Beruf als Maschinenbauingenieur - Arbeiten im Ingenieurswesen

„Geht ein Maschinenbauingenieur mit ein paar Konservendosen in den Wald, kommt er mit einer Lokomotive wieder heraus.“ Auch wenn Zitat das vielleicht nicht ganz den Tatsachen entspricht, ist doch klar: Als Maschinenbauingenieur erschaffst du jeden Tag etwas Neues, was die Welt braucht und im Idealfall weiter voranbringt. Nicht umsonst fallen immer wieder Schlagwörter wie Exportweltmeister, Technikriese und Qualitätsgarant, wenn es um die deutsche Ingenieurskunst geht. Wahrscheinlich fühlst du dich mit deinem abgeschlossenen Maschinenbaustudium schon als Fachmann, aber beim ersten Tag im Betrieb wirst du schnell feststellen, dass du über den Beruf als Maschinenbauingenieur noch gar nichts weißt. Aber keine Sorge, dass wird sich schnell ändern. 

Arbeitsalltag und Aufgaben als Maschinenbauingenieur

Maschinenbauingenieur/in werden

Maschinenbauingenieur ist nicht gleich Maschinenbauingenieur. Sicher, du weißt schon aus dem Studium, dass du an der Entwicklung und Konstruktion von Maschinen und Anlagen eingesetzt werden wirst - angefangen vom Konstruktionskonzept, über den Prototyp bis zur Produktion. In der Praxis wirst du jedoch kein Allroundtalent werden und mal hier, mal da an der Entstehung hochwertiger Technik mitarbeiten. Du wirst deinen Platz in einem Team aus Fachmännern finden und dich selbst stark spezialisieren – denn nur so kann ein funktionstüchtiges und vor allem innovatives Produkt entstehen. 

Nach deiner Spezialisierung richtet sich auch dein Arbeitsalltag. Als Konstrukteur wirst du viel Zeit am Schreibtisch verbringen, am Rechner mit CAD-Programmen hantieren und Berechnungen anstellen. In die Produktionshalle verirrst du dich höchstens, wenn du dir anschauen willst, wie deine Planung in die Realität umgesetzt wurde. Ganz anders ist es als Produktionsingenieur, hier verbringst du den Arbeitsalltag auch schon mal im Blaumann. Als Vertriebsingenieur bist du viel im Außendienst unterwegs und überzeugst andere vom Nutzen eurer Produktion. Hier solltest du also viel kommunikatives Geschick mitbringen. Genau zu sagen, wie dein Alltag im Beruf als Maschinenbauingenieur aussehen wird, ist schwer, denn das hängt sehr stark von deinen individuellen Fähigkeiten und der Ausrichtung des Unternehmens ab. Konstruktion von Roboterkomponenten, Prüfung von Materialien für maritime Anwendungen,  Ermittlung der Herstellungskosten für Projekte – die Zahl der möglichen Aufgabengebiete ist endlos. Aber eins ist sicher, der Maschinenbauingenieur-Beruf ist niemals langweilig, denn jeden Tag wartet eine neue Herausforderung auf dich.

Voraussetzungen für den Beruf Maschinenbauingenieur

Der erste Punkt liegt auf der Hand: Um den Beruf Maschinenbauingenieur ergreifen zu dürfen, benötigst du ein abgeschlossenes ingenieurswissenschaftliches Studium wie Maschinenbau, Maschinenwesen oder Materialwissenschaft. Quereinsteiger sind bei den fachlichen Voraussetzungen für den Beruf eher selten. Zudem ist die Spezialisierung, die du im Hauptstudium gewählt hast, für deine Berufswahl wegweisend. In den meisten Stellenanzeigen werden die gewünschten Schwerpunkte angegeben.

Im Alltag als Maschinenbauingenieur brauchst du neben deinem Fachwissen drei Dinge, um Erfolg zu haben. Erstens, Teamfähigkeit, denn bei so komplexen Prozessen muss man sich aufeinander verlassen und sich mit seinem Spezialwissen ergänzen können. Der Austausch untereinander ist sehr wichtig, was uns zu Voraussetzung Nr. 2 führt: Wortgewandtheit. Da du dein Wissen täglich weitergibst, beispielsweise in der Konstruktion an die technischen Zeichner, im Vertrieb an die potenziellen Käufer, wird von dir erwartet, dich präzise und klar mündlich und schriftlich ausdrücken zu können. Drittens solltest du in der Lage sein, strukturiert und kostenbewusst zu denken und zu arbeiten, denn das ist in jedem Aufgabenbereich unverzichtbar.

Gutes Englisch ist für den Beruf als Maschinenbauingenieur Voraussetzung und auch ein Auslandssemester macht sich sehr gut im Lebenslauf. Ansonsten solltest du natürlich mit den gängigen Programmen, die du aus deinem Studium schon kennst, umgehen können wie bspw. Inventor.

Was brauchst du sonst noch? Reisebereitschaft! In vielen Positionen wirst du deinen Betrieb regelmäßig verlassen und auch die eine oder andere Übernachtung in Hotels miteinplanen müssen. 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Im Beruf Maschinenbauingenieur machst du eigentlich den ganzen Tag nichts anderes als dich zu spezialisieren. Du hast bereits während des Studiums Schwerpunkte gelegt und das auch geht auch mit dem Berufseinstieg so weiter. Was fasziniert dich? Sind es Fahrzeuge, technische Produktionsanlagen, medizintechnische Geräte oder doch Erzeugnisse der Feinwerktechnik?

Zudem musst du für dich feststellen, an welcher Stelle du als Maschinenbauingenieur in den Entwicklungsprozess eintreten möchtest. Entwickelst du die Idee und das Konzept für technische Anlagen, bist du für die Wartung und Inbetriebnahme verantwortlich. Oder bringst du lieber die fertigen Produkte an den Mann? Wie bereits eingangs erwähnt, reichen die Spezialisierungsmöglichkeiten daher vom Entwicklungsingenieur über den Konstrukteur bis hin zum Vertriebsingenieur. Wenn du noch nicht weißt, was dich am meisten reizt, sind Praktika in den jeweiligen Bereichen eine gute Möglichkeit, um sich selbst auf den Prüfstand zu stellen.

Hinzu kommt, dass du dir nicht nur stellenspezifisches Fachwissen aneignen musst, sondern dich auch auf eine Branche spezialisieren kannst. So wirst du dich z.B. im Bereich Regenerative Energien viel mit Fluidenergiemaschinen und Antriebstechnik auseinandersetzen, während in der Automobilbranche ganz andere Herausforderungen auf dich warten.

  • Maschinenbauingenieur/in bei
    Miele

    Schwerpunkt Konstruktion & Entwicklung

    Bei der Produktion hochwertiger Hausgeräte stellt der Konstrukteur sicher, dass von der Idee bis zu den Bauteilen des fertigen Gerätes alle Komponenten zuverlässig funktionieren. Dabei behält er stets Funktion, Sicherheit, Kosten und Termine im Blick.

    Seine Kenntnisse helfen ihm, schon in der frühen Produktentstehungsphase durch Analysen, Vorentwürfe und Simulationen Bauteile zu optimieren und Fehler zu vermeiden. Dazu betrachtet er unter anderem Erkenntnisse der Grundlagenforschung und wertet Wettbewerbsanalysen aus. Bei sogenannten „Bauraumuntersuchungen“ achtet er auch auf das Zusammenspiel der Bauteile untereinander, um zum Beispiel mögliche Kollisionen zu vermeiden.

    Der Ingenieur unterstützt im nachfolgenden Auswahlverfahren das Auffinden der besten Lösungsalternative und arbeitet dabei mit anderen Experten im Musterbau, in der Fertigung, Montage und Qualitätssicherung zusammen. Ist eine gute Lösung gefunden, wird diese unter konstruktiven und herstellungstechnischen Aspekten ausdetailliert und zur serienreifen Fassung weiterentwickelt. Eine enge Abstimmung mit den Entwicklern des Herstellungswerkzeugs und der Montage sichert die Qualität des Bauteils ab. Während der gesamten Produktentwicklung betreibt der Konstrukteur aktives Projektmanagement und meldet Ergebnisse und Fehler an die zuständigen Stellen zurück.

    Neben der Neuentwicklung von Hausgeräten gehört auch die Weiterentwicklung und Optimierung bestehender Geräte zu den Tätigkeiten des Konstrukteurs. So könnte eine Aufgabe zum Beispiel lauten, eine Waschtrommel zu konstruieren, die die Wäsche bei jedem Waschgang noch mehr schont.

    Weitere Aufgaben sind beispielsweise das Entwickeln, Erproben und Freigeben neuer Waschverfahren oder auch neuer Sensoren für mechanische und elektromechanische Bauteile. Am PC kann der Ingenieur mit CAD und weiteren Programmen neue Bauteile konstruieren und ihre Funktion durch Simulationen und Tests am Rechner überprüfen.


    Schwerpunkt Fertigungstechnik

    Maschinenbauingenieure mit dem Schwerpunkt Fertigungstechnik befassen sich mit der Gestaltung und Optimierung von Produktionsabläufen und Fertigungsverfahren. Dazu gehört auch die Planung von Montagelinien bis hin zur Ergonomie der Arbeitsplätze. Prozesse werden unter Wertstromgesichtspunkten untersucht, Daten und Kennzahlen ermittelt und ausgewertet, Optimierungsmaßnahmen durchgeführt sowie neue Sollprozesse erarbeitet. Moderne Verfahren wie die automatische optische Bilderfassung von produzierten Teilen oder die Produktionsunterstützung durch Schweißroboter sind zu beurteilen und angemessen einzusetzen.

    Um die hohe Qualität der Geräte sicherzustellen, unterhält Miele eine hohe Fertigungstiefe. Das bedeutet, wir entwickeln, produzieren und montieren sehr viele Teile selbst. Dazu entwickeln die Ingenieure im Bereich Fertigungstechnik Werkzeuge für Einzelteile und auch ganze verkettete Fertigungsstraßen für unsere Serienfertigung. Um dabei die hohen Anforderungen an unsere Produktqualität zu erfüllen und trotzdem im Kostenrahmen zu bleiben, sind sehr gute Kenntnisse aktueller Fertigungsverfahren und ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein wichtige Voraussetzungen. Es besteht ein hoher Abstimmungsbedarf mit anderen Unternehmensbereichen, wie zum Beispiel Produktion, Montage, Design, Einkauf und Controlling.

    Viele Schnittstellen, insbesondere zum Thema Qualitätssicherung, eröffnen neue Aufgabenfelder. So kann eine Fragestellung zum Beispiel sein, eine sinnvolle Fehlererfassung zu konzipieren, die in der Produktion eventuell auftretende Fehler aufzeigt und dadurch die Mitarbeiter in der Montage unterstützt.

    Neben den fachlichen Anforderungen kommt es mehr und mehr auf die sogenannten „Soft Skills“ an. Die Ingenieure stehen im ständigen Austausch mit vielen Fachbereichen. Eine gute Kommunikations- und Teamfähigkeit, Präsentationstechniken und die richtige Mischung aus Empathie und Durchsetzungsvermögen sind genauso wichtig wie das analytische Denkvermögen und die formalen Qualifikationen (je nach Position Bachelor- oder Masterabschluss mit der gesuchten Fachrichtung).





    Passende Jobs bei Miele
Fachjargon
Bauen

Bauen - das Wort kennt doch jeder. Doch du als Maschinenbauingenieur nutzt diesen Begriff schon seit dem Studium in einem scheinbar sinnlosen Zusammenhang. Denn wenn der Maschinenbauingenieur von „bauen“ spricht, meint er damit oft schlicht und einfach „sein“. Beispiel für Nicht-Maschinenbauingenieure: „Ich finde es großartig, wie schlank meine Freundin baut.“

F+E

F+E ist die gängige Abkürzung für den Bereich Forschung und Entwicklung. In dieser Abteilung sitzen die ganzen klugen Köpfe, die Berechnungen ausführen und sich Neues ausdenken, was dann wiederum andere umsetzen. Wenn dir also jemand eine Stelle in F+E anbietet, solltest du dich auf viel Schreibtischarbeit einstellen. Im englischsprachigen Raum spricht man übrigens von R&D (Research & Development).

REFA

Der REFA-Verband hat sich das Ziel gesetzt, Methoden betriebsübergreifend verwendbar und vermittelbar zu machen. Es geht also um Datenerfassungs- und Organisationsmethoden, um die Arbeitsgestaltung und Arbeitsplanung effizienter zu gestalten. Kümmert sich also jemand um die REFA ist er an der Schnittstelle zwischen Produktion und Management tätig.

Wusstest du schon, dass...
  • das iPhone nur dank eines deutschen Maschinenbau-Unternehmens realisiert und gebaut werden kann?
  • Deutschland jedes Jahr pro Kopf mehr als doppelt so viele Patente wie Frankreich und viermal so viele wie Italien anmeldet?
  • ein Maschinenbauingenieur den Bikini erfunden hat?
Was man kennen und können sollte
Software/Technischer Background
  • CAD 2D/3D (wie Catia, Inventor, etc.)
  • CNC-Programmierung
  • MS Office
  • REFA-Kenntnisse
  • Umgang mit ERP und APS-Systemen
Sprachen
  • Englisch
Autor: Sabine Zagar
Verwandte Berufsfelder: Ingenieur
Maschinenbauingenieur als Beruf - Infos zur Arbeit im Ingenieurswesen

Beruf als
Maschinenbauingenieur/in

Ingenieur des Maschinenbaus Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: Bis 45 Stunden: Normal
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2900-3500 €
Männer/Frauen-Relation 9/1
Bewerber pro Stelle: 1 Bewerber
Spitzenverdiener 8000 €