Beruf als Pharmareferent - Arbeiten in der Pharmazie

Neue Heilmittel sind entwickelt und zugelassen. Was nun? Die Ärzte und Krankenkassen können sich nicht auf die neuen Präparate stürzen, wenn sie weder von deren Existenz wissen, noch mit der Wirkungsweise im Detail vertraut sind. Es braucht also Menschen, die genau für diesen Informationsaustausch bereitstehen – und das bist du als Pharmareferent. Doch die Kommunikation im Beruf Pharmareferent ist alles andere als einseitig, denn es geht nicht nur darum, neue Medikamente und Wirkstoffe zu erklären, sondern auch Rückmeldungen seitens der Ärzte an das Pharmaunternehmen zu kommunizieren. Du bist also das Bindeglied zwischen der Pharmaindustrie und den behandelnden Ärzten. Wie dein Alltag im Beruf Pharmareferent aussieht, das erfährst du nun hier bei uns. 

Arbeitsalltag und Aufgaben als Pharmareferent

Jobs als Pharmareferent Pharmareferent/in werden

Dein Arbeitstag beginnt im Wagen, denn als Pharmareferent bist du vor allem im Außendienst tätig. Du fährst zu den Ärzten und Kliniken und nimmst dort Beratungstermine wahr. Das geht natürlich nicht ohne Vorarbeit. Denn zunächst muss der Kontakt mit den Ärzten bzw. deren Team hergestellt werden. Gerade am Anfang deiner Laufbahn im Pharmareferenten Beruf wird das eine der größten Herausforderungen darstellen, immerhin ist die Zeit von Ärzten knapp und sie bevorzugen daher Gespräche mit den ihnen vertrauten Pharmaberatern. Letztendlich setzt sich dein Terminkalender aus festabgesprochenen  Terminen und Spontanbesuchen zusammen. Durchhaltevermögen ist also gefragt, so wird der Zugang zu den Ärzten mit der Zeit immer leichter.

Die Termine selbst zeichnen sich durch Fachgespräche aus. Du erläuterst im Detail die Wirkweise eines der Medikamente, das du vertrittst, beantwortest Fragen und gibst Gratisproben raus. Auch auf aktuelle Studien kommt ihr dabei zu sprechen. Die Gespräche sind alles andere als Verkaufsgespräche und finden vielmehr auf Augenhöhe statt. Du balancierst also zwischen Umsatzvorgaben seitens der Unternehmen und dem Vertrauen, das die Ärzte dir entgegenbringen. Die Umsatzsteigerung und Marktetablierung ist also nur eine Seite des Berufs Pharmareferent. Denn du nimmst  ebenso Rückmeldungen bezüglich bereits etablierter Medikamente entgegen. Du besprichst, ob die Wirkweise zur vollen Zufriedenheit ausfällt, ob Nebenwirkungen auftreten und wenn ja, wie häufig. Diese Informationen kommunizierst du zurück an das Pharmaunternehmen. Du bist damit das „Gesicht“ des Pharmaunternehmens.

Immer wichtiger wird darüber hinaus der Austausch mit den Krankenkassen. Denn häufig ist es nicht mehr nur der Arzt, der entscheidet, welche Arznei verschrieben wird, sondern die Krankenkasse, die beispielsweise die Vergabe von günstigeren Alternativprodukten verlangt. In diesem Fall musst du der Krankenkasse gegenüber belegen können, dass deine vertretenden Arzneien eine höhere Wirksamkeit haben.

Ein 9-to-5-Job ist der Beruf Pharmareferent bestimmt nicht. Denn du richtest deine Termine nach den Ärzten und Kliniken und hast oft ein großes Gebiet abzufahren. Auch nach deiner Rückkehr kannst du noch nicht deinen wohlverdienten Feierabend einleiten. Denn nun wartet dein Home-Office, wo du die Ergebnisse aufbereitest und deine nächsten Arbeitstage vorbereitest. Ist das am Abend nicht mehr drin, muss wohl oder übel das Wochenende zum Nacharbeiten herhalten. Hinzu kommen regelmäßige Tagungen und Weiterbildungen.

Ein großes Plus ist übrigens deine örtliche Unabhängigkeit vom Unternehmenssitz. So kannst du dort eingesetzt werden, wo du lebst. Allerdings solltest du damit rechnen, dass du regelmäßig in der Firmenzentrale vorbeischaust. Sei es für Fachtagungen oder persönliche Rücksprachen. Die Fahrten machst du übrigens nicht in deinem Privatfahrzeug, denn ein Firmenwagen der Mittelklasse, ein Firmenhandy sowie ein Laptop sind im Pharmareferent Beruf obligatorisch. 

Key Account Manager Nord
  • actrevo GmbH
  • Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen
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Voraussetzungen für den Beruf Pharmareferent

Der Zugang zum Beruf Pharmareferent ist klar reglementiert. Entweder benötigst du einen Hochschulabschluss im Bereich Pharmazie, Medizin, Biologie oder Chemie. Idealerweise, aber nicht zwingend, ist der Masterabschluss. Oder du nimmst an einer IHK Weiterbildung teil. Allerdings musst du auch hier einige Voraussetzungen erfüllen. So brauchst du einen Berufsabschluss im medizinischen oder pharmazeutischen Bereich sowie Berufserfahrung. Nicht ganz chancenlos bist du auch, wenn du einige Jahre in der Pharmaindustrie, beispielsweise im kaufmännischen Bereich, gearbeitet hast. Ohne Fachkenntnisse geht es einfach nicht, denn die Beratungsgespräche sind alles andere als oberflächlich, doch genau das macht den Beruf für Naturwissenschaftler und Mediziner so interessant. Fachliche Grundlagen sind damit die Grundlage, doch natürlich musst du nicht mit jedem Medikament schon vor Arbeitsantritt im Detail vertraut sein. Hierfür sind die Schulungen da, in denen du intensiv auf die Beratung über die jeweiligen Arzneien vorbereitet wirst.

Durch die Übermittlung der Rückmeldungen bist du zudem auch immer am Entwicklungsprozess mitbeteiligt. Generell gilt beim Beruf Pharmareferent: Je besser dein fachlicher Hintergrund, umso größer sind deine Chancen an anspruchsvollen Projekten wie Markteinführungen von Spezialpräparaten teilzunehmen.

Ein weiterer Aspekt ist aber der Betriebswirtschaftliche. Denn du organisierst dich größtenteils selbst und musst auch also auch in der Planung, Organisation und Nachbereitung bestens aufgestellt sein, insbesondere dann, wenn du Aufstiegspositionen wie die Regionalleitung oder das Produktmanagement ins Auge fasst. Das Wichtigste aber zum Schluss: Während du fachlich durch Weiterbildungen und Schulungen auf- und nachholen kannst, solltest du was Kommunikation und Menschenkenntnis betrifft ein absolutes Naturtalent sein. 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Wenn du schnell von dem Vertrieb von Massenmedikamenten weg und stattdessen Markteinführungen und Fachberatungen durchführen möchtest, dann sind Spezialisierungen im Beruf Pharmareferent unumgänglich. Ob du dich beispielsweise auf Herzleiden, Rheuma, Alzheimer oder Diabetes spezialisierst, hängt dabei zum einen von deinen Interessen und deiner Qualifikation und zum anderen von der Marktsituation ab. So werden viele Spezialisierungen vom Pharmabetrieb in die Wege geleitet, nämlich dann, wenn sie beispielsweise einen langjährigen Mitarbeiter auf ein neues, anspruchsvolles Projekte vorbereiten. Du kannst davon ausgehen, dass du dich im Laufe deiner Karriere immer wieder neuen Herausforderungen in Form von Spezialisierungen und Vertiefungen stellen wirst.

Auch auf Organisation und PR kannst du dich spezialisieren. In diesem Fall organisierst du beispielsweise Fachtagungen und betreibst Kontaktpflege auf Medizinerkongressen. Die Beratung rückt dabei in den Hintergrund. 

Spezialisierungen
Pharmareferent/in
Fachjargon
ATMPs

Unter ATMPs versteht man Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products). ATMP ist der Überbegriff der Arzneimittel-Produktklassen somatische Zelltherapeutika, Gentherapeutika und biotechnologisch bearbeitete Gewebezubereitungen. ATMPs sind besonders komplex, da sie aus lebenden Zellen und Gewebe bestehen oder sie enthalten. Die Zellen werden den Patienten vor der Behandlung entnommen und im Labor aufbereitet und sind daher ein Beispiel für „Personalisierte Medizin“.

OTC-Arzneimittel

Zu den OTC-Arzneimitteln zählen alle Arzneimittel, die entweder freiverkäuflich oder apothekenpflichtig ohne Rezept zugänglich sind. Der Begriff leitet sich von „over the counter“ (zu Deutsch: „über die Ladentheke“) ab. OTC-Arzneimittel machen rund 39% aller Arzneimittel aus.

Compassionate Use

Compassionate Use ist die „Anwendung aus Mitgefühl“ und bezieht sich auf den Einsatz von nicht zugelassenen Medikamenten bei besonders schweren Erkrankungen. Nämlich dann, wenn kein anderes Arzneimittel eine zufriedenstellende Behandlung ermöglicht und ein Leiden des Patienten um jeden Preis gelindert werden soll.

Wusstest du schon, dass...
  • der Pharmareferent im Arzneimittelgesetz fest verankert ist? Hier geht hervor, dass nur er, aufgrund seiner Schulungen befugt ist, Medikamente vorzustellen.
  • jedes Jahr rund 20 Millionen Gespräche zwischen Ärzten und Pharmareferenten in Deutschland stattfinden?
  • 80% aller Arzneimittel in Tabletten- und Kapselform produziert werden?
Was man kennen und können sollte
EDV
  • CRM-Systeme
  • Microsoft-Office
Weitere Fähigkeiten
  • Wortgewandtheit
  • Überzeugungskraft
  • Hartnäckigkeit
  • Selbstorganisation
  • Geduld
  • Analytische Fähigkeiten
Autor: Sabine Zagar
Verwandte Berufsfelder:
Pharmareferent als Beruf - Infos zur Arbeit in der Pharmazie

Beruf als
Pharmareferent/in

Pharmaberater Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: bis 55 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2500-3000 €
Männer/Frauen-Relation 8/2
Bewerber pro Stelle: 25 Bewerber
Spitzenverdiener 5500 €