Beruf als Wirtschaftsmathematiker - Arbeiten in der Wirtschaftsmathematik

Der Albtraum eines jeden Sparers ist, dass sich seine Bank im Börsengeschäft verzockt oder dass die gerade angepriesene Aktie am Tag darauf eine verehrende Talfahrt beginnt. Ähnlich wie schon bei den drei Musketieren gilt für dich als angehender Wirtschaftsmathematiker daher: „Einer für alle“. Als Wirtschaftsmathematiker bist du in vielen unterschiedlichen Branchen sehr gefragt. Egal ob du Tarife präzise kalkulierst oder Börsenschwankungen und Statistiken analysierst - du entschlüsselst die Gesetzmäßigkeiten und machst Zahlen und Fakten für die Geschäftsleitung greifbar. Große Projekte sind meist auch mit einer umfangreichen Finanzierung verbunden. Lohnt sich der Bau einer neuen Fabrikhalle überhaupt? Bevor der erste Spatenstich getan wird, ist viel Planung erforderlich und mögliche Risiken müssen abgewogen werden. Im Beruf des Wirtschaftsmathematikers konzipierst du die strategischen Planungen und bist für die Risikominimierung verantwortlich. 

Arbeitsalltag und Aufgaben als Wirtschaftsmathematiker

Arbeitsalltag als Wirtschaftsmathematiker Wirtschaftsmathematiker/in werden

Sitzen, tippen, denken, diskutieren, laufen und verhandeln – der Beruf des Wirtschaftsmathematikers fordert dir Einiges ab, denn mit der bloßen Datenanalyse am Rechner allein ist deine Arbeit noch nicht getan. Du bist ein Allrounder. Natürlich musst du auch viel Sitzfleisch beweisen, wenn du am Rechner große Datensätze strukturierst und Unternehmensstrategien entwickelst. Deine Konzepte reichst du aber nicht nur weiter. Soll beispielsweise eine Werkstraße optimiert werden, bekommst du zuerst die Daten der Produktion auf deinen Rechner gemailt. Danach geht es mit dem ersten Konzept ins Meeting mit den Fachkräften verschiedener Abteilungen, die deinen Entwurf kritisch beäugen. Schließlich wissen die Ingenieure und Techniker, ob deine Ideen technisch umsetzbar sind und der Abteilungsleiter wird dich in die Schranken weisen, wenn nicht mehr Personal eingesetzt werden kann. Die Arbeit ist oft projektbezogen und daher oft auch abwechslungsreich und fordernd.

Du merkst also, dass du im Beruf des Wirtschaftsmathematikers viele Faktoren gleichzeitig auf dem Schirm haben musst. Aber dafür gibt’s ja auch die Teamarbeit. Sicherlich wirst du bei Projekten auch mal die Leitung übernehmen und dann deine Mitarbeiter anleiten und koordinieren müssen, damit Planung und Durchführung Hand in Hand gehen und alles termingerecht umgesetzt wird.  Vor allem kurz vor der Deadline kann es sein, dass du dann mal nicht pünktlich zuhause bist. Bei international agierenden Firmen ist es gut möglich, dass du deine Büroarbeit unterwegs erledigt, wenn du gerade in der Bahn oder dem Flieger bist, um dich vor Ort mit Kunden und Mitarbeitern auseinanderzusetzen. Letztendlich hängt dein Arbeitsalltag vor allem davon ab, bei welcher Firma du arbeitest, welche Kunden und Aufträge sie bekommt und inwiefern sie regional oder sogar international tätig ist.

Bei Ämtern und Meinungsforschungsinstituten wirst du im Beruf des Wirtschaftsmathematikers hauptsächlich am Computer Statistiken auswerten, während du bei großen Industrieunternehmen oft unter Hochdruck Prozesse effizienter gestalten musst, damit die Produktion just-in-time verläuft. Obwohl die Methodik oft die gleiche ist, wirst du ständig mit anderen Aufgaben konfrontiert werden. Mal berechnest du eine Maschinenroutine neu, dann berechnest du Lieferwege für LKWs oder überprüfst die Investitionssumme in neue Werksmaschinen. In der Forschung dagegen wirst du teils ganz abstrakte Ziele verfolgen und sehr allgemeingültige Formeln und Berechnungen aufstellen – wenn du als Doktor nicht gerade im Hörsaal stehst und eine Vorlesung hältst.

Voraussetzungen für den Beruf Wirtschaftsmathematiker

Das Studium der Wirtschaftsmathematik hat dich mit Fachwissen und Methodik ausgerüstet, doch in der Berufswelt wirst du auch in ganz anderen Bereichen gemessen. In den meisten Jobs wirst du nicht im stillen Kämmerchen vor dich hinarbeiten, sondern innerhalb eines Teams die nötigen Strategien entwickeln. Im Beruf als Wirtschaftsmathematiker ist also Kommunikation und Kreativität gefragt. Wer seine Vorstellungen durchboxen will, der fliegt genauso schnell auf die Nase, wie derjenige seine bahnbrechenden Konzepte für sich behält. Nach der Konzeption gilt es auch, deine Ideen zu präsentieren und das Gegenüber von ihr zu überzeugen.

Das große Ganze – so könnte dein Motto im Beruf des Wirtschaftsmathematikers lauten, denn während deiner Arbeit wirst du alle erdenklichen Faktoren in deine Überlegungen mit einbeziehen müssen. Dabei ist es besonders wichtig, im Gespräch mit anderen Fachkräften interdisziplinär zu denken. Wenn du beispielsweise in einer Unternehmensberatung arbeitest, wirst du Kunden aus ständig wechselnden Branchen beraten müssen. Egal ob dein erstes Projekt ein Zoo, das zweite eine kriselnde Fabrik ist, wenn sie rote Zahlen schreiben, ist das Ziel dasselbe: Wirtschaftlichkeit. Zwar lassen sich alle Probleme mit mathematischen Modellen ausdrücken. Du musst aber genauso ein gewisses Gespür dafür mitbringen, wie die vorhandenen Probleme entstanden sind, wie Prozesse verbessert werden können, welche Restriktionen es gibt und wo die Problemlösung am besten angesetzt werden kann. In der Fabrik werden dafür Abteilungen zusammengefasst, die Materialien anders gelagert, die Maschinenroutinen neu programmiert. Im Zoo dagegen bleiben die Tiere in ihren Käfigen und von Programmierung ist hier nicht die Rede. Stattdessen wirst du einen Blick auf die Marketing-Kampagnen werfen, um mehr Kunden anzulocken. Aber keine Sorge, solche Lösungspropheten fallen nicht vom Himmel. Viel von der Fachkenntnis wirst du während deiner beruflichen Praxis Schritt für Schritt lernen.

Wenn du dich dann so langsam im Beruf des Wirtschaftsmathematikers behauptest, empfiehlst du dich auch für höhere Positionen und wirst mit großer Wahrscheinlichkeit mit weiteren Management- und Personalaufgaben betreut. 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Probleme gibt es überall – so traurig es klingt, ist das gleichzeitig dein beruflicher Segen. In allen Wirtschaftszweigen gibt es Arbeitsabläufe, die du optimieren kannst, und die großen Datenmengen der heutigen Zeit wollen zielgerichtet ausgewertet werden. Aus diesem Grund ist der Beruf des Wirtschaftsmathematikers branchenübergreifend gefragt. So kannst du in Kreditanstalten neue Finanzpakete entwickeln, versuchst Börsenschwankungen zu kalkulieren und Anlegestrategien zu entwerfen. Bei Versicherungsgesellschaften wirst du unter anderem allgemeine Tarifoptionen berechnen. In der Industrie hingegen spezialisierst du dich beispielsweise darauf, mathematische Modelle zu entwerfen, um Arbeitsprozesse zu simulieren. Bei Softwareunternehmen kannst du dich in die Entwicklung neuer Programme einbringen.

Als Herr der Zahlen kannst du dich im Beruf des Wirtschaftsmathematikers bei EDV-Dienstleistern bzw. Markt- und Meinungsforschungsinstituten durch große Datensätze wühlen, um letztendlich Antworten auf wichtige Frage zu finden. Als Wirtschaftsmathematiker kommst du aber genauso gut in der öffentlichen Verwaltung unter. So erhebst du beispielsweise Statistiken und erklärst, wie Arbeitsmarktsituation und Bildungspolitik zusammenhängen oder Wirtschaftszweige sich tendenziell entwickeln. Du kannst dich aber auch den grundsätzlichen Fragen der Wirtschaftsmathematik widmen und an Forschungsinstituten oder Hochschulen an der Visualisierung großer Datenmengen oder der Konzeption von allgemein geltenden Investitionsmodellen beteiligen.

 

Spezialisierungen
Wirtschaftsmathematiker/in
Fachjargon
Restriktion

Die Restriktion, also die Einschränkung der Definitionsmenge einer Funktion, sind mit die wichtigsten Parameter in der angewandten mathematischen Berechnung, da sie die theoretischen Möglichkeiten auf die realen Umstände begrenzen. Die Restriktion beschränkt daher das Optimierungspotential auf andere Werte.

Algorithmus

Der Begriff bezeichnet eine zielgerichtete Handlungsabfolge, bei der ein Problem oder eine Klasse von Problemen gelöst werden soll. Heutzutage finden sie hauptsächlich Anwendung in der Mathematik und Informatik, um grundlegende Berechnungen in Software auszuführen.

Neoklassische Produktionsfunktion

Hierbei handelt es sich um eine ertragsgesetzliche Produktionsfunktion mit Ertragsgrenzen, die von Anfang an abnehmen. Obwohl es sich hierbei um ein theoretisches Modell handelt, hat es sich in vielen Anwendungsbereichen empirisch bewährt.

Wusstest du schon, dass...
  • die Entwicklung leistungsfähiger Rechenverfahren das wissenschaftliche Rechnen genauso beschleunigt wie der Fortschritt in der Hardware-Technologie? (Moor’sches Gesetz)
  • der endgültige Beweis für den Satz von Fermet über drei Jahrhunderte auf sich warten ließ?
  • der erste für einen mechanischen Rechner gedachte Algorithmus bereits 1843 von Ada Lovelace formuliert wurde?
Was man kennen und können sollte
Fachliche Kenntnisse
  • mathematische Modelle und Theorie
  • nichtlineare Optimierung
  • Stochastik
  • Wirtschaftsstatistik
EDV-Kenntnisse
  • Office (Word, Excel, Powerpoint)
  • Programmiersprachen
Sprachen
  • Fachliches Englisch
Verwandte Berufsfelder: Finanzen
Wirtschaftsmathematiker als Beruf - Infos zur Arbeit im Wirtschaftsmathematik

Beruf als
Wirtschaftsmathematiker/in

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 40-45 Stunden: Normal
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 3000-4600 €
Männer/Frauen-Relation 6/4
Bewerber pro Stelle: 40 Bewerber
Spitzenverdiener 7500 €