Beruf als Lebensmittelchemiker - Arbeiten in der Chemie

Schon die Gebrüder Grimm erzählen davon, dass Schneewittchen nichts von der Hexe annehmen wollte. Als die Hexe allerdings den Apfel in zwei Teile schnitt, gab sie ihr die vergiftete, rote Hälfte und Schneewittchen fiel in einen langen, tiefen Schlaf. Was damals gilt, gilt im übertragenen Sinn auch noch jetzt, denn heutzutage sorgen Lebensmittelskandale ständig wieder für Schlagzeilen. Die Verbraucher versuchen, sich bewusster und gesünder zu ernähren. Im Beruf des Lebensmittelchemikers bist du dafür verantwortlich, dass jeder ganz unbesorgt in den leckeren, roten Apfel beißen kann. Aber mit dem Essen ist es noch längst nicht getan. Auch Getränke und Trinkwasser, Luft, Verpackungen und Kosmetik sowie ganze Produktionsabläufe wollen von dir kontrolliert werden. Egal ob du eher der Labortyp bist oder Lebensmittel lieber nach rechtlichen Vorschriften beurteilst. Nach dem Staatsexamen oder Master hast du die Möglichkeit, dich in verschiedenen Bereichen zu spezialisieren oder aber noch den Doktor anzustreben. Was die späteren Möglichkeiten im Beruf des Lebensmittelchemikers sind, das haben wir für dich zusammengefasst.

Spezialisierungen
Lebensmittelchemiker/in

Arbeitsalltag und Aufgaben als Lebensmittelchemiker

Arbeitsalltag als Lebensmittelchemiker Lebensmittelchemiker/in werden

Bereits im Studium oder während deines praktischen Jahrs solltest du dein zukünftiges Arbeitsfeld kennengelernt haben. Mögliche Berufe als Lebensmittelchemiker sind vielerorts zu finden. Grundsätzlich kommen Unternehmen und Betriebe in Frage, die Lebensmittel, Kosmetik, Tabak und Futtermittel produzieren oder analysieren. Die Branchen sind daher sehr unterschiedlich, darum variiert auch der Arbeitsalltag. In großen Handelslaboren von Analytikdienstleistern wirst du dich vermehrt der Labortätigkeit widmen, kannst dich zum einen in der Qualitätssicherung von Unternehmen auf bestimmte Produktpaletten spezialisieren und zum anderen grundlegende Forschung an Instituten oder Universitäten betreiben. Meistens übernimmst du planerische Aufgaben, während Laboranten die handwerkliche Laborarbeit übernehmen.

Da du im Beruf des Lebensmittelchemikers in allen möglichen Schritten der Produktion und Analyse einsetzbar bist, kann sich das Verhältnis von Labor- und Schreibarbeit stark unterscheiden. In den meisten Berufen verbringst du den überwiegenden Zeitraum am Schreibtisch. So bist du vielleicht lediglich für die Entwicklung und Validierung von neuen Produktionsmethoden verantwortlich oder wertest zum Beispiel als Gutachter Analyseergebnisse aus, die du dann mit Vorgesetzten oder Kunden kommunizierst. Mal verfasst du ein Gerichtsgutachten, mal schreibst du für ein wissenschaftliches Magazin oder aber für den einfachen Laien zuhause. Der wichtigste Faktor für deinen Arbeitsalltag ist jedoch, an welchen Prozessen du spätere teilhaben wirst. Als Gutachter und auch bei der Mitarbeit in Gesundheits- und Veterinärämtern fallen neben der Arbeit im Büro auch Außendienste in Form von Betriebskontrollen an. Dort kontrollierst du die Trinkwasserqualität, Emissionsrückstände in der Luft und vergleichst sie mit den vorgeschriebenen Qualitätsstandards. In der Forschung und Entwicklung wird ständig Neues und Unbekanntes gesucht und neuer, wissenschaftlicher Boden betreten. Dort können sich deine Projekte und Herangehensweisen deutlich stärker unterscheiden als in der Qualitätssicherung, wo du auf die gesetzlichen Vorschriften achtest und versuchst, Arbeitsabläufe effektiv zu gestalten oder zu optimieren. Da die Produktion meistens rund um die Uhr läuft, kann hier auch Schichtarbeit anfallen.

Voraussetzungen für den Beruf Lebensmittelchemiker

Im Beruf des Lebensmittelchemikers kannst du sowohl in der Analytik, Forschung, Entwicklung, Qualitätssicherung und Rechtsberatung tätig sein. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass du mit vielen dieser Aufgaben gleichzeitig beauftragt wirst. Aus diesem Grund ist vor allem eine gute Organisation das A und O. Die verschiedenen Abläufe müssen zeitlich genau geplant und umgesetzt werden. Dabei sind Sorgfalt und Genauigkeit die wichtigsten Faktoren für eine ordentliche Arbeitsweise. Wenn also der Kolben mal wieder nicht beschriftet oder die Anfangsreagenz falsch zusammengestellt wurde, dann ist der Ärger später umso größer, wenn eine ganze Versuchsreihe wiederholt werden muss. Eigenständigkeit im Beruf ist dabei genauso gefragt wie Teamarbeit, etwa wenn der Versuchsaufbau in Zusammenarbeit mit anderen Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern abgesprochen und konstruiert wird. Grundsätzlich ist in den meisten Berufen des Lebensmittelchemikers größtenteils etwas anderes gefragt, als das handwerkliche Talent im Labor. Stattdessen bist du für die Planung, Auswertung und Präsentation der Laborergebnisse verantwortlich. Wenn du dich als staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker bewirbst, bringst du ja bereits ein ganzes Jahr Praxiserfahrung mit. Solltest du dich für den Bachelor- und Masterstudiengang entschieden haben, kann es nicht schaden, erstmal ein Praktikum in deinem Wunschunternehmen zu machen, um die Chancen auf eine Festanstellung zu erhöhen.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Wie bereits erwähnt, bist du als im Beruf des Lebensmittelchemikers in vielen Bereichen einsetzbar. Je nachdem, welche Tätigkeiten dich während deines Studiums oder dem Praxisjahr am meisten ansprechen, solltest du den Beruf des Lebensmittelchemikers gezielt auswählen, um deinen Tätigkeitsschwerpunkt zu verlagern. Grundsätzlich unterscheiden sich die Berufsfelder im Anteil von Labor- und Schreibarbeit sowie der rechtlichen Beurteilung und den Kontrollen. Arbeitest du genauso gerne im Labor wie am Schreibtisch, bieten dir Forschung und Entwicklung ein geeignetes Berufsumfeld. Hier kannst du dich auf die Suche nach ganz neue Methoden und Interaktionen machen. Während der Forschung an Universitäten und Instituten bist du tendenziell stärker an die Laborarbeit gebunden, Versuchsaufbauten zu planen und zu überprüfen.

In der Wirtschaft und Industrie hingegen wirst du das Labor dagegen eher von außen sehen und größtenteils organisatorische Aufgaben übernehmen. Stattdessen bist du maßgeblich am Management und der Unternehmensführung beteiligt. So kannst du etwa die Leitung der Forschungsabteilung oder des gesamten Standortes übernehmen. In der Qualitätssicherung bist du auch häufiger im Labor anzutreffen, um die Produktionsprozesse zu kontrollieren, damit zugelassene Höchstmengen nicht überschritten werden. Da es von den Zutaten bis zum eingepackten Kaugummi ein langer Weg ist, kannst du dich in den meisten Firmen auch auf kleine Teilbereiche spezialisieren. Während sich der eine Lebensmittelchemiker auf die Analyse der Zutaten konzentriert, bist du beispielsweise für die Deklaration der Verpackung verantwortlich.

Mit etwas Berufserfahrung besitzt du außerdem die Qualifikation, Verantwortung für die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften zu übernehmen. Solltest du dich fernab von Reagenzgläsern orientieren, hast du auch die Möglichkeit, dich auf den Vertrieb und Verkauf zu spezialisieren. Hierfür sind allerdings Grundkenntnisse oder Fortbildungen mit wirtschaftlicher Ausrichtung sinnvoll.

Spezialisierungen
Lebensmittelchemiker/in
Fachjargon
AAS

AAS steht für Atomabsorbtionsspektrometrie und dient der gezielten, qualitativen und quantitativen Bestimmung von Elementen. Als schnelle und bewährte Methode lassen sich mit ihr Metalle und Halbmetalle in Flüssigkeiten und Feststoffen nachweisen.

ZZulV

Die Abkürzung steht für die Zusatzstoff-Zulassungsordnung und ist die seit 1981 rechtliche Grundlage für die Zulassung, Kennzeichnung und Höchstmengen von Zusatzstoffen in Lebensmitteln.

E 284

Die Kennzeichnung steht für Borsäure. Dieses ist ein damals häufig vorkommender Stoff in Arzneimitteln und wurde ebenfalls als Konservierungsmittel benutzt. Heute findet es beispielsweise in Augentropfen Verwendung, ist aber wegen möglicher Ansammlung im menschlichen Körper größtenteils verboten.

Wusstest du schon, dass...
  • die meisten tierischen Lebensmittel Hormone beinhalten?
  • die Ausbildung zum Lebensmittelchemiker seit mehr als 125 Jahren gibt?
  • das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) an Analysemethoden arbeitet, um den Nachweis von Allergika in Lebensmittel nachzuweisen, um den eventuellen Aufdruck von „Kann Spuren von… enthalten“ vermeidbar zu machen?
Was man kennen und können sollte
Labormethoden (Analytik)
  • Chromatographie
  • Spektroskopie
  • Volumetrie
EDV
  • Office (insbesondere Excel)
Recht
  • Zulassungsordnungen und Höchstmengen
  • Gesetzliche Produktionsbestimmungen
Verwandte Berufsfelder:
: Lebensmittelchemiker als Beruf - Infos zur Arbeit in der Chemie

Beruf als
Lebensmittelchemiker/in

Lebensmittelchemikerin, Diplom Lebensmittelchemiker, staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 40-50 Stunden: Normal
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2300-4500 €
Männer/Frauen-Relation 3/7
Bewerber pro Stelle: 30 Bewerber
Spitzenverdiener 7000 €