Beruf als Sonderschullehrer - Arbeiten in der Pädagogik

Den Beruf Sonderschullehrer gibt es heutzutage nur noch in gewissen Bereichen Deutschlands, größtenteils wird eher von Lehrern für Sonderpädagogik gesprochen. Auch der Begriff „Sonderschule“ ist überholt, man spricht praktisch meist eher von Förderschulen. Diese Terminologie betont das eigentliche Ziel: Förderung statt Aussonderung. Förderschulen sind für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die auf irgendeine Weise so beeinträchtigt sind, dass sie an allgemeinen Schulen nicht die Förderung erhalten würden, die sie brauchen. Diese Beeinträchtigungen können beispielsweise körperliche oder geistige Behinderungen sein, aber auch Lern- oder Sprachbehinderung oder Verzögerungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung.

Spezialisierungen
Lehrer/in für Sonderpädagogik

Arbeitsalltag und Aufgaben als Sonderschullehrer

Arbeitsalltag als Lehrerin für Sonderpädagogik Lehrer/in für Sonderpädagogik werden

Der Beruf als Sonderschullehrer beinhaltet neben dem Abhalten des Unterrichts auch die individuelle Förderung jedes Schülers. Dein Arbeitsalltag wird also ganz schön bunt, schließlich hat jeder Schüler seine eigenen Bedürfnisse. Es ist also besonders wichtig, dass du eine gute Beziehung zu jedem aufbauen kannst. Schon während deines Referendariats hast du gemerkt, dass der Unterricht an der Förderschule durchaus dem aus deiner Schulzeit ähnelt, schließlich wird Wissen vermittelt. Allerdings gibt es auch Unterschiede: Wie machst du beispielsweise den Unterricht für den autistischen Jungen ebenso interessant wie für das Mädchen im Rollstuhl? Manche Schüler können auch nicht allein auf die Toilette, andere haben Probleme, das in Worte zu fassen, was sie ausdrücken möchten. Im Team mit einem oder auch mehreren anderen Lehrern für Sonderpädagogik sorgst du dafür, dass jeder Schüler dem Unterrichtsstoff folgen kann. Doch auch wenn der Unterricht vorüber ist, hast du noch einiges zu tun. Der Unterricht muss vor- und nachbereitet, Elterngespräche geführt und eine nicht unerhebliche Masse an verwaltenden Tätigkeiten will auch noch erledigt werden – Überstunden sind also an der Tagesordnung. 

Voraussetzungen für den Beruf Sonderschullehrer

Um den Sonderschullehrer Beruf ergreifen zu können, musst du ein Studium auf Lehramt für Sonderpädagogik, ein entsprechendes Referendariat und zwei Staatsexamen abgeschlossen haben. Wenn der Bedarf besonders groß ist, können Lehrer, die nicht Sonderpädagogik studiert haben, eine achtzehnmonatige berufsbegleitende Zusatzqualifikation absolvieren, um auch an Förderschulen unterrichten zu dürfen. Neben der fachlichen Qualifikation ist es aber auch besonders wichtig, dass du von ganzem Herzen Menschenfreund bist. Der Beruf Sonderschullehrer ist nur etwas für Menschen, die empathisch, geduldig, belastbar, psychisch stabil und offen sind – persönliche Probleme, Intoleranz oder Ignoranz haben in der Förderschule nichts zu suchen.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Bereits während deines Studiums hast du dich spezialisiert: Einerseits auf die Fächer, die du in deinem Beruf als Sonderschullehrer unterrichten möchtest, andererseits hast du dir aber auch schon zwei Förderschwerpunkte ausgesucht, die dich besonders interessieren. Du bist natürlich in gewisser Weise Aufsichtsperson für alle Schüler, hast mit deinen Förderschwerpunkten aber zwei Spezialgebiete gewählt. Es brauchen schließlich Blinde oder Sehbehinderte eine andere Art von Unterricht als etwa Sprachbehinderte oder Gehörlose. 

Spezialisierungen
Lehrer/in für Sonderpädagogik
Fachjargon
ADHS

Bei ADHS (kurz für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) handelt es sich um die am häufigsten diagnostizierte Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen, wobei Jungen davon statistisch häufiger betroffen sind als Mädchen. ADHS muss klinisch, also durch einen Kinder- und Jugendtherapeuten, -arzt oder -psychiater diagnostiziert werden. Die häufigsten Symptome von ADHS sind Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen, Ängste, Hyperaktivität, eine geringe Ausdauer und ein schlechtes Schriftbild.

Inklusion

In der Pädagogik versteht man unter Inklusion, dass beispielsweise in der Schule Vielfalt anerkannt und wertgeschätzt wird. Pädagogen, die sich für die Inklusion aussprechen, sind somit für eine Abschaffung von Förderschulen, weil diese ihrer Ansicht nach zu einer Trennung von Kindern mit und ohne Behinderung beitragen anstatt dafür zu sorgen, dass sie den selbstverständlichen Umgang miteinander lernen. Gegner der Inklusion argumentieren hingegen, dass förderungsbedürftige Kinder in Inklusionsklassen nicht die Aufmerksamkeit erhalten könnten, die ihnen in einer Förderschule zukommen würde.

Autismus

Unter Autismus versteht man eine Entwicklungsstörung, die angeboren und nicht heilbar ist. Bei autistischen Kindern machen sich Störungen der Informationsverarbeitung in der Regel früh bemerkbar. Die meisten Autisten haben Probleme mit sozialer Interaktion und Kommunikation, da sie Gestik, Mimik und Gesagtes z.T. nicht richtig interpretieren können. Häufig sind Autisten sehr intelligent, haben ein gutes Gedächtnis, sind stark im Kopfrechnen, Zeichnen oder dergleichen. Es existieren verschiedene Formen des Autismus, wie etwa der frühkindliche Autismus, der atypische Autismus, das Asperger-Syndrom, das Rett-Syndrom und das Heller-Syndrom.

Wusstest du schon, dass...
  • Sonderschulen nur noch in einigen Bereichen Deutschlands so genannt werden? Größtenteils wird heute der Begriff „Förderschule“ verwendet, da es mehr um eine Förderung denn um eine Aussonderung gehen soll.
  • in der IT-Branche Inklusion praktiziert wird? Viele Firmen stellen beispielsweise gezielt Autisten oder Menschen mit Asperger-Syndrom ein.
  • die historischen Stufen der schulischen Integration von Menschen mit Behinderung aus deren Extinktion (Auslöschung), Exklusion (Ausschließen), Segregation (Aussondern), Integration (Eingliedern) und Inklusion (Einschließen) bestehen?
Was man kennen und können sollte
Persönliche Eigenschaften
  • Empathie
  • Toleranz
  • Ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen
  • Geduld
  • Offenheit gegenüber Menschen
  • Die Fähigkeit, Nähe und Distanz gut ausbalancieren zu können
  • Belastbarkeit
  • Leidenschaft
EDV
  • Fördersoftwares
  • MS Office
  • Guter Umgang mit dem Internet
  • Kenntnisse in Cloud Computing
Dieses Berufsprofil ist entstanden mit Unterstützung von

René Baumann studierte Lehramt für Sonderpädagogik an der Uni Köln. Nach seinem Referendariat an einer Förderschule für Schüler mit Körperbehinderung arbeitet er nun an einer Förderschule für Schüler mit „herausforderndem Verhalten". Eigentlich sollte es nach dem Abitur in Richtung Medien gehen - Zeitung, Radio, Online. Aber dann kam der Zivildienst an einer Förderschule dazwischen, der die Berufsentscheidung komplett änderte.

René Baumann
Lehrer für Sonderpädagogik
Autor: Leonie Feibig
Verwandte Berufsfelder:
Sonderschullehrer als Beruf - Infos zur Arbeit in der Pädagogik

Beruf als
Lehrer/in für Sonderpädagogik

Förderschullehrer, Sonderpädagoge, Sonderschullehrer Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 45-55 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 3000-3400 €
Männer/Frauen-Relation 3/7
Bewerber pro Stelle: 3 Bewerber
Spitzenverdiener 4900 €