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Bewerbung | Wie schreibe ich richtig Bewerbungen? Bewerbung | Wie schreibe ich richtig Bewerbungen?

Bewerbung schreiben: Ein Job für Individualisten

Es ist nicht leicht, eine perfekte Bewerbung zu schreiben. Wer dir etwas anderes erzählt, hat entweder schon 10 Jahre Berufserfahrung oder noch keine gute Bewerbung gesehen. Denn wenn du Erfolg haben und vor allem einen idealen ersten Eindruck machen willst, dann braucht es mehr als ein formgetreues Anschreiben, das sich für die unterschiedlichsten Stellen eignet.

Ohne dich jetzt unter Zeitdruck setzen zu wollen: Die Suche nach dem ersten festen Job ist meist nicht an einem Wochenende erledigt, sondern braucht Durchhaltevermögen und Organisationsarbeit. Angefangen beim professionellen Bewerbungsfoto bis zur Vorbereitung für das Vorstellungsgespräch  – es ist nicht unüblich, dass ein paar Monate ins Land gehen, bis du einen Vertrag in der Hand hast. Unsere Tipps können dir nicht garantieren, dass du weniger lange warten musst, aber du bist damit auf jeden Fall gut vorbereitet und kannst dir bessere Erfolgschancen ausrechnen. Natürlich gibt es für Anschreiben, Lebenslauf und Einstellungstest jede Menge Insiderwissen, das wir dir an anderer Stelle im Detail vorstellen. Aber ganz gleich für welche Stelle du dich interessierst, folgende Hinweise sollten dein Bewerbungsmantra werden.

Eine gute Bewerbung ist wie ein guter Anzug.

Man kann sich nicht tausend Anzüge leisten, aber der eine, den man hat, sollte wie angegossen sitzen und zu deinem Typ passen. Das Gleiche gilt für die Jobsuche: Bewirb dich statt auf 50 Jobs mittelmäßig, lieber auf fünf Jobs maßgeschneidert. Jeder Personalverantwortliche wird sofort merken, ob du deine komplette Bewerbung auf sein Unternehmen abgestimmt oder nur zwei Sätze variiert hast. Und mit komplett meinen wir wirklich alles, nicht nur das Anschreiben, sondern auch die Inhalte des Lebenslaufs.

Zudem solltest du dir vor Augen führen, dass jede Bewerbungsform andere Anforderungen an dich stellt. Es gilt also nicht nur, Stellenbeschreibung und Unternehmen mit deinen Fähigkeiten in Einklang zu bringen, sondern auch zu beachten, was z.B. eine Initiativbewerbung per Mail von einer klassischen Bewerbung auf dem Postweg unterscheidet.

Stell nicht dich selbst ins Rampenlicht, sondern deinen Nutzen.

Im Wort Bewerbung steckt nicht umsonst „Werbung“ drin, denn es ist im Grunde genommen nichts anderes als Reklame für dich als talentierte Arbeitskraft. Darum solltest du auch die wichtigste Regel des Marketings befolgen: Dich an deine Zielgruppe anpassen.

In einer perfekten Welt würden alle, die nur genügend Motivation aufbringen, den Job bekommen, den sie lieben. Leider funktioniert unsere Welt nicht so, denn es ist ein nicht zu unterschätzender organisatorischer Aufwand, Leute zum Vorstellungsgespräch einzuladen und sich um sie zu kümmern. Daher ist es nicht verwunderlich, dass dem Personaler relativ egal ist, was du in deiner Vergangenheit alles gemacht hast – es ist viel wichtiger, was du mit diesen Erfahrungen in Zukunft für das Unternehmen leisten kannst. Mach dies also zum Grundsatz all deiner Bewerbungsbemühungen und lege besonders im Anschreiben dar, was du zum Unternehmenserfolg beitragen kannst und willst.

Bewerben für eine Karriere, nicht für einen Job.

Jedes Unternehmen ist daran interessiert, junge Talente, die frisch von der Uni kommen, lange bei sich zu behalten. Im Idealfall wird nämlich viel Zeit in dich und deine Weiterbildung investiert und dann möchte man dich natürlich nicht gleich wieder weiterziehen sehen. Mach also in deiner Bewerbung deutlich, dass du nicht nur „mit irgendetwas Geld verdienen willst“, sondern auch voll und ganz hinter dem Unternehmen stehst. Der erste und einfachste Schritt ist es, Stellenanzeige und Unternehmensinfos wirklich genau zu lesen und das dort Erwähnte in deine Bewerbung mit einzubeziehen. Sich für eine Karriere zu bewerben bedeutet aber auch, dass du nicht erst eine Stunde vor dem Vorstellungsgespräch anfangen solltest, dich über dein Wunschunternehmen zu informieren. Wer sind Konkurrenten? Wo steht die Branche? Was sind deine Anregungen und Ideen für Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens? Du solltest diese Sachen zwar nicht unbedingt in dein Anschreiben einfließen lassen, aber besonders im persönlichen Gespräch wirst du mit diesem Hintergrundwissen mehr Sicherheit und Kompetenz ausstrahlen.  

Nimm dir die Zeit, dich kurz zu fassen.

Mark Twain soll mal gesagt haben: „Ich hatte keine Zeit, einen kurzen Brief zu schreiben, also schrieb ich einen langen.“ Diesem Beispiel solltest du nicht folgen, denn ein Personalverantwortlicher hat viel zu tun und keine Zeit, von jedem Bewerber ganze Romane zu lesen. Eine gute Bewerbung, insbesondere der Lebenslauf, ist also immer eine Sammlung von Highlights. Twain hatte nämlich insofern Recht, dass es meist anstrengender ist, alles Unnötige zu kürzen und sich auf das Wesentliche zu beschränken. (Ein Phänomen, das jedem von seiner Abschlussarbeit bekannt sein dürfte…). Es geht in jedem Bereich deiner Bewerbung darum, die richtigen Dinge hervorzuheben, und nicht um ein allumfassendes autobiographisches Werk. Diese Konzentration hilft dir auch beim Assessment Center enorm, um zu wissen, welche deiner Fähigkeiten du während der Tests und Gespräche in den Vordergrund rücken solltest.

Fang schon vor der Bewerbung an, dich zu bewerben.

Deine Bewerbung beginnt nicht erst mit der abgesendeten E-Mail oder dem eingeworfenen Brief. Wenn du bereits vorher positiv auffallen kannst, solltest du diese Chance wahrnehmen. Auf Karrieremessen oder anderen branchenspezifischen Events erste Kontakte zu knüpfen zahlt sich immer aus, denn so hast du gleich einen guten Einstieg für dein Anschreiben. Aber auch online solltest du überzeugen. Das kann z.B. passiv sein, indem deine Onlineprofile alle auf dem neuesten Stand sind und man nichts Peinliches findet, wenn man deinen Namen googelt, oder aber auch aktiv, indem du dem Unternehmen auf Twitter und Facebook folgst und Kommentare abgibst. 

Schätze dich und deinen praktischen Wissensstand zudem realistisch ein. Mach dich über die Branche schlau oder schreibe vielleicht sogar einen Blog über für dein Berufsfeld relevante Themen.  Sei dir zudem nicht zu schade für ein Praktikum – außer du hast schon genügend gemacht! Wem im Lebenslauf noch Praxiserfahrung fehlt, können schon ein paar Monate Praktikantenzeit helfen, seine Chancen aufzubessern. Für manche ist es möglicherweise auch der direkte Weg zur Festanstellung im Praktikumsbetrieb. Hast du bereits während des Studiums viel Erfahrung in dem Bereich deines Traumberufs gesammelt, solltest du dich hingegen selbstsicher auf Volontariate-, Trainee- und Absolventenstellen bewerben.

 

Im Grunde genommen kann man sagen, dass deine Bewerbungszeit erst dann wirklich zu Ende ist, wenn du den Vertrag in der Hand hältst. Versuche dich aber nicht zu sehr unter Druck zu setzen, wenn es nicht sofort klappt. Denke immer daran: Nicht nur Unternehmen haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Bewerbern, auch du hast jederzeit die Möglichkeit, dich umzuorientieren und zu entscheiden. Stelle also auch du die unterschiedlichen Angebote auf den Prüfstand und entscheide dich für das, was am besten zu deinen Fähigkeiten und Vorstellungen passt. 

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