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Assessment Center – Was ist das?

In einem Bewerbungsgespräch kann man vieles erzählen. Man weiß doch im Grunde, welche Antworten sich gut anhören. „Ein Teamplayer? Ich? Absolut!“ – „Ob ich stressresistent bin? Aber hallo!“ Wer würde schon freiwillig zugeben, unter Zeitdruck zickig zu werden und seine Kollegen auch mal in die Pfanne zu hauen, wenn´s der eigenen Karriere hilft? Um deinen wahren Charakter und deine Fähigkeiten auf Herz und Nieren zu testen, setzen Unternehmen daher immer öfter auf das sogenannte Assessment Center, kurz AC. Hier erwarten dich eine ganze Reihe von Aufgaben und Prüfungen, durch die ein Unternehmen feststellen kann, wie du menschlich tickst, wie du in der Gruppe funktionierst, und ob du den gestellten Anforderungen gewachsen bist. Damit du nicht ganz ratlos dastehst, wenn dir die Einladung zu einem solchen AC ins Haus flattert, verraten wir dir, was es mit diesem von Legenden umrankten Mythos der Arbeitswelt wirklich auf sich hat.

Wer bist du und was kannst du?

Gelegentlich werden Assessment Center auch für einzelne Personen veranstaltet, z.B. wenn ein Posten zu besetzen ist, für den nur äußerst wenige Kandidaten in Frage kommen. In der Regel wirst du in einem Assessment Center aber auf mehrere andere Mitbewerber treffen. An einem Veranstaltungsort, der im Sitz eines Unternehmens, aber auch weit entfernt davon liegen kann, etwa der Tagungsraum eines Hotels, verbringen du und die anderen Probanden bis zu drei gemeinsame Tage, an denen ihr an einer ganzen Reihe von Aufgaben und Gesprächen teilnehmt. Ziel des Assessment Centers ist es, dem Veranstalter ein zuverlässiges Urteil darüber zu ermöglichen, ob du menschlich und fachlich für den entsprechenden Beruf und das Unternehmen geeignet bist. Daher wirst du auch die gesamte Zeit über von den sogenannten Assessoren, z.B. betriebszugehörigen Personalern und Führungskräften oder externen Beratern und Psychologen, genauestens unter die Lupe genommen.

Assessment Center – Was ist das?

Der Weg der Prüfungen

Die Aufgaben, die dich beim AC erwarten, sind so vielfältig wie die Angebote der Berufswelt. In Interviews versucht man, dich charakterlich einzuschätzen, Eigenpräsentationen bezeugen deine Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung. Allgemeinbildungstests prüfen deinen Wissensstand, und  gespielte Jobsituationen, die die späteren realen Bedingungen simulieren sollen, zeigen, wie du die alltäglichen Herausforderungen des Berufs meisterst. Man fühlt dir auf den Zahn und schaut, wie du dich und deine Arbeit strukturierst, wie du Problemstellungen, Konflikte und Herausforderungen angehst, und ob das Unternehmen sich auch unter extremen Bedingungen wie Zeitdruck und Stress auf dich verlassen kann. Ganz nebenbei erfahren die Prüfer außerdem, ob du dem Leistungsdruck der Prüfungssituation gewachsen bist. Mitunter wird sogar dein Verhalten in den Pausen beobachtet: Verziehst du dich, um alleine zu essen und abzuschalten, oder spielst du lieber den Pausenclown?

In Gruppenarbeiten dagegen werden deine Teamfähigkeit und deine sozialen Kompetenzen beobachtet. Rollenspiele und Diskussionen zeigen, ob du anderen gegenüber deine Meinung vertreten kannst, wie du dich in die Gruppe integrierst und mit konstruktiver Kritik umgehst. Bist du durchsetzungsstark? Kannst du dich in andere Menschen hineinversetzen? Wie ist es um deine Kommunikationsfähigkeit bestellt? Sämtliche Aufgaben sind dabei speziell auf den Job zugeschnitten, für den du dich bewirbst. Ein Assessment Center für Astronauten würde vermutlich eher testen, wie dein Magen die Schwerelosigkeit verkraftet, und weniger, wie du dich in einem Verkaufsgespräch schlägst.

Ein Assessment Center für alle Fälle

Assessment Center kommen nicht nur zum Einsatz, wenn es gilt, eine freie Stelle mit einem neuen Mitarbeiter zu besetzen. Auch die schon vorhandene Belegschaft wird gelegentlich ins Assessment Center geladen. So kann die Personalleitung zum Beispiel herausfiltern, wer aus dem eigenen Team vielleicht in Frage käme, in eine Führungsposition aufzusteigen. Das Management Audit hingegen ist eine Form des AC, die besonders auf die Anforderungen von Managerposten abzielt. Mitunter werden Assessment Center auch abgehalten, um zu sehen, wie sehr Azubis, die eben erst ihre Ausbildung abgeschlossen haben, schon die Corporate Identity verinnerlicht haben.

Auch wenn es darum geht, Volontäre und Trainees zu finden, setzen viele Unternehmen auf das AC. Allerdings ist das vor allem bei größeren Unternehmen der Fall, denn so ein Assessment Center ist für die Betreiber extrem zeit- und kostenaufwendig und will geplant, durchgeführt und ausgewertet werden. Meistens kommen die Unternehmen außerdem auch für Anreise, Unterkunft und Verpflegung der Bewerber auf. Eine kostengünstigere Alternative dazu stellen die Online-Assessments dar, die sich ebenfalls wachsender Beliebtheit erfreuen.  

Ein Aufwand, der sich lohnt

Eine falsche Personalentscheidung kann einem Unternehmen teuer zu stehen kommen. Man stelle sich nur vor, der neue Topmanager erweist sich als inkompetent und verheizt durch Fehlinvestitionen oder schlampige Analysen mal eben ein paar Millionen des Firmenkapitals. Und nicht nur das: der Personalflop muss gekündigt werden und streicht mitunter noch eine ordentliche Abfindung ein, anschließend muss ein neuer Kandidat für den Posten gesucht, Stellenanzeigen geschaltet, Gespräche geführt und der nächste Mitarbeiter eingearbeitet werden. Das alles kostet Zeit und Geld, allein schon deswegen ist das Assessment Center bei Unternehmen eine beliebte Form der Personalsuche.

Das AC liefert aber nicht nur eine verlässliche Einschätzung deiner charakterlichen und fachlichen Kompetenzen. Durch die nachvollziehbaren und überprüfbaren Entscheidungskriterien sichern sich die Unternehmen außerdem gegen Vorwürfe wie Diskriminierung oder Voreingenommenheit bei Rahmen der Personalwahl ab. Wer z.B. bei einem Sprachtest versagt, der kann später nicht so einfach behaupten, aufgrund seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seiner sozialen Herkunft oder ähnlicher Kriterien abgelehnt worden zu sein.

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Unverzichtbar, aber ausbaufähig

Bei allen offensichtlichen Vorteilen, die ein AC bei der Personalsuche bietet, gibt es aber auch Kritik, die diesem Auswahlverfahren entgegenschlägt. So kann es etwa vorkommen, dass bestimmte Aufgaben viel zu offensichtlich andeuten, worauf sie eigentlich hinauswollen. Wenn ein Bewerber leicht durchschauen kann, worauf z.B. eine bestimmte Frage in einem Interview abzielt, dann lädt das den Bewerber geradezu ein, sich zu verstellen und nicht der eigenen Überzeugung nach zu antworten. Außerdem ist es eine weitverbreitete Ansicht, dass von dem Verhalten eines Bewerbers im Assessment Centers nicht auf sein Verhalten in einer realen Situation geschlossen werden kann. Da ist natürlich etwas Wahres dran: In einem Job, den du sicherhast, und bei dem du vielleicht auch schon eine gewisse Routine entwickelt hast, würdest du in den meisten Fällen sicher ganz anders reagieren, als in der schweißtreibenden Gewissheit, dass dir jemand ganz genau auf die Finger schaut, um dann über deine berufliche Zukunft zu unterscheiden.

Davon mal abgesehen, liefert ein Assessment Center aber ein viel detailliertes Bild von dir ab, als es ein noch so ausführlicher Lebenslauf oder ein stundenlanges Bewerbungsgespräch je malen könnten. Daher stellt das Assessment Center mittlerweile für so viele Unternehmen eine unverzichtbare Hilfe bei Personalentscheidungen dar, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch du dich mindestens einmal im Laufe deines beruflichen Werdegangs in einem solchen Auswahlverfahren wiederfindest.

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