Beruf als Industriedesigner - Arbeiten in Design

Wenn man sich als Otto-Normalverbraucher eine Kaffeemaschine im Laden anguckt, fallen sicherlich ein paar Sachen auf. Farbe, Haptik, Material oder Oberfläche. Ist mir zu lila, ich steh nicht so auf Plastik, fühlt sich irgendwie fies an. Drei Dinge, die man ohne Probleme erkennen und zuordnen kann. Als Industriedesigner macht man sich genau über diese Dinge Gedanken, wenn man ein neues Produkt entwirft. Welche Farbe soll es haben? Wem soll es dienen? Welches Material wird verwendet? Du bist gewissermaßen die Schnittstelle zwischen dem beauftragenden Unternehmen und den herstellenden Ingenieuren. Wenn Kunden ein neues Produkt auf den Markt wollen bringen, rufen sie dich im Büro an oder schreiben dir eine E-Mail, um mit dir in Kontakt zu treten. Gemeinsam vereinbart ihr einen Termin und besprecht, wie das Produkt am Ende aussehen soll. Nach der Vorarbeit kannst du dann damit beginnen, das Produkt zu designen. Klingt nach dem perfekten Mix aus Büroalltag und kreativer Designarbeit? Das ist es auch. 

Spezialisierungen
Industriedesigner/in

Arbeitsalltag und Aufgaben als Industriedesigner

Arbeitsalltag als Industriedesigner Industriedesigner/in werden

Als Industriedesigner bist du ein echtes Koordinationstalent, da du als Vermittler zwischen dem Kunden und den Ingenieuren stehst. Bleiben wir beim Beispiel der Kaffeemaschine. Du erhältst einen Anruf und musst für deinen Kunden eine neue Kaffeemaschine entwerfen. Sofort tauchst du in die vier Phasen der Produktionsentwicklung ein. Als Erstes beginnt die Analyse. Du betreibst Marktrecherche und schaust dich nach bereits bestehenden Produkten um. Wie sehen sie aus? Was ist das verwendete Material? Was für eine Oberfläche haben diese Kaffeemaschinen? Wie groß ist die Farbauswahl?

Wenn du das Produkt und alle wichtigen Informationen, die der Markt so hergibt, gesichtet hast, beginnt die Konzeptphase. Nun widmest du dich der Zielgruppe. Du erkundigst dich darüber, wer diese Kaffeemaschine kaufen soll, wo sie gekauft werden soll und wer sie am Ende verwendet. Welche Funktionalität muss sie haben? Soll es sich um einen Vollautomaten, eine Filtermaschine oder eine Espressomaschine handeln? All das musst du bereits berücksichtigen, bevor du mit dem eigentlichen Design beginnen kannst. Nach deiner Recherche klärst du alle diese Dinge, die zu beachten sind, mit dem Kunden ab.

Anschließend beginnt die Designphase, in der du im Beruf des Industriedesigners nun versuchst, Schönheit und Funktionalität der Kaffeemaschine bestmöglich zu vereinen. Du wählst das Material aus, machst dir Gedanken über die Ergonomie der Maschine und gestaltest Dinge wie Griffe oder Wasserbehälter. In der letzten, anschließenden Phase geht der fertige Entwurf dann zum Hersteller. Die Ingenieure erstellen dann anhand deiner Anfertigungen das Produkt und stellen eine sogenannte Nullserie her. Diese wird dann an dich zurückgeschickt, damit du das Produkt mit deinem Entwurf vergleichen und eventuelle Fehler ausbügeln kannst, bevor das Produkt in Serienherstellung geht. Diese Phase erfordert einiges an Diskussionen und manchmal musst du auch vor Ort sein, da Entwurf und Prototyp häufig nicht zu 100% miteinander übereinstimmen. 

Voraussetzungen für den Beruf Industriedesigner

Um im Beruf des Industriedesigners erfolgreich durchstarten zu können, musst du auf jeden Fall Industriedesign studiert haben. Immer gut ist es, wenn du vorher eine Ausbildung zum Modellbauer oder Tischler durchlaufen hast, da dir das zusätzliche Praxiserfahrungen bringt. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass ein Masterabschluss dem Bachelor vorgezogen wird, da man im Masterstudium zusätzliche Qualifikationen erhält und bereits Spezialisierungen wählen kann. Auch ein BWL-Studium ist von Vorteil, wenn man sich selbstständig machen will, da man im Designstudium nicht gerade viele Einblicke in Marketing oder Kostenrechnung erhält.

Bevor du dich irgendwo bewirbst, solltest du dir aber sowieso erst einmal darüber klar werden, wie genau du arbeiten willst. Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten, zwischen denen du wählen kannst. Als Angestellter kannst du in einer Agentur oder einer Firma fest angestellt Projekte bearbeiten. Agenturen zahlen in der Regel weniger, da sie häufig einfach weniger gut besetzt sind und daher ein knapperes Budget haben. Unternehmen haben viel mehr Geld, können dir daher also auch mehr zahlen. Beides schränkt deine Freiheit und Kreativität natürlich eher ein, bietet dir aber im Gegenzug viel Sicherheit. Trotzdem solltest du für dich wissen, ob es für dich infrage kommt, in einer Firma die beispielsweise Waschmaschinen herstellt zu arbeiten, da du dort vermutlich nichts anderes außer Waschmaschinen designen wirst.

Ohnehin ist es zurzeit eher schwierig, an eine Festanstellung zu kommen. Die Stellen sind überlaufen und es gibt einfach zu viele Industriedesigner Absolventen, die sich auf nur eine ausgeschriebene Stelle bewerben. Praktika sind da auf jeden Fall Pflichtvoraussetzung, um unter den ganzen Talenten eine Chance zu haben.

Wenn dir diese Vorstellung ein Graus ist, kannst du auch als Freelancer durchstarten. Wenn du richtig gut bist, hast du dann auf jeden Fall mehr Geld als in einer Festanstellung zur Verfügung, dafür aber auch mehr Risiko, da du kein festes Gehalt beziehst. Wenn auch der Freelancer nichts für dich ist, kannst du dich zuletzt auch als Inhaber einer Agentur selbstständig machen. Das ist natürlich gerade für Absolventen eher schwierig, da häufig noch die richtigen Kontakte fehlen. Mehr Geld kannst du dann im Industriedesigner Beruf dann eigentlich nicht mehr verdienen. Mit dem Geldsegen kommt allerdings auch viel Verantwortung und Druck. Du hast Angestellte, die für dich arbeiten und bezahlt werden wollen. Zudem erledigst du überwiegend Management und Organisationsaufgaben und designst daher immer weniger.

Du solltest dich also entscheiden, ob du viel kreative Freiheit aber auch ein hohes Risiko haben willst oder auf diese Freiheit verzichtest, dafür aber Sicherheit hast, was dein Gehalt und deinen Lebensstandard angeht. Es bleibt dir überlassen.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Natürlich kannst du dich auch als Industriedesigner in verschiedenen Expertenbereichen spezialisieren. Als Industriedesigner in Konsumgütern erstellst du beispielsweise Produkte für den persönlichen Gebrauch. Die Gegenstände sind für Endkonsumenten gedacht und reichen von Kaffeemaschinen über Lampen und Spülmaschinen. Wenn du dich für einen Industriedesigner Beruf im Bereich Transportation Design entscheidest, kümmerst du dich um alles, was den Menschen von A nach B bringt. Du entwirfst Busse und Bahnen für den öffentlichen Nahverkehr oder erfüllst dir mit extravaganten Automobildesigns selbst deine Träume.

Industriedesigner im Bereich der Investitionsgüter stellen für Unternehmen anstatt für Endkunden her. Dazu zählt unter anderem das Inventar von Krankenhäusern, wie beispielsweise Betten oder Untersuchungsgeräte. Solche Produkte kann ein Endkonsument nicht im Laden um die Ecke kaufen und würde es vermutlich im Regelfall auch nicht wollen. Um in der Medizin zu bleiben, kannst du dich auch in der Medizintechnik spezialisieren und OP-Säle oder Zahnarztpraxen im Bereich der Life Science ausstatten. Im Fach Home Care stellst du wiederum Produkte für den persönlichen Gebrauch her, wie zum Beispiel Blutdruckmessgerät oder Ähnliches. 

Spezialisierungen
Industriedesigner/in
Fachjargon
Nullserie

Unter dem Begriff Nullserie versteht man Produkte, die in der Einführungsphase einer Serienproduktion zu letzten Erprobungszwecken angefertigt werden. Sie sind damit eine Art Prototyp und können detailliert ausprobiert werden, bevor es in die Serienproduktion geht und auch für die Konsumenten zum Verkauf freigegeben wird. Die Nullserie ermöglicht dem Industriedesigner eine genaue Überprüfung und somit können bestehende Produktfehler erkannt und beseitig werden. Normalerweise gelangen Produkte der Nullserie nicht auf den freien Markt, sollte es aber dennoch passieren, werden teilweise sehr hohe Liebhaberpreise gezahlt.

Designspezifikation

Die Designspezifikation ist die Bedienungsanleitung für den Hersteller und setzt in der letzten Phase der Designphase ein. Mithilfe dieses Style-Guides werden explizite Informationen über das Produkt, wie beispielsweise seinen Anwendungsbereich oder Zusammenbau, gegeben. Als Industriedesigner musst du also dafür sorgen, dass alle nötigen Zeichnungen, ergonomische sowie ästhetische Faktoren, Kosten und Beschreibungen in der Designspezifikation enthalten sind.

Copic-Marker

Kein Industriedesigner kommt umher, diese Filzmarker mit Polyesterspitze zu besitzen. Durch ihre Keil- und feine Strichspitze kann man mit nur einem Stift verschiedene Strichbreiten zeichnen. Es gibt mittlerweile sieben weitere Spitzen und die Farbe kann mehrmals nachgefüllt werden. Die Stifte eigenen sich zum Einfärben von Fotokopien und werden von professionellen Designern aus allen Bereichen für das Kolorieren und Markieren benutzt.

Wusstest du schon, dass...
  • der deutsche Industriedesigner Dieter Rams 10 Designerprinzipien aufgestellt hat? Sie besagen unter anderem, dass gutes Design ein Produkt erst brauchbar macht.
  • es eine super Grundlage ist, wenn du vor deinem Studium eine Ausbildung zum Tischler gemacht hast?
  • das Buch „Parcours: Existenzgründung für Designer. Unabhängig | Eigenverantwortlich | Selbstständig“ von Sophia Muckle sozusagen die Bibel der selbstständigen Designer ist?
Was man kennen und können sollte
Programme
  • Adobe Creative (Illustrator, InDesign, Photoshop)
  • Cloud
  • Rhinoceros, SolidWorks (3D-Programme)
  • Hypershot (Render-Programm)
Sprache
  • Englisch
Verwandte Berufsfelder: Design
Industriedesigner als Beruf - Infos zur Arbeit im Design

Beruf als
Industriedesigner/in

Designtechniker, Produktdesigner Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: Ab 56 Stunden: Workaholic
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2000-2400 €
Männer/Frauen-Relation 8/2
Bewerber pro Stelle: 100 Bewerber
Spitzenverdiener 8000 €