Beruf als Klinischer Chemiker - Arbeiten in der Medizin

Drugmonitoring, Urin-Analytik, Prognose akuter Organversagen – die klinische Chemie ist ein wichtiger Bestandteil vieler Behandlungen. Sie ermöglicht einen Einblick in die Vorgänge des Körpers und exakte Aussagen darüber, welche Prozesse im Organismus funktionieren oder für Krankheitsbilder infrage kommen.

Im Beruf als Klinischer Chemiker  arbeitest du mit Ärzten zusammen. Indem du Therapiemöglichkeiten empfiehlst, Krankheitstypen identifizierst und den Gesundheitszustand von Patienten während der Behandlungsphase überprüfst. In der Forschung entschlüsselst du die Grundlagen des Metabolismus und weiterer Signalwege oder entwickelst in der Wirtschaft wirksame Medikamente, die Nierenschäden oder Krankheiten wie Morbus Basedow lindern.

Wie der Berufsalltag aussieht, welche Anforderungen an dich gestellt werden, welches Gehalt du erwarten kannst und ob du auch nach zehn Jahren noch immer die gleichen Arbeiten ausführst, das haben wir für dich recherchiert.

Spezialisierungen
Klinische/r Chemiker/in

Arbeitsalltag und Aufgaben als Klinischer Chemiker

Jobs als Klinischer Chemiker Klinische/r Chemiker/in werden

Dein Arbeitsalltag im Beruf Klinischer Chemiker spielt sich zum Großteil im Labor eines Krankenhauses oder in Analytikunternehmen ab, dort bist du für die Analyse von zahlreichen Proben zuständig. Wie du sicherlich weißt, gehören dazu aber noch einige Arbeitsschritte mehr. In der präanalytischen Phase hast du selber einen Blick auf das Krankheitsbild des Patienten. In Absprache mit dem behandelnden Arzt legst du fest, welches Probenmaterial genommen und anhand welcher Methode analysiert werden soll. Das geschieht mal telefonisch, mal unter vier Augen. Anschließend folgt die Phase der klinisch-chemischen Analytik, während der du die Proben präparierst und analysierst. Die Ergebnisse wertest du dann bei der Befunderhebung aus.

Dokumentation, Validation, Auswertung und Präsentation deiner Ergebnisse finden am Schreibtisch statt. Die Verwaltungsarbeit nimmt oftmals sehr viel Zeit in Anspruch, schließlich musst du hier besonders sorgfältig arbeiten. Die einzelfallbezogene, medizinische Beurteilung der Ergebnisse gibst du als Gutachten an den behandelnden Arzt weiter, der daraufhin geeignete Therapien empfiehlt. Deine beratende Tätigkeit ist aber nicht nur in der Diagnostik gefragt, sondern auch während der gesamten Therapie. So überwachst du währenddessen die physiologischen Effekte der Medikation oder anderen Behandlungsmethoden. Im Krankenhaus herrscht Schicht- und Wochenenddienst und der macht auch vor dir nicht Halt, schließlich müssen im Notfall rund um die Uhr Entscheidungen getroffen werden.

Deine Karriere muss aber natürlich nicht nach Schema F verlaufen. Neben der direkten Krankenversorgung kannst du im Beruf als Klinischer Chemiker auch in anderen Bereichen eine Stelle finden. Pharma- und Biotechnologieunternehmen bieten dir Möglichkeiten, neue Medikamente zu entwickeln, die sich gegen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Morbus richten. Dort kannst du im Labor arbeiten oder aber klinische Studien durchführen – oder auch beides. Darüber hinaus kannst du deine Fachkenntnis auch dafür einbringen, Analysemethoden zu entwickeln oder zu verbessern, die andere Kollegen später nutzen können.

Auch in Umwelttechnologiefirmen sind deine analytischen Kenntnisse gefragt. Hier geht es beispielsweise darum, den Hormongehalt im Grundwasser zu überprüfen. Den klinischen Bezug wirst du im Berufsalltag allerdings nicht erleben, denn du stehst hier nicht in Verbindung mit den Patienten.

In Gesundheitsämtern übernimmst du im Beruf als Klinischer Chemiker vor allem die Qualitätskontrolle und Sicherheitsüberprüfung der örtlichen Labore. Einerseits gehört die Kontrolle der Analysegeräte zu deinen Aufgaben, andererseits checkst du Ergebnisse und die daraus resultierten Befunde. Damit stellst du die sorgfältige und präzise Arbeitsweise der Chemiker sicher und garantierst, dass die Ärzte Patienten auf Basis korrekter Daten und Schlüsse beraten und behandeln.

Voraussetzungen für den Beruf Klinischer Chemiker

Im Beruf als Klinischer Chemiker musst du nicht nur die fachlichen Kenntnisse der Chemie mitbringen, sondern auch interdisziplinär den Durchblick haben. Die heutige Methodik arbeitet mit immunologischen Tests und ist daher sehr stark auf die Medizin und Biologie bzw. Biochemie ausgerichtet. Gängige Arrays etwa weisen mit Antikörpern Proteine nach, die auf defekte Stoffwechselwege hindeuten.

Neben dem Grundwissen aus dem Studium (Chemie, Biochemie, Biologie, Medizin) gelangt man nur über eine fünfjährige Weiterbildung zum Beruf als Klinischer Chemiker. Vier Jahre davon arbeitest du in einem klinisch-chemischen Laboratorium, ein Jahr davon muss das Labor zu einer bettenführenden Einrichtung gehören. Kannst du bereits eine wissenschaftliche Tätigkeit in der analytischen Chemie oder Biochemie vorweisen, dann kannst du die Ausbildungszeit um ein Jahr verkürzen. Zwar kannst du bereits nach dem Master deine Weiterbildung beginnen, für viele Stellen empfiehlt sich jedoch der Doktortitel.

Im Beruf als Klinischer Chemiker trägst du eine große Verantwortung. Neben der Analytik erhebst du Befunde und berätst behandelnde Ärzte, welche Therapien ratsam sind. Deine Entscheidungen bestimmen also maßgeblich das Wohl des Patienten. Aus diesem Grund sind Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein in deinem Beruf als Klinischer Chemiker unerlässlich, denn verfälschte Ergebnisse ziehen folgenschwere Konsequenzen nach sich. Je penibler du arbeitest, desto besser ist es für die Patienten. Da du oftmals mit gesundheitsschädlichen Stoffen und infektiösem Material arbeitest, garantiert dir und deinen Kollegen eine sorgfältige Arbeitsweise Schutz und die Sicherheit. Viele Versuche dauern lange an, oftmals beaufsichtigst du viele zur selben Zeit. Eine gute Zeitplanung hilft dir dabei, Stress zu vermeiden.

Da die medizinische Forschung voranschreitet, solltest du bereit sein, dein Leben lang zu lernen. Up to date zu sein gehört zu deinen Berufspflichten, egal ob es Grundlagen oder neue Methoden betrifft. Vor allem, wenn du in der Forschung arbeitest, ist die Lektüre von wissenschaftlichen Publikationen Teil deines Berufsalltags. Viele Versuche in der klinischen Chemie setzen übrigens die Arbeit mit Tieren voraus. Dies sollte für dich kein Tabu darstellen. Darüber hinaus zahlen sich an Hochschulen und Instituten eine hohe Frustrationstoleranz und didaktisches Talent aus, denn als Doktor bist du einerseits über mehrere Jahre mit Forschungsprojekten beauftragt und übernimmst womöglich Vorlesungen und Seminare in den Hörsälen der Uni oder leitest neue Laborkräfte an.

Apropos Doktor: Der ist in der Forschung oftmals Einstiegsvoraussetzung. Zwar kann man bereits als Master wissenschaftlich mitarbeiten, die Führungspositionen und verantwortungsbewusste Stellen bleiben aber den promovierten Kollegen vorenthalten.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Die Weiterbildung zum Klinischen Chemiker ist an sich bereits sehr speziell. Dennoch kannst du dich auch hier noch in verschiedenen Bereichen etablieren, in denen dein Berufsalltag sehr unterschiedlich sein kann.

In medizinischen Labors von Krankenhäusern und Kliniken untersuchst du Proben von Patienten auf Stoffwechseldefekte und bestimmst den Typ der Erkrankung. Mit deinen Ergebnissen unterstützt du die behandelnden Ärzte bei ihrer Diagnose und Therapieansätzen.

Arbeitest du in Pharma- und Biotechnologieunternehmen, dann liegt deine Hauptaufgabe vor allem darin, geeignete Medikamente mit zu entwickeln, die etwa bei Schilddrüsenerkrankungen wie zum Beispiel Hypothyreose zum Einsatz kommen. Auch hier arbeitest du mit Kollegen anderer Fachbereiche zusammen. Der klinische Anteil ist allerdings in der Entwicklung sehr gering, im Bereich der klinischen Studien deutlich größer. In der freien Wirtschaft kannst du zudem auch als Projektmanager, Regulatory-Affairs Manager oder Referent für klinische Studien tätig sein.

Dein Beruf als Klinischer Chemiker kann dich auch in die Grundlagenforschung an Hochschulen und Institute bringen. Dort arbeitest du im Labor meistens mehrere Jahre im Team an Forschungsprojekten und entschlüsselst Stoffwechselwege und identifizierst defekte Prozesse, die bei bestimmten Krankheitsbildern auftreten.

Manche, die im Beruf Klinischer Chemiker arbeiten, verschlägt es auch in den öffentlichen Dienst. Dort arbeitest du vor allem in Gesundheitsämtern. Diese übernehmen beispielswiese die Hygiene- und Sicherheitskontrollen in Labors. So stellst du die Richtigkeit der Analysen in Krankenhäusern sicher.

Spezialisierungen
Klinische/r Chemiker/in
Fachjargon
Durstversuch

Der Durstversuch ist ein endokrinologisches Verfahren, das dazu dient, Diabetes insipidus auszuschließen. Dazu verzichtet der Patient zwölf Stunden auf Wasser, während regelmäßige Blut- und Urinproben genommen werden. Bei beiden Insipidus-Typen bleibt die Harnkonzentration in Folge des Wassermangels niedrig, die Plasmosmolalität hingegen steigt stetig.

Eisen-Resorptionstest

Der Test wird durchgeführt, wenn trotz Zufuhr von Eisen ein deutlicher Mangel festzustellen ist. Dazu nimmt der Patient 200mg Eisen ein und die Konzentration im Serum nach zwei bis vier Stunden gemessen. Ist die Konzentration nicht deutlich angestiegen, deutet dies auf Resorptionsmangel im Darm oder innere Blutungen hin.

D-Xylose

D-Xylose ist ein Zucker, der vom Organismus nicht abgebaut wird. Der D-Xylose-Test wird als Belastungstest bei Verdacht auf das Malabsorbtionssyndrom durchgeführt und als Indikator für die Magenentleerung und Resorptionsvorgänge im Darm eingesetzt.

Wusstest du schon, dass...
  • bei der Tour de France ein Erythropoetion (EPO)-Skandal bekannt wurde, als bei dem Rennfahr-Betreuer Willy Voet das Dopingmittel EPO gefunden wurde? Ein Jahr später veröffentlichte er ein Buch, in der über eine mehr als 30jährige Dopingpraxis erzählt. Der erste öffentliche Fall ist von 1972 bekannt, als der finnische Langstreckenläufer Lasse Viren mehrere Olympiatitel errang.
  • Adrenalin das „älteste“ uns bekannte Hormon ist. Der japanisch-amerikanische Chemiker Jokichi Takamine hat das Hormon 1901 aus der Nebenniere isoliert und die Struktur bestimmt. Damals war Adrenalin unter dem Namen Epinephrin bekannt.
  • Mukoviszidose die häufigste erbliche Stoffwechselerkrankung ist? Etwa vier Millionen Deutsche sind Träger der Krankheit. Vererbt wird die Krankheit dann, wenn beide Eltern die Veranlagung in ihrem Erbgut tragen. Mukoviszidose ist bisher nicht heilbar, die Behandlung verbessert jedoch sehr deutlich die Lebensbedingungen.
Was man kennen und können sollte
Fachliche Kenntnisse
  • Analytik
  • Biochemie
  • Endokrinologie, Immunologie
  • Toxikologie
  • Gängige Methoden (Extraktion, Verteilung, Chromatographie)
Sonstige Fähigkeiten
  • Englisch (Wort & Schrift)
  • GLP (Gute Laborpraxis)
  • Zeitmanagement
  • Sorgfältigkeit
Verwandte Berufsfelder:
Klinischer Chemiker als Beruf - Infos zur Arbeit in der Medizin

Beruf als
Klinische/r Chemiker/in

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 40 Stunden: Entspannt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2916-5225 €
Männer/Frauen-Relation 7/3
Bewerber pro Stelle: 4 Bewerber
Spitzenverdiener 7000 €