Beruf als Kameramann - Arbeiten in Medien

Ob Lionel Messi seine Gegner schwindelig dribbelt, Günther Jauch mit den Quiz-Kandidaten rumflachst oder in Peter Jacksons Mittelerde Horden von Orks und Elben aufeinander losgehen – als Kameramann bist du das stellvertretende Auge des Fernseh- und Kinopublikums und immer mitten im Geschehen. Manchmal ähnelst du dabei einem reinen Dienstleister, der nach klaren Vorgaben seine Bilder schießt, manchmal bist du ein Improvisationstalent, das spontan und intuitiv auf unvorhersehbare Motive reagiert, und manchmal bist du ein Künstler, der eine Szenerie wie ein Gemälde arrangiert. Kameramänner gehören zu den wichtigsten Beteiligten an einer Medienproduktion, sie sind hauptverantwortlich für die Bilder, die später über Leinwand und Bildschirm flimmern. Und müssen daher auch bei Kälte, Dauerregen und mit einer 12-Stunden-Schicht in den Knochen noch einwandfreie Bilder liefern.

Arbeitsalltag und Aufgaben als Kameramann

Arbeitsalltag als Kameramann Kameramann/-frau werden
Mal abgesehen davon, dass du es logischerweise immer mit einer Kamera zu tun hast, fallen deine Aufgaben als Kameramann von Produktion zu Produktion höchst unterschiedlich aus. Grundlegend wird zwischen Live-, EB-, Studio- und szenischen Drehs unterschieden. Die verschiedenen Jobinhalte beginnen schon bei den unterschiedlichen Kameras, mit denen du arbeitest. Die Red Epic für das neue 3D-Spektakel lässt sich natürlich völlig anders bedienen und hat gänzlich andere Funktionen als eine Studiokamera von „Wetten, dass…“. Aber auch inhaltlich unterscheiden sich die Aufgabenbereiche bei den verschiedenen Formaten deutlich. 


Unter szenische Drehs versteht man die Arbeit an Filmen, Werbespots und Serien, die nach einem Drehbuch inszeniert werden.  Von allen möglichen Einsatzgebieten des Kameramanns bist du hier am kreativsten tätig, denn du bist hauptverantwortlich für die Atmosphäre, die ein Bild beim Zuschauer hervorruft. In Absprache mit dem Regisseur legst du die Einstellungsgröße und Kamerawinkel für eine Szene fest, gestaltest mit dem Oberbeleuchter die Lichtsetzung und musst mitunter den Regisseur davon überzeugen, warum eine bestimmte Sequenz aus dieser oder jenen Perspektive besser funktioniert. Bei solchen Produktionen bist du meist schon beim Durcharbeiten des Drehbuchs involviert. Sind die Bilder im Kasten, kann es sein, dass man dich auch noch ein paar Tage für die Nachbearbeitung, z.B. bei der Farbkorrektur des finalen Filmbildes, einspannt. Bei solchen Produktionen hast du meistens noch einen 1. und 2. Assistenten an deiner Seite, die sich um den Zusammenbau der Kamera und die Funktionalität der Technik kümmern, so dass du ein einsatzbereites Gerät vorfindest und nicht noch gucken musst, ob sich auch kein Schmutz auf der Linse befindet.


Bei Studio- und Liveaufnahmen, z.B. bei Talkshows und Sportveranstaltungen, ist der kreative Part stark eingeschränkt. Du hast hier keinen Einfluss darauf, wie das Bild gestaltet ist, das du abfilmst, und arbeitest mit vorgegebenen Kulissen und Lichtdesigns. Du bist eher ein Dienstleister, der einfach ein sauberes, zweckgerichtetes Bild abliefert. Bei solchen Produktionen arbeitest du meistens neben anderen Kameraleuten, von denen jeder einen bestimmten Bereich des Schauplatzes abdeckt. Der Regisseur legt diese Bildausschnitte fest, und ein Bildmischer steuert, welche  Kamera gerade „on“, also welches Kamerabild gerade aktiviert ist. 


Bei szenischen, Studio- und Liveformaten wird im Vorfeld ausgiebig geprobt. Schauspieler oder Lichtdoubles simulieren Laufwege und Spielszenen, und der Kameramann kann sich auf diese Abläufe einstellen. Anders hingegen der Kameramann in der Elektronischen Berichterstattung. EB-Teams kommen bei dokumentarischen Projekten oder bei Nachrichtenbeiträgen zum Einsatz. Hier weißt du im Voraus nie, was als nächstes passiert, und auch auf das Bild kannst du kaum Einfluss nehmen. Wenn während deines Berichts über einen friedliche Protest plötzlich eine Straßenschlacht losbricht, dann kannst du nicht mal eben noch schnell einen Scheinwerfer aufbauen, um die Demonstranten auszuleuchten, oder die Polizei bitten, den Wasserwerfer anders zu positionieren. Von allen Bereichen arbeitest du hier am eigenständigsten. Du hast zwar oft einen Realisator oder einen Redakteur an deiner Seite, der für die inhaltliche Gestaltung eines Beitrags zuständig ist, im Eifer des Gefechts entscheidest aber meistens du, wo du die Kamera draufhältst. Die andere Hälfte deines EB-Teams bildet hier der Tontechniker, dessen Aufzeichnungsgeräte mit deiner Kamera verbunden sind, damit Bild und Ton direkt auf dem gleichen Speichermedium landen. 


Was alle Kamera-Bereiche vereint, sind die langen Arbeitstage. Produktionen, bei denen du mehr als zehn Stunden im Einsatz bist, sind keine Seltenheit. Außerdem bist du häufig unterwegs, denn egal ob Abenteuerfilm oder Olympische Spiele, die Dreharbeiten finden nur selten vor deiner Haustür statt. 

Voraussetzungen für den Beruf Kameramann

Der Weg zum Beruf des Kameramanns führt immer über Praxis, Praxis, Praxis. Die theoretischen Grundlagen und auch die technischen Details kannst du dir natürlich auch ohne jegliche Ausbildung selbst beibringen, aber ein Kamera-Studium oder eine Ausbildung, z.B. zum Mediengestalter in Bild und Ton, bringen dir nicht nur ein fundiertes Knowhow, sondern auch schon wichtige Kontakte und Set-Erfahrungen. Ohne erste Gehversuche durch Praktika oder als Erster oder Zweiter Kameraassistent an einem richtigen Drehort wirst du keinen Fuß in der Branche fassen können und niemand wird dich als Kameramann einstellen, wenn du über keinerlei praktische Referenzen verfügst. Deine ersten Erfahrungen kannst du dabei wie der größte Teil der Medienschaffenden als Selbstständiger sammeln, selbst Material-Assis sind in den meisten Fällen Freelancer. Sobald du also über das nötige Netzwerk aus Branchenkontakten verfügst, kannst du als projektorientierter Freischaffender arbeiten.   


Ein Film- oder Fernsehdreh stellt für den Kameramann oft eine körperlich extreme Erfahrung dar. Während sich die Kamera bei Studio- und Liveaufnahmen oft fest auf Stativen befindet, musst du sie vor allem bei EB-Drehs oft eine ganze Weile mit dir herumtragen. Zusammen mit den langen und oft auch stressigen Arbeitstagen und den oft widrigen Drehbedingungen kann eine entsprechende Physis eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Kameramann sein.


Daneben brauchst du sowohl handwerkliche als auch kreative Kompetenzen, um deine Kamera nicht nur bedienen zu können, sondern mit ihr auch ansprechende und sinnvolle Bilder zu produzieren. Gerade bei Kinofilmen brauchst du ein Gespür für Atmosphäre und Lichtsetzung, und du musst wissen, wie bestimmte Farben und Kamerawinkel auf den Zuschauer wirken. 
Außerdem musst du natürlich in sämtlichen technischen Details bewandert sein. Du kennst die Eigenheiten und Vor- und Nachteile von Analog und Digital, du kennst dich mit den unterschiedlichen Speichermedien aus, du weißt alles über Brennweiten und Belichtungszeiten, und vom Multicore-Kabel bis zum Weitwinkel-Objektiv bist du mit allen Bestandteilen deines Arbeitsgerätes vertraut. Dabei bildest du dich permanent selbstständig weiter. Ob der Schwarzweiß- vom Farbfilm oder das 2D- vom 3D-Bild abgelöst wird, als Kameramann musst du die stetig voranschreitenden technischen Entwicklungen verfolgen. Da viele Fachbücher, -Zeitschriften und –Artikel in englischer Sprache erscheinen, sollten deine Kenntnisse hier dementsprechend sein. 


Und last but not least solltest du, wie bei den meisten Berufen in den Medien, ein Teamplayer sein. Denn du wirst ständig mit anderen Crew-Mitglieder zusammenarbeiten. Ob es sich dabei nur um einen Tonassistenten und einen Realisator oder aber um eine hundertköpfige Mannschaft handelt, bei Dreharbeiten wird großen Wert auf einen freundschaftlichen Umgang gelegt, auch wenn in aller Hektik der Ton mal rauer wird. 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Ein Blick aufs tägliche Fernsehprogramm zeigt schon die vielen unterschiedlichen Formate, auf die du dich als Kameramann spezialisieren kannst. Da gibt es Konzerte und Spielshows, Sportübertragungen, Filme und Serien, Reportagen und Talkshows. Überall sind Kameramänner im Einsatz, und ein Kameramann ist nicht gleich für alle diese Formate qualifiziert. Ein gigantischer Kinofilm stellt natürlich andere Anforderungen als eine Ausgabe von „Wer wird Millionär“. Auch die immer wichtigeren Internetpräsenzen von Unternehmen, z.B. in Form von Imagefilmen auf gängigen Videoplattformen wie Youtube, stellen ganz eigene Anforderungen an die Kameraarbeit. Ein Bild, das z.B. vorwiegend auf dem Smartphone betrachtet werden soll, muss von den Farben oder dem Detailgrad der Ausstattung anders gestaltet werden als ein Bild für die große Leinwand. Gerade bei Web-Formaten werden oft Jobs angeboten, bei denen du von Tutorials bis hin zur Postproduktion für sämtliche Bereiche der Erstellung von Bewegtbildinhalten zuständig bist. Viele deiner Kenntnisse sind in allen Bereichen gefragt, z.B. über Lichtempfindlichkeit, Verschlusszeiten oder Einstellungsgrößen. Daneben wirst du dich aber entscheiden, ob du vorwiegend bei szenischen Drehs, bei Live-Events oder bei EB-Beiträgen arbeiten möchtest. Die Aufgabenfelder und Arbeitsalltage unterscheiden sich hier grundlegend voneinander.


Doch auch innerhalb der einzelnen Bereiche gibt es noch einmal Spezialisierungsmöglichkeiten. So kannst du dich etwa auf die Arbeit am Kamerakran oder mit der Steadicam spezialisieren. Diese Aufzeichnungsgeräte unterscheiden sich nicht nur in ihrem technischen Grundgerüst, sondern auch in ihrer Handhabung. Die Steadicam etwa schnallst du dir vor die Brust, um ruckelfreie Kamerafahrten auch ohne komplizierte Schienenaufbauten zu schießen. Bei Studio- und Live-Drehs hast du hier oft einen Assistenten an deiner Seite, der sich nicht nur um die Wartung der Technik kümmert, sondern auch aufpasst, dass du bei deinem vielen Herumgelaufe nicht über Kabel stolperst oder gegen andere Crewmitglieder stößt. Der Kamerakran dagegen ist eine aufwendige Konstruktion, bei der du nicht nur für die Bedienung zuständig bist, sondern auch für den komplexen Aufbau, der dementsprechend frühzeitig stattfinden muss. Der Kamerakran mit seinem langen Hals wird vor allem bei weiten Schwenks eingesetzt.  Für einen Kram ist dabei immer ein mehrköpfiges Team zuständig, von dem ein Mitglied z.B. das ganze Gefährt mittels seiner Körperkraft bewegt, während die Kamera selbst von einem Operator am Monitorpult aus gesteuert wird. Daneben gibt es aber noch zahlreiche weitere Kameras, auf die man sich spezialisieren kann, z.B. für Unterwasseraufnahmen.
Spezialisierungen
Kameramann/-frau
Fachjargon
Weißabgleich

Tageslicht, Glühbirnen, Leuchtstoffröhren oder auch verschiedene Witterungsverhältnisse wirken sich unterschiedlich auf die Farben in einem Bild aus. Damit das Gefilmte später nicht versehentlich zu blass wirkt oder etwa einen bläulichen oder grünlichen Stich bekommt, wird vor jeder neuen Aufnahme ein Weißabgleich durchgeführt, um die Kamera für die Farbtemperatur zu sensibilisieren, die an einem bestimmten Drehort herrscht. Bei schwierigen Lichtsituationen wird der Weißabgleich manuell durchgeführt, in dem man etwa eine weiße Fläche, z.B. ein Blatt Papier oder ein weißes T-Shirt, abfilmt, und so die Kamera auf diesen Farbton unter den gegebenen Lichtbedingungen einstellt.

Shot-List

Eine Shot-List ist eine Auflistung aller Szenen eines Films, Werbespots oder Musikvideos in Textform. Anders als in einem Drehbuch finden sich hier nicht die Dialoge, sondern Angaben zu den Einstellungen, in die eine Szene aufgelöst werden soll, mitsamt der geplanten Fahrten, Bewegungen, Optiken und Schärfeverlagerungen. Auch Anmerkungen zum Licht werden hier gemacht. Für den Kameramann ist die Shot-List ein enorm wichtiges Werkzeug, weil sie ihm vorab verdeutlicht, was bei einem Format visuell geplant ist, und wie das Endergebnis aussehen soll.

Establisher

Der Establisher oder Establishing Shot ist die meist in einer Totalen gedrehte erste Einstellung am Beginn einer Sequenz. Sie zeigt dem Zuschauer den Schauplatz des folgenden Geschehens und hilft ihm dabei, sich innerhalb der Geschichte oder der Übertragung räumlich zu orientieren. In Sitcoms wird z.B. häufig das Haus von außen gezeigt, in dem die darauf folgende Szene stattfindet, Quizshows beginnen mit einem Kranflug durch das Studio, und die Fußballübertragung startet mit einem Bild aus einem Hubschrauber heraus, der über einem Stadion kreist.

Wusstest du schon, dass...
  • es erst zwei deutschsprachige Oscargewinner in der Kategorie „Beste Kamera“ gibt? Karl Freund gewann den Filmpreis 1938 für „Die gute Erde“, der in Berlin geborene Brite Walter Lassally 1965 für „Alexis Sorbas“. Viele Deutsche sind von der Academy aber mit Sonderpreisen für technische Weiterentwicklungen ausgezeichnet worden.
  • die erste richtige Filmkamera mit nur einem Objektiv 1888 vom französischen Chemiker und Erfinder Louis Aimé Augustin Le Prince gebaut wurde? Le Prince führte dementsprechend auch die erste wirkliche Filmaufnahme durch, die zwei Sekunden lang eine Familie in ihrem Garten zeigt. Die Illusion einer Bewegung durch die Aneinanderreihung von Fotografien wurde allerdings schon im 17. Jahrhundert erzeugt.
  • in der Fußball-Bundesliga bis zu 30 Kameras allein für die Übertragung eines einzigen Spiels eingesetzt werden, von Kränen bis hin zu speziellen Zeitlupenkameras? Dazu kommen noch Kameras einzelner Sender sowie jene, die für die Interviews gebraucht werden.
Was man kennen und können sollte
Kreative Aspekte
  • Lichtsetzung
  • Bildgestaltung
  • Einstellungsgrößen
  • Perspektiven
  • Tiefenschärfe
Technische Fachkenntnisse
  • Kameras und Objektive
  • Blendwerte
  • Belichtungszeiten
  • Brennweiten
Verwandte Berufsfelder:
Kameramann als Beruf - Infos zur Arbeit in den Medien

Beruf als
Kameramann/-frau

Director of Photography Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: Ab 56 Stunden: Workaholic
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2000-3000 €
Männer/Frauen-Relation 9/1
Bewerber pro Stelle: 3 Bewerber
Spitzenverdiener 4000 €