Bewerbung als Rechtspfleger

Während deiner Ausbildung zum Rechtspfleger bist du Beamter auf Wiederruf. Damit du anschließend in das Beamtenverhältnis auf Probe übernommen wirst und dich Justizinspektor nennen darfst, musst du dich für die dreijährige Probezeit bewerben. In den meisten Fällen wird dich die Einrichtung, bei der du die praktischen Abschnitte deines FH-Studiums absolviert hast, nach deiner Ausbildung auch übernehmen. Darauf hast du allerdings keinen Rechtsanspruch, weswegen es sein kann, dass du dich auch bei anderen Gerichten bewerben musst.

Freie Stellen als Rechtspfleger an Gerichten sind allerdings eine Rarität. In der freien Wirtschaft hingegen werden öfters Rechtspfleger gesucht, die einem Unternehmen oder einer Kanzlei mit ihrem Fachwissen helfen. Suchst du eine Stelle an einem Gericht, schickst du deine Bewerbungsunterlagen an das Oberlandesgericht, in dessen Bezirk du arbeiten möchtest. Nur in Berlin bewirbst du dich beim Kammergericht. Je nach Bezirk können unterschiedliche Voraussetzungen und Fristen gelten. Bei vielen Stellen im Justizdienst werden die Bewerbungen als Rechtspfleger mittlerweile online abgewickelt. Manche Oberlandesgerichte verlangen aber auch, dass die Anlagen, Zeugnisse etc. noch per Post eingeschickt werden. 

Anschreiben und Lebenslauf

Bei den meisten Oberlandesgerichten gibt es klare Vorgaben, wie deine Bewerbung als Rechtspfleger auszusehen hat, und welche Unterlagen ihr beizulegen sind. In der Regel dient deine schriftliche Bewerbung dazu, die Erfüllung der Voraussetzungen zu belegen. Das betrifft vor allem deinen Studienabschluss, dein Alter, je nach Bezirk aber auch Nachweise über die deutsche Staatsangehörigkeit, Vorstrafenfreiheit oder gesundheitliche Eignung. Welche Unterlagen einzuschicken sind, ist von Oberlandesgericht zu Oberlandesgericht unterschiedlich, alle wichtigen Informationen werden aber auf den jeweiligen Internetseiten ausgeschrieben. Einige Oberlandesgerichte bieten auch Vorlagen zum Download an, die es auszufüllen gilt.

Ebenfalls von den einzelnen Gerichten ist abhängig, ob du ein Anschreiben aufsetzen musst oder nicht. In vielen Fällen musst du stattdessen ein Online-Bewerbungsformular ausfüllen und anschließend deine restlichen Unterlagen wie Zeugnisse und Lebenslauf per Post einsenden.

Bewirbst du dich in der freien Wirtschaft, dann sollte deine komplette Bewerbung seriös ausfallen, denn das erwarten Institutionen wie etwa Bausparkassen oder Banken. 

Rechtspfleger Bewerbung - Tipps zu Anschreiben und Lebenslauf

Das Vorstellungsgespräch

Das Vorstellungsgespräch als Rechtspfleger folgt, wenn du durch die Nachweise in deiner schriftlichen Bewerbung in die nähere Auswahl kommst. Manchmal folgt aber zuerst ein besonderes Auswahlverfahren für das es sich zunächst anzumelden gilt. Das kann ein kleiner Eignungstest oder auch ein aufwendiges, mehrtägiges Assessment Center sein. Auch bei Banken kann es sein, dass man dort auf diese Form der Bewerberauswahl setzt. Hast du dich dort bewährt, findet das Vorstellungsgespräch direkt im Anschluss oder kurz darauf statt.

In der Regel haben die einzelnen Gerichte feste Termine für ihre Vorstellungsgespräche. Die Gespräche für eine Stelle im Gericht werden sich vor allem um deine charakterliche Eignung drehen. Wie sieht es mit deinen kommunikativen Fähigkeiten aus, wie ausgeprägt ist dein Gerechtigkeitssinn und deine Bürgerorientierung? Oft kommt es vor, dass man dich im Vorstellungsgespräch bittet, zu bestimmten aktuellen Fragen aus dem Rechtsgebiet oder zu Beispielfällen Stellung zu beziehen. In der freien Wirtschaft wird das Vorstellungsgespräch hingegen stärker schwerpunktausgerichtet sein, man wird also dein Fachwissen und deine Erfahrungen auf einem bestimmten Gebiet, z.B. dem Insolvenzrecht, verstärkt unter die Lupe nehmen.

Der Bewerbungsprozess

Hast du dein Diplom der Rechtspflege in der Tasche, wirst du in vielen Fällen von dem auszubildenden Gericht übernommen. Wenn nicht, dann wartet ein klassischer Bewerbungsprozess auf dich. Du suchst nach freien Stellen, entweder in der freien Wirtschaft oder auf den Seiten der Oberlandesgerichte, und auf diese bewirbst du dich dann gezielt. Du sendest die nötigen Unterlagen ein, und wenn du alle Voraussetzungen erfüllst, wird man dich zu einem Auswahlverfahren oder direkt einem Vorstellungsgespräch einladen. Suchst du dir direkt nach deiner Ausbildung eine neue Stelle als Rechtspfleger, wirst du zuerst noch eine dreijährige Probezeit durchlaufen. Anschließend wirst du dann zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.

Typische Fragen im Bewerbungsgespräch
  • Warum haben Sie sich für eine Laufbahn in der Rechtspflege entschieden?
  • Welcher Bereich der Rechtspflege reizt Sie am meisten?
  • Bitte äußern Sie sich einmal zu diesem Fallbeispiel.

Dresscode

Eine Robe wirst du als Rechtspfleger kaum tragen. Dieser offizielle Dress ist nur Richtern, Staats- und Rechtsanwälten bei Gericht vorgeschrieben. Bei Sachen, für die du in der freiwilligen und streitigen Gerichtbarkeit zuständig bist, reicht oft eine ordentliche Kleidung aus. Da du aber seriös rüberkommen musst, ist der Anzug die weitverbreitetste Kleidungsform, als Rechtspflegerin wirst du die meiste Zeit in nicht zu kurzen Röcken und passenden Blusen unterwegs sein. Das betrifft sowohl deine Gespräche mit Recht- und Ratsuchenden, mit Kollegen oder deine Auftritte im Gerichtssaal. Bei einem Vorstellungsgespräch liegst du mit einem solchen Outfit auf jeden Fall auch auf der sicheren Seite.

Beruf als
Rechtspfleger/in