Bewerbung als Staatsanwalt

Die größte Hürde auf deinem Weg in den staatsanwaltlichen Dienst wartet bereits mit der zweiten juristischen Staatsprüfung im Anschluss an dein Referendariat auf dich. Stellen als Staatsanwalt sind äußerst beliebt und einer geringen Zahl freier Plätze stehen viele gut qualifizierte Bewerber gegenüber. So haben nur die Bewerber mit dem besten Abschluss überhaupt die Chance, in den richterlichen Probedienst übernommen zu werden. Je nach Bezirk musst du das zweite Staatsexamen mit 8.25, oftmals auch mit 9.0 Punkten bestanden haben, also über ein Prädikatsexamen verfügen. 

Hast du aber ein solches Zeugnis, dann läuft die eigentliche Bewerbung als Staatsanwalt recht formlos ab. Du schickst einfach alle vorgegebenen Dokumente an die jeweilige Generalstaatsanwaltschaft, die für den Landgerichtsbezirk zuständig ist, in dem du arbeiten möchtest. Möchtest du etwa den Probedienst für das Amt des Staatsanwalts in Nordrhein-Westfalen in einer der Staatsanwaltschaften der Landgerichtsbezirke Aachen, Bonn oder Köln leisten, ginge die Bewerbung an die Generalstaatsanwaltschaft Köln. Für Bochum, Dortmund und Münster wäre hingegen die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm zuständig. Sämtliche von dir auszufüllende Unterlagen, etwa Bewerbungsbögen und Erklärungen, liegen auf den jeweiligen Internetseiten zum Download bereit. 

Anschreiben und Lebenslauf

Bei der Bewerbung als Staatsanwalt kommt es vor allem auf deinen Abschluss und die dienstrechtlichen Voraussetzungen an. Zuallererst musst du ein rechtswissenschaftliches Studium mit Abschluss der 1. Staatsprüfung sowie den Vorbereitungsdienst, also das Referendariat, mit Abschluss der 2. Staatsprüfung nachweisen. Wie bereits erwähnt solltest du hier ein Prädikatsexamen vorweisen können, um überhaupt die Chance auf eine Einladung zu einem Staatsanwalt Vorstellungsgespräch zu bekommen. Der Doktor ist keine Pflicht, kann deine Chance, eine Übernahme in den staatsanwaltlichen Probedienst zu bekommen, aber ebenfalls noch erhöhen. Allerdings kommen solche und andere Zusatzqualifikationen auch nur in Kombination mit einem ausgezeichneten Staatsexamen zur Geltung, ersetzen können sie es nicht.  

Die Bewerbungsunterlagen werden an die zuständige Generalstaatsanwaltschaft eines Bezirks geschickt und sollten Vor- und Nachname, Geburtsdatum und -ort, deine vollständige Anschrift samt Telefonnummer und E-Mail-Adresse, eine Einverständniserklärung zur Beiziehung der Personalakten sowie die Einverständniserklärung zur Speicherung deiner Daten beinhalten. Daneben müssen die Zeugnisse der 1. und 2. juristischen Staatsprüfung, eine Bescheinigung über die Einzelergebnisse der 2. Staatsprüfung sowie alle Zeugnisse der strafrechtlichen Ausbildungsabschnitte und Arbeitsgemeinschaften beiliegen.

Was sonst noch alles bei der Bewerbung als Staatsanwalt verlangt wird, unterscheidet sich von Bezirk zu Bezirk, auch innerhalb der einzelnen Bundesländer. So will die Generalstaatsanwaltschaft Hamm einen handgeschriebenen, nicht tabellarischen Lebenslauf, die Generalstaatsanwaltschaft Köln aber einen tabellarischen. Hier und da wird auch das Abiturzeugnis verlangt oder Nachweise vom Zivil- bzw. Wehrdienst. Vor der Bewerbung sollte man sich also zwingend bei der jeweiligen Generalstaatsanwaltschaft schlau machen. Meistens findet man schon auf deren Internetseiten alle relevanten Informationen und alle nötigen Vorlagen, etwa die Bewerbungsbögen oder wichtige Erklärungen, zum Download. Ein Anschreiben, in dem du deine Motivation ausdrückst, gibt es bei der Bewerbung als Staatsanwalt allerdings nicht.

Staatsanwalt Bewerbung - Tipps zu Anschreiben und Lebenslauf

Das Vorstellungsgespräch

Sofern du alle Voraussetzungen erfüllt hast, folgt nach der Einsendung der Unterlagen meist telefonisch die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch als Staatsanwalt. Dieses läuft meist als einstündiges Einzelinterview ab. Teilnehmer neben dir sind der Generalstaatsanwalt, außerdem auch sein Vertreter, ein Leiter der Staatsanwaltschaft des hiesigen Bezirks sowie eine Gleichstellungsbeauftragte. Allerdings gibt es auch diesbezüglich von Bezirk zu Bezirk Unterschiede.

Fachwissen und deine formelle Eignung hast du mit deiner schriftlichen Bewerbung nachgewiesen. Im Vorstellungsgespräch als Staatsanwalt geht es nun um deine Soft Skills. Wie sieht es mit deinem Engagement, deiner Aufgeschlossenheit und deiner Kommunikationsfähigkeit aus? Auch deinem Verständnis für soziale Belange sowie für gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge kommt jetzt Bedeutung zu. Daneben wird man testen wollen, wie es um dein Einfühlungsvermögen und deine Entschlussfreude bestellt ist, ob du über ein sicheres Auftreten und die Fähigkeit verfügst, divergierende Interessen objektiv zu bewerten und auszugleichen. Daneben kommen auch Aspekte deines bisherigen Lebensweges sowie Ansichten und Einstellungen zu Fragen des staatsanwaltlichen Tätigkeitsbereichs zur Sprache. Bei manchem Vorstellungsgespräch als Staatsanwalt werden dich auch kleinere Fallbeispiele mit Problem- und Konfliktsituationen aus dem beruflichen Alltag erwarten. 

Der Bewerbungsprozess

Die Bewerbung als Staatsanwalt läuft in der Regel in jedem Bezirk und jedem Bundesland nach dem gleichen Muster ab. Hast du alle wichtigen Unterlagen zusammen und den entsprechenden Abschluss des zweiten Staatsexamens in der Tasche, schickst du deine komplette Bewerbung den Vorgaben der jeweiligen Generalstaatsanwaltschaft entsprechend ein. Anschließend folgt, oftmals recht kurzfristig, die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. In manchen Bezirken gibt es aber auch feste Einstellungstermine. In München etwa wird zweimal im Jahr, jeweils im Anschluss an die zweite juristische Staatsprüfung, ein solches Auswahlverfahren durchgeführt. Konntest du auch im Vorstellungsgespräch überzeugen, wird man dir bald darauf mitteilen, dass du in das Richterverhältnis auf Probe übernommen wirst. Nach mindestens drei, maximal aber fünf Jahren als Richter auf Probe wird man bei Eignung unter Berufung auf das Beamtenverhältnis zum Staatsanwalt auf Lebenszeit ernannt.

Typische Fragen im Bewerbungsgespräch
  • Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Staatsanwalt zu werden?
  • Gab es Situationen in Ihrem Leben, in denen Sie Fähigkeiten, über die ein Staatsanwalt verfügen muss, schon unter Beweis stellen konnten?
  • Beziehen Sie bitte zu diesem oder jenem Fall Stellung.

Dresscode

Bei Gericht herrscht ein strenger Dresscode. Als Staatsanwalt trägst du hier eine Robe, die der des Richters entspricht und aus schwarzer Wolle mit Samtabschluss besteht. Ansonsten besteht die Arbeitskleidung von Staatsanwälten aus Anzügen mit Hemd und Krawatte, Staatsanwältinnen tragen dunkle, nicht zu kurze Röcke, unauffällige Hemden und eine zum Rock passende Bluse. Auch sonst sollten Staatsanwälte und -anwältinnen auf einen gepflegten äußeren Eindruck, etwa beim Haarschnitt, achten. Generell solltest du, wenn du etwa mit Mandanten oder den Behörden zu tun hast, sicher, souverän und vertrauenswürdig auftreten. Was du aber beim Aktenwälzen trägst, bleibt dann dir überlassen. Beim Vorstellungsgespräch für die richterliche Probezeit solltest du dich aber auf jeden Fall nach der Arbeitskleidung richten. 

Beruf als
Staatsanwalt/-anwältin