Beruf als Wissenschaftlicher Mitarbeiter - Arbeiten in der Wissenschaft

Dein Studium neigt sich dem Ende zu und du hast das Gefühl, dass da auch nach deiner Masterarbeit noch Fragen sind, die du beantworten musst? Nach einem deiner Profs wurde eine Pflanzenart benannt und du hast den Ehrgeiz auch etwas ganz Eigenes, Neues in der Welt zu entdecken? Deine Kommilitonen haben dich schon immer als etwas „fachverliebt“ beschrieben? Dann herzlich Willkommen in der Welt der Wissenschaft! Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bleibst du der Uni treu und wirst sie dennoch nochmals von einer ganz anderen Seite kennenlernen.  

Spezialisierungen
Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in
Verwandte Berufe

Arbeitsalltag und Aufgaben als Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Arbeitsalltag als wissenschaftlicher Mitarbeiter Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in werden

Jeder kennt aus seinem Studium schon den ein oder anderen wissenschaftlichen Mitarbeiter und weiß, dass diese unter anderem den Profs „irgendwie zuarbeiten“. Tatsächlich bist du als wissenschaftlicher Mitarbeiter nicht nur damit beschäftigt, an deiner Dissertation zu schreiben und mit ihr den Wissensstand in deinem Fachgebiet voranzutreiben; deine eigentliche Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter besteht vielmehr daraus den Betrieb an deinem Institut künftig mitzutragen und am Laufen zu halten. Das geschieht unter anderem dadurch, dass du deinem dich beschäftigenden Lehrstuhl tatkräftig in verwaltungstechnischen Angelegenheiten wie Raumbuchung, Technikbeschaffung oder Exkursionsplanungen unter die Arme greifst, gemeinsam mit deinem Doktorvater – bzw. deiner Doktormutter – oder im Rahmen von Projektgruppen gemeinsam Fachartikel verfasst und veröffentlicht, an denen du neben deiner Dissertation arbeitest und letztlich als rechte Hand deines Profs dessen Lehrtätigkeit unterstützt.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bist du in der Regel auch selbst an die Lehrpflicht eingebunden und gibst Seminare und Sprechstunden, um den wissenschaftlichen Nachwuchs, der nach dir folgt, mit auszubilden. Hierfür wirst du alle Fertigkeiten aufbringen müssen, die dir als Techniken wissenschaftlichen Arbeitens im Studium an die Hand gegeben wurden, von der Recherche und Zusammenstellung von Literatur bis zur Moderation und Führung von Diskussionen. Dabei gilt auch für dich das Gebot der „Freiheit der Lehre“: Dir ist es selbst freigestellt zu entscheiden, welche Themen in deinen Seminaren behandelt werden. Das kann man sich natürlich auch zunutze machen. Es ist nicht unüblich, die ersten Seminare zu Themen zu geben, die mit der eigenen Dissertation zu tun haben, da man hier schließlich seinen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter gezielt mit der eigenen Promotion verknüpfen kann.

Auch der Besuch und die Mitwirkung an Fachveranstaltungen und Tagungen sollten für dich von Zeit zu Zeit machbar sein, wenn du eine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter anstrebst, denn „Networking“ ist für wissenschaftliche Mitarbeiter das Schlagwort schlechthin. Je mehr Kontakte du zu Leuten aus deinem Fachbereich knüpfst umso leichter wird es dir nämlich mit der Zeit fallen, Forschungsprojekte zu unterstützen oder selbst andere Wissenschaftler für deine eigenen Arbeiten zu gewinnen.  

Voraussetzungen für den Beruf Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Die Arbeitssituation wissenschaftlicher Mitarbeiter ist nicht umsonst in den letzten Jahren vielfach in den Medien diskutiert worden, denn sie verlangt wirklich sehr viel Durchhaltevermögen von dir – nicht zuletzt, weil du dich mit deiner Promotion für mehrere Jahre an ein einzelnes Thema zur Bearbeitung bindest. Viele scheitern auf Dauer an der möglichen Monotonie der Dissertation, verbunden mit der überdurchschnittlich hohen Arbeitsbelastung, die durch den Job dabei entstehen kann. Daher musst du dir vorher im Klaren sein, dass du wirklich davon überzeugt bist, dass du aus deiner Neugier deinen Beruf machen möchtest. Ansonsten wird dich der innere Druck der Selbstdisziplin sowie die äußere Leistungsdruck deines Lehrstuhls und deiner Arbeitskollegen auf Dauer unglücklich machen und dich über kurz oder lang zum Abbruch bringen.

Zudem musst du einige Kompromisse eingehen. Denn die meistens Jobs für wissenschaftliche Mitarbeiter sind auf Teilzeit ausgeschrieben, heißt, du hast nur ungefähr 20 Wochenstunden Dienst abzuleisten. Das klingt zunächst verführerisch, schließlich möchtest du ja auch Zeit für deine Dissertation aufbringen können, doch bedenke, dass bei einer halben Stelle auch die Besoldung nur halb so hoch ist wie bei einer vollen Stelle. Trotzdem leisten viele wissenschaftliche Mitarbeiter viel mehr Arbeitsstunden ab, als sie bezahlt bekommen, weil sie sich dadurch bessere Chancen ausrechnen, auf Dauer auch bessere Möglichkeiten in ihrem weiteren Karriereverlauf erhaschen zu können. Ein Teufelskreis, den du mit deiner Freizeit vereinbaren musst.

Zusätzlich solltest du wissen, dass eine befristete Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Wissenschaftszeitvertragsgesetz geregelt wird. Das Gesetz besagt, dass du insgesamt nicht länger als 12 Jahre (Mediziner 15 Jahre) befristet angestellt werden darfst (unterteilt in 6 Jahre, bis du deine Promotion abgeschlossen hast und danach nochmals bis zu 6 Jahre, bzw. bei Medizinern 9 Jahre; hast du Kinder, verlängert sich deine maximale befristete Beschäftigungsdauer um 2 Jahre je Kind). Danach ist Schluss für dich an der Universität, solltest du bis dahin nicht unbefristet ins wissenschaftliche Personal aufgenommen werden sollte.

Praktisch für den Start und vielfach auch die Voraussetzung, um überhaupt in eine engere Auswahl für einen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter aufgenommen zu werden, ist eine Anstellung als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft bereits während des Studiums. Aufgrund der administrativen Aufgaben, die einen als wissenschaftlicher Mitarbeiter erwarten, ist es dann zweitrangig, wo das genau war, also ob du z.B. in einer fachfremden Institutsbibliothek angestellt gewesen bist anstatt im Geschäftszimmer deines eigenen Instituts. Deine fachlichen Qualifikationen musst du sowieso unabhängig davon durch deine bisher behandelten Themen und Ideen für deine Promotion beweisen.

Wichtig ist letztlich, dass du dir im Klaren bist, dass du nicht nur an deiner Dissertation sitzt und dir von einer Seminarsgruppe ein paar Wochen im Jahr Referate vortragen lässt, sondern für den verwaltungstechnischen Aufwand, den man als wissenschaftlicher Mitarbeiter aufbringen muss, auch bereit bist.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Wissenschaftliche Mitarbeiter sind wahrscheinlich die Experten schlichthin im spezialisieren. Schließlich gehört es zu ihrem Beruf sich in neue Themen reinzuarbeiten, neue Erkenntnisse hervorzubringen und dann für diese die Ansprechpartner Nr. 1 zu werden. Von daher kann hier nicht wirklich von Spezialisierungen gesprochen werden, sondern sind es vielmehr Variationen des wissenschaftlichen Mitarbeiters, die wir hier noch vorstellen.

Denn wissenschaftlicher Mitarbeiter bist du nicht nur als Promovend. Wenn du zum Beispiel gerne forschungsnah arbeitest, jedoch selbst nicht mehr allzu sehr in die richtige wissenschaftliche Arbeit involviert sein möchtest, könntest du als wissenschaftlicher Referent an Hochschulen, in Forschungseinrichtungen oder sogar in Ministerien und für Abgeordnete in der Politik arbeiten. Als solcher begleitest du Wissenschaftler bei ihrer täglichen Arbeit, betreust Forschungsprojekte beratend und sprichst auf Grundlage der Ergebnisse deiner Arbeit Handlungsempfehlungen aus.

Oder aber gehst du gehst in die Wirtschaft in den Bereich Forschung & Entwicklung. Solche Abteilungen finden sich bei fast allen Großunternehmen der Industrie und umfassen die Kombination aus Grundlagenforschung, Technologieentwicklung, Vorentwicklung und Produkt- und Prozessentwicklung. Du arbeitest hier aktiv daran mit, Innovationen Lösungsmöglichkeiten für Probleme zu schaffen, die daraufhin zu völlig neuen Produkten verarbeitet werden können.

Wenn du zu Unizeiten in Gruppenarbeiten gerne die „Sprecherposition“ eingenommen und das Team mit deinem Organisationstalent unterstützt hast, könnten aber auch Jobs im Projekt-, Forschungs- oder im neueren Wissenschaftsmanagement für dich interessant sein. Je nach Bereich bist du weniger dafür verantwortlich selbst zu forschen, sondern die Bedingungen zu schaffen, dass überhaupt geforscht werden kann. Wie du siehst hast du also auch, wenn dir die Uni inzwischen nicht mehr liegt, dennoch Möglichkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter Karriere zu machen. 

Spezialisierungen
Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in
Fachjargon
Networking

Egal, ob du in der Wissenschaft Fuß fassen willst, oder dich in der Wirtschaft behaupten möchtest: Es ist immer besser, die Leute, die dein Fachgebiet mitbestimmen und gestalten, persönlich zu kennen, anstatt nur ihre Artikel mit Ehrfurcht zu lesen. Zeige Präsenz auf Tagungen oder ähnlichen Veranstaltungen, sei für Gespräche mit den Kollegen deines Faches offen und scheue nicht davor zurück Angebote wie graduate schools und get together-Treffen zu besuchen. Und sei aufmerksam: Manchmal lohnt es sich auch einfach mal fünf Minuten in der Mensa mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter aus dem anderen Fach ein wenig zu quatschen, um Anregungen und Ideen für die eigene Arbeit zu bekommen.

Evaluierung

Evaluierung heißt nicht einfach nur deine eigene Arbeit stückweise selbstkritisch zu betrachten. Evaluierungsprozesse sind teilweise groß angelegte administrative Verfahren, in die du in deiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter regelmäßig verwickelt wirst. Sie zielt ebenfalls darauf ab, deine zu bearbeitenden Aufgaben und deine Lehre transparent zu halten, was nicht nur die Beurteilung deiner Arbeit erleichtert, sondern auch die Optimierung für zukünftige Aufträge oder Veranstaltungen.

Nachhaltigkeit

Ein grundlegendes Kriterium für Wissenschaftlichkeit ist es, wenn die Erkenntnisse und Ergebnisse deiner Forschungs- und Lehrarbeit nachwirken. Sei es dadurch, dass du mit einem Artikel für eine weiterführende Diskussion oder einen wichtigen Denkanstoß gesorgt hast, den Grundstein für weitergehende Forschung gelegt oder vielleicht auch einfach nur ein Seminarkonzept erstellt hast, das leicht zu reproduzieren ist und dabei für viele glückliche Studenten sorgt – als wissenschaftlicher Mitarbeiter musst du dich ständig der Frage stellen, ob das, woran du arbeitest, auch einen Nutzen für später haben kann.

Wusstest du schon, dass...
  • 26.981 Menschen an deutschen Hochschulen 2011 den Doktortitel erlangt haben? Das waren 6,9 % aller damaligen Hochschulabsolventen.
  • es auch verbeamtete wissenschaftliche Mitarbeiter gibt? Solche Stellen gibt es auch auf Zeit oder unbefristet, sind jedoch so selten, dass viele nicht von deren Existenz wissen.
  • der Münchner Karl Lermer mit 85 Jahren seine Doktorprüfung abgeschlossen hat und damit der älteste Promovend Deutschlands ist? Sein Forschungsthema war das mehrsprachige Schulwesen in Südtirol.
Was man kennen und können sollte
Programme
  • Microsoft Office Programme
  • LaTeX (vor allem Naturwissenschaftler und Mathematiker)
  • Adobe Acrobat
  • Literaturverwaltungsprogramme, zum Beispiel Endnote, Citavi, Mendeley, Docear
Fremdsprachen
  • Englisch
  • Weitere Fremdsprachen je nach Bedarf
Verwandte Berufsfelder:
Wissenschaftlicher Mitarbeiter als Beruf - Infos zur Arbeit in der Wissenschaft

Beruf als
Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: Bis 50 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 1683-1868 €
Männer/Frauen-Relation 6/4
Bewerber pro Stelle: 20 Bewerber
Spitzenverdiener 5670 €