegen die gegenteiligen Meinungen der anderen Gruppenmitglieder verteidigen. Es kann aber auch vorkommen, dass dir die Position vorgegeben wird, in der du zu einem Thema stehst. Dann gilt es, sich in diese Überzeugung hineinzuversetzen. Denn deine rhetorischen Fähigkeiten und deine Überzeugungskraft sind bei dieser Aufgabe wichtiger als deine persönliche Überzeugung.

Chef vs. Mitarbeiter – Das Rollenspiel

Das Rollenspiel ist ein sehr beliebtes Element bei den gruppendynamischen Aufgaben und stellt meistens ein Gespräch oder eine Situation dar, die dich so oder so ähnlich in deinem kommenden Job erwarten könnte. Du übernimmst z.B. die Rolle eines Verkäufers, der ein Kundengespräch führt und die Interessen des Unternehmens mit den Wünschen des Kunden vereinen muss, oder du spielst einen Chef, der einen etwas arbeitsfaulen Arbeitnehmer rüffeln muss.

Die letzte Hürde – Das Abschlussgespräch

Hast du die Assessment Centers Aufgaben hinter dich gebracht, kommt es meistens noch zu einem Abschlussgespräch, in dem du die vergangene Zeit Revue passieren lässt. Die Assessoren bewerten dabei nicht nur deine Arbeit, sondern fragen dich auch, wie du das AC erlebt hast und dein Abschneiden einschätzt. Es kann auch vorkommen, dass du zu deinen Mitbewerbern ausgefragt wirst. Dann ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt, andere Mitbewerber in den Dreck zu ziehen kommt überhaupt nicht gut an. Halte dich mit Kritik zurück, bewerte dich selbst ehrlich und äußere dich positiv über das AC – wenn du dich in den vorherigen Aufgaben bewährt hast, stehen so die Chancen gut, mit einem Arbeitsvertrag im Gepäck die Heimreise anzutreten.

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