Beruf als Staatsanwalt - Arbeiten in der Justiz

Anwälten haftet ja oftmals ein zweifelhafter Ruf an. Nicht selten werden sie als Rechtsverdreher oder raffgierige Winkeladvokaten karikiert. Als Staatsanwalt musst du dir den Vorwurf fragwürdiger Motive allerdings nicht gefallen lassen, denn hier vertrittst du das öffentliche Interesse und wirst dabei auch noch auf fester tariflicher Basis vergütet. Nicht zuletzt deswegen ist der Beruf Staatsanwalt für viele Juristen das absolute Traumziel. Für sehr, sehr viele Juristen. Wenn du es auf eine der wenigen freien Stellen abgesehen hast, solltest du dich also schon mal auf große und hochqualifizierte Konkurrenz einstellen. Nur mit zwei außerordentlichen juristischen Staatsprüfungen hast du überhaupt die Chance, in die nähere Auswahl zu kommen. Doch dein späterer Job und die Karriereaussichten sind das viele Pauken mehr als wert!

Spezialisierungen
Staatsanwalt/-anwältin

Arbeitsalltag und Aufgaben als Staatsanwalt

Arbeitsalltag als Staatsanwalt Staatsanwalt/-anwältin werden

Im Beruf als Staatsanwalt drehen sich deine Aufgaben rund um die Strafverfolgung und -vollstreckung. Durch Anzeige, manchmal auch auf anderem Weg, wird der Staatsanwalt vom Verdacht einer Straftat in Kenntnis gesetzt. Daraufhin prüft er den Sachverhalt und leitet anschließend die Ermittlungen. Der Staatsanwalt hat zu diesem Zweck die Befugnis, von allen Behörden die nötigen Auskünfte einzuholen. Mitunter ermittelt er auch selbst und vernimmt Beschuldigte und Zeugen, in der Regel übernehmen das aber Behörden wie Polizei und Zoll. Werden im Rahmen der Untersuchungen die Grundrechte von Verdächtigten angegangen, etwa wenn eine Wohnung durchsucht, ein Haftbefehl erlassen, Blut abgenommen oder ein Telefonat überwacht wird, holt der Staatsanwalt zuvor einen richterlichen Beschluss ein. In dringenden Fällen, beispielsweise wenn die Gefahr besteht, dass wichtige Beweismittel vernichtet werden, ordnet er die Maßnahmen auch selber an und lässt sie sich dann rückwirkend durch den Richter bestätigen.

Zum Beruf als Staatsanwalt gehört auch, Zeugen und Angeklagte polizeilich vorführen zu lassen, wenn sie auf seine Vorladung nicht erscheinen, oder Ordnungsgeld und Ordnungshaft zu beantragen. Bei Kapital- und Großverbrechen ist er meistens am Tatort oder bei den Durchsuchungen mit dabei. Er sucht aber nicht nur nach belastendem Beweismaterial, sondern auch nach entlastenden Umständen. Im Beruf als Staatsanwalt bist du nämlich nicht nur ein Ankläger, der einen Verdächtigen als schuldig entlarven will, sondern gleichzeitig auch Verteidiger. Das kommt daher, dass die Staatsanwaltschaft keine Partei im Strafprozess ist und weder mit dem Gericht noch gegen den Angeklagten oder seinen Verteidiger arbeitet.

Erhärtet oder bestätigt sich der Verdacht einer Straftat, reichst du eine Anklageschrift beim Strafgericht ein. Selbst wenn Zweifel an dem Tathergang bestehen, muss der Staatsanwalt eine Tat verfolgen. Ein Richter ist gezwungen, im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden. Die Staatsanwaltschaft muss aber auch im Zweifel die Anklage erheben. Kommt es zur Hauptverhandlung, bist du Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. Zu diesem Job gehören zum Beispiel das Verlesen der Anklageschrift, die Beweisaufnahme und das Halten eines Plädoyers. Du musst auch Rechtsmittel einlegen, wenn du mit einer Entscheidung des Gerichts nicht einverstanden bist. Oder du beantragst bei Gericht die Aussetzung eines Strafrestes zur Bewährung, z.B. weil ein Verurteilter während seiner Bewährung wieder straffällig wird. Im Erwachsenenstrafrecht kümmerst du dich nach einem Urteil außerdem auch um die Strafverfolgung und passt z.B. auf, dass Verurteilte ihre Haft antreten oder Bußgelder zahlen. Geschieht dies nicht, erlässt du einen Haftbefehl. Im Steuerstrafverfahren sind die Aufgaben nicht ganz so klar definiert, da hier in der Strafverfolgung auch andere Instanzen wie das Finanzamt oder das Bundeszentralamt für Steuern involviert sind.

Im Beruf des Staatsanwalts bist du vor allem in Büroräumen und Besprechungszimmern, während der Verhandlung zudem in Gerichtssälen beschäftigt. In der Vorbereitung arbeitest du auch oft in deinem eigenen häuslichen Büro, z.B. wenn du Akten oder die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen durcharbeitest. Außerdem setzt du dich mit Gesetzestexten auseinander, füllst Anträge aus, z.B. um die Erlaubnis für eine Hausdurchsuchung oder ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit eines Angeklagten einzuholen. Oft sammelst du alles Wichtige rund um einen Fall auch in einer von dir selbst angelegten Akte. In bestimmten komplexeren Fällen, z.B. wenn der Angeklagte ein Politiker ist, musst du deine vorgesetzten Ober- und Generalstaatsanwälte regelmäßig über das Verfahren auf dem Laufenden halten. 

Voraussetzungen für den Beruf Staatsanwalt

Es gibt klare Bedingungen, die du erfüllen musst, bevor du dich bei den Generalstaatsanwaltschaften der einzelnen Bezirke für den Beruf Staatsanwalt bewerben kannst. Die wichtigste ist, als Volljurist die Befähigung zum Richteramt und zum höheren Verwaltungsdienst vorweisen zu können. Volljurist bist du, wenn du das Studium der Rechtswissenschaften mit dem ersten Staatsexamen beendet und das anschließende Referendariat mit einem zweiten Staatsexamen abgeschlossen hast. Anschließend musst du in fast allen Bundesländern drei bis fünf Jahre als Richter auf Probe arbeiten, anschließend wirst du zum Staatsanwalt auf Lebenszeit ernannt. Um aber überhaupt für diese Probezeit zugelassen zu werden, musst du deine Staatsexamen mit Bestnote abschließen. Es gibt extrem viele Bewerber für den höheren Justizdienst, daher werden nur Bewerber mit Prädikatsexamen in die nähere Auswahl einbezogen. Ein Doktortitel erhöht deine Chancen zusätzlich. Außerdem gibt es von der jeweiligen Staatsanwaltschaft abhängige Altersgrenzen. Oft dürfen die Bewerber für die Probezeit nicht älter als 35 bis 40 Jahre sein.

Was du ebenfalls brauchst, ist ein leeres Vorstrafenregister. Es darf bei dir keine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr wegen einer vorsätzlichen Straftat vorliegen. Daneben brauchst du natürlich ein umfangreiches Fachwissen über das Rechtswesen. Du musst die unterschiedlichen Rechtsformen wie Zivilrecht und Strafrecht kennen, du musst dich mit Akten und Gesetzestexten auseinandersetzen, etliche Anträge stellen und Gutachten einholen können. Du kennst rechtliche Spielräume und gesetzliche Vorgaben, musst Sachverhalte einschätzen und analysieren können, und du musst vor Gericht komplexe und komplizierte Vorgänge allgemein verständlich darstellen.

Oft bist du im Beruf als Staatsanwalt auch für die Teamführung verantwortlich, etwa wenn du im Rahmen von Ermittlungen Polizeibeamte delegierst. Außerdem brauchst du Menschenkenntnis, Empathie und Kommunikationskompetenz. Du hast es mit oft schwierigen Charakteren zu tun, und mit deinen Entscheidungen nimmst du großen Einfluss auf das Leben der Beteiligten, ob nun Opfer, Täter oder deren Angehörige. Das verlangt eine nicht unwesentliche psychische Belastbarkeit. Des Weiteren solltest du auch gelegentliche Überstunden akzeptieren. Das gilt nicht nur, wenn du es mal mit einem komplizierteren Fall zu tun hast. Da immer ein paar Staatsanwälte erreichbar sein müssen, etwa wenn zu später Stunde ein Haftbefehl beantragt wird, hast du neben den normalen Bürozeiten auch Bereitschaftsdienst, der in die Nacht oder auf das Wochenende fallen kann.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Eine jede Staatsanwaltschaft ist für die Verfolgung aller Straftaten in einem bestimmten Bezirk eines Gerichts zuständig. In mehreren Bundesländern gibt es aber auch die sogenannten deliktspezifischen Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die bezirksübergreifende Ermittlungen übernehmen, in denen bestimmten Sachkenntnisse gebraucht werden. Doch auch in Bundesländern, in denen es keine solchen Schwerpunktstaatsanwaltschaften gibt, sind die Staatsanwaltschaften nach unterschiedlichen Zuständigkeiten in verschiedene Abteilungen und Aufgabengebiete gegliedert.

Solche speziellen Sachkenntnisse werden etwa in Wirtschaftsstrafsachen, bei Wettmanipulation, Delikten der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands aus DDR-Zeiten, bei Computerkriminalität, Umweltstrafsachen, Medizinkriminalität, Doping oder Lebensmittelstrafrechtsachen benötigt. Auch bei Jugendkriminalität, organisierter Kriminalität, Straftaten innerhalb der Familie und Kapitalverbrechen wie Mord werden spezialisierte Staatsanwälte eingesetzt.

Oft gibt es auch innerhalb dieser Deliktgruppen noch einmal Unterbereiche, die besondere Kenntnisse voraussetzen. In der Wirtschaftskriminalität wird etwa noch einmal zwischen Korruptionsfällen, Geldwäsche oder Subventionsbetrug unterschieden. Solche Schwerpunktkenntnisse eignest du dir im Beruf als Staatsanwalt über Weiterbildungen und natürlich auch über deine praktischen Erfahrungen in den entsprechenden Fällen an. Daneben bieten die einzelnen Staatsanwaltschaften auch weitere spezielle, vor allem organisatorische Aufgabengebiete an. So hat jede Abteilung einen Oberstaatsanwalt als Abteilungsleiter und, je nach Größe des Aufgabengebietes, einen oder mehrere Gruppenleiter. 

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Legalitätsprinzip

Das Legalitätsprinzip beschreibt die Pflicht von Staatsanwaltschaft und Polizei, beim Verdacht einer Straftat auch wirklich die Ermittlungen aufzunehmen, unabhängig davon, ob es zuvor eine Anzeige oder einen entsprechenden Antrag gab. Für dich als Staatsanwalt wirken hier § 152 Abs. 2 und § 160 Abs. 1 StPO. Aber auch § 170 Abs. 1 StPO, der besagt, dass du Anklage erheben musst, wenn es einen hinreichenden Tatverdacht gibt. Hierfür steht die lateinische Formel „In dubio pro duriore“, die so viel bedeutet wie „Im Zweifel für das Härtere“. Wenn es den geringsten Verdacht gibt, dass ein Verdächtigter wirklich schuldig ist, ist der Staatsanwalt verpflichtet, ihn auch wirklich anzuklagen.

GiV

GiV steht für Gefahr im Verzug, rechtslateinisch „periculum in mora“. GiV beschreibt eine Sachlage der Eilzuständigkeit, bei der ein sofortiges Einschreiten von Personen, die eigentlich nicht zu der zuständigen Behörde gehören, nötig ist, um einen Schaden zu vermeiden. Ermittelt der Staatsanwalt z.B. in einem Fall, in dem die Gefahr besteht, der Verdächtige könnte wichtige Beweismittel vernichten, kann der Staatsanwalt eine Hausdurchsuchung veranlassen, ohne vorher den vorgeschriebenen, aber auch zeitaufwendigen richterlichen Beschluss einzuholen. Um Willkür zu vermeiden, gibt es aber strikte Regeln, wann ein Fall von GiV vorliegt.

§ 81a Absatz 1 Satz 2 StPO

Aus diesem Absatz ergibt sich die Zulässigkeit einer Blutprobe. Die Blutprobe ist die häufigste körperliche Zwangsmaßnahme, die einem Strafprozess vorausgeht. In der Regel beantragt ein Richter diese Blutprobe. Doch wenn das Risiko einer Gefahr im Verzug besteht, z.B. bei einer Alkoholkontrolle, darf auch der Staatsanwalt diese Blutprobe veranlassen. $ 81a Absatz 1 Satz 2 StPO ermöglicht es, diese Blutprobe auch ohne die Einwilligung des Beschuldigten durchführen zu dürfen.

Wusstest du schon, dass...
  • es Schwerpunktstaatsanwaltschaften nur in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen gibt?
  • John Grisham, Autor von zahlreichen Justizthrillern wie „Die Firma“ oder „Die Akte“, tatsächlich Rechtswissenschaft studiert hat? Fast zehn Jahre lang hat er auch als Anwalt gearbeitet. Er war spezialisiert auf Strafverteidigung und auf Prozesse mit Körperverletzung und widmete sich erst 1991 vollständig der Schriftstellerei.
  • in Deutschland ca. 234.000 Juristen berufstätig sind? 150.000 davon als Rechtsanwälte, 20.000 als Richter und 5500 als Staatsanwälte. Der Frauenanteil liegt hier zwischen 31 und 35%.
Was man kennen und können sollte
Kernkompetenzen
  • Ermitteln, Recherchieren
  • Juristische Fachtermini
  • Justizverwaltung
  • Rechtswissenschaften
  • Strafprozessrecht
  • Strafrecht
  • Strafverfolgung
Verwandte Berufsfelder: Jura / Rechtswissenschaften
Staatsanwalt als Beruf - Infos zur Arbeit in der Justiz

Beruf als
Staatsanwalt/-anwältin

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 55 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 3470-3860 €
Männer/Frauen-Relation 7/3
Bewerber pro Stelle: 42 Bewerber
Spitzenverdiener 9400 €