Beruf als Geowissenschaftler - Arbeiten in der Geologie

Die Tageszeitungen vermelden jeden Tag Verschmutzung des Grundwassers, Klimawandel, Ausbeutung der Erde - und überall dort, wo Lebensräume gefährdet sind oder vor großen Umwälzungen stehen, bist du im Beruf als Geologe gefragt, möglichen Konsequenzen und Risiken auf den Grund zu gehen. Ist der Bau einer Talsperre an der geplanten Stelle möglich? Lohnt sich der Abbau von Rohstoffen in dieser Region? Wie soll die Landschaft wieder renaturiert werden? Konkrete Bau- oder Förderprojekte hängen von deiner Beurteilung ab. Dabei versuchst du, die Interessen von Mensch und Natur unter Dach und Fach zu bringen. Du erhebst Daten, wertest Proben aus und erstellst anhand deiner Beurteilungen Pläne und Konzepte für die Nutzung und den Umgang mit Böden, Roh- und Gefahrstoffen. Dabei steht dir die Welt im wahrsten Sinne des Wortes offen. Dein Arbeitsplatz kann sich von unter Tage bis in die höchsten Berge erstrecken. Manche Forscher arbeiten in der Antarktis, andere erkunden Vulkane, Gletscher oder Ozeane. 
Du musst als Geowissenschaftlicher aber keine Karriere als Indiana Jones planen, sondern kannst dich auch in Behörden und Beratungsfirmen für die Baugrunduntersuchung bewerben oder in Softwarefirmen Geoinformationssysteme im Beruf als Geowissenschaftler von morgen mitentwickeln.
Spezialisierungen
Geowissenschaftler/in
Verwandte Berufe

Arbeitsalltag und Aufgaben als Geowissenschaftler

Arbeitsalltag als Geowissenschaftler Geowissenschaftler/in werden
Im Beruf als Geowissenschaftler hängt dein Berufsalltag in erster Linie davon ab, für welches Gebiet du dich entscheidest. So sieht dein Alltag als Geoinformatiker grundsätzlich anders aus als wenn du den Berufseinstieg in die Lagerstättenkunde wagst.
Überall dort, wo gebaut werden soll, ist der Beruf Geowissenschaftler gefragt. Bei einer Baugrunduntersuchung ist es beispielsweise deine Aufgabe, die geophysikalischen und geochemischen Eigenschaften eines Tals zu untersuchen, da der Bau einer Talbrücke bevorsteht. So konzentrierst du dich auf die Ballastierung, überprüfst Entlastungsbohrungen, um Setzungsdifferenzen zu reduzieren. Um dir einen Überblick über das Bauvorhaben zu verschaffen, bist du also viel unterwegs, um bei der Geländebegehung Eindrücke über das Gebiet zu bekommen. Damit deine Beurteilung Hand und Fuß hat, stehen auch in-situ Überprüfungen der Bodenfestigkeit auf dem Tagesplan. Zurück im Büro und Labor steht die Analysearbeit an. Du untersuchst den Mineralbestand und vor allem auch das Quellverhalten, um Volumenänderungen in Tonschichten durch Wasserzufuhr oder -verlust als Risiko einzuordnen oder auszuschließen. Du prüfst, welchen Belastungen der Untergrund standhalten kann, ohne nachzugeben, und ob Witterungsbedingungen oder andere geologische Phänomene das Bauvorhaben maßgeblich gefährden können. Dafür führst du eigenständig Analysen durch oder informierst dich bei Analysedienstleistern über Fortschritte. Deine immer neuen Ergebnisse präsentierst du bei Besprechungen oder Sitzungen mit Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden. 
Deine Beurteilungen kannst du als selbstständiger Berater oder im Team einer Baufirma oder Architektenbüros erledigen, oder aber auch für öffentliche Behörden. Von deiner Arbeitsstelle hängt auch ab, wie sehr du mit der Laborarbeit vertraut sein wirst oder inwiefern die Analyse extern durchgeführt wird und du lediglich die gewonnen Daten strukturierst und dementsprechend beurteilst.


Steigst du nach dem Beruf in die Geoinformatik ein, wirst du dich hauptsächlich mit Daten auseinandersetzen. Hier geht es darum, Informationen zu sammeln, bereitzustellen und nutzerspezifisch auszuwerten, also eine Topologie herzustellen. Die gesammelten Daten werden daher analysiert und je nach Wunschkriterium bewertet. Meistens bist du in die Projektentwicklung, d.h. die Programmierung mit eingebunden. Die Geodaten können für ganz unterschiedliche Zwecke verwendet werden. So helfen Bevölkerungs-, und Verkehrsdaten vor allem der Stadt- und Umweltplanung. Beim oben genannten Beispiel der Talbrücke stellst du anhand unterschiedlicher Daten fest, ob die Bauabschnitte bestehende Naturschutzgebiete durchkreuzen. Wertest du Vertriebsdaten aus, dienen sie der Standortanalyse für Unternehmen in der freien Wirtschaft. So kannst du mit Hilfe der Daten bestimmen, wie groß die Reichweite bzw. das Einzugsgebiet eines Fachmarktes ist. Genauso werden die Daten auch dazu genutzt, Informationen in einem Geoinformationssystem (GIS) zu verknüpfen, etwa um Naturschutzgebiete zu erkennen, die einem geplanten Straßenausbau im Wege stehen.


Zwischen diesen beiden Extremen wirst du dich vor deinem Einstieg in den Beruf Geowissenschaftler entscheiden müssen – viel Planungs- und Schreibtischarbeit oder doch lieber Stiefel an und ab ins Gelände. Alternativ steht dir auch die Forschung offen. Dort wirst du eher weniger für konkrete Projekte forschen, sondern dich mit den geologischen Eigenschaften von Erdschichten und Böden auseinandersetzen, um allgemeine Tendenzen zu erforschen. In der Isotopengeochemie zum Beispiel wirst du Meteoriten und terrestrische Proben präparieren, interessante und seltene Minerale picken und analysieren. Die Geologie bietet dir seltene und daher äußerst spannende Aufgaben.

Voraussetzungen für den Beruf Geowissenschaftler

Unterschiedliche Branchen setzen unterschiedliche Kompetenzen und Qualifikationen voraus. Dennoch wirst du im Beruf des Geowissenschaftlers überall dein Fachwissen aus dem Studium anwenden können, vor allem wenn es um praktische Erfahrungen geologischer Situationen geht. 


Immer wirst du zu allererst Daten und Fakten sammeln müssen. Wie ist die Bodenbeschaffenheit, welche Silikate liegen vor und wie verhalten sie sich bei unterschiedlichen Wetterungsphasen oder welche Kontamination geht von den Abfallstoffen aus? Nachdem du diese Daten gesammelt hast, ist es deine Aufgabe, anhand von Forschungsergebnissen, Richtlinien und Gesetzen eine Beurteilung des Risikos, der Wirtschaftlichkeit und der Durchführbarkeit zu treffen. Da diese Daten oft aus ganz anderen Bereichen kommen oder sich bei unterschiedlichen Projekten und Vorhaben stark unterscheiden können, solltest du in jedem Fall interdisziplinär denken können – Physik, Mathe, Chemie und Biologie gehören zum Alltag. Auch dein stetiger Kontakt mit anderen Verantwortlichen setzt ein hohes Maß an Interdisziplin voraus, insbesondere wenn größere Projekte im Team durchgeführt werden und die Konzeption oder das Vorgehen gemeinsam diskutiert und entschieden wird.


Der Beruf Geowissenschaflter findet sich aber auch in der Forschung wieder. Dort werden generell gute bis sehr gute Abschlüsse vorausgesetzt. Möchtest du später eine führende Position einnehmen, etwa in der akademischen Laufbahn, dann wirst du um die Promotion nicht drum herum kommen. Da die Forschung ein sehr zeitaufwendiger Prozess ohne Garantie des Forschungserfolgs ist, solltest du dich bei deinen Ergebnissen auf einige Rückschläge vorbereiten, dich aber nicht unterkriegen lassen. Vor allem in der Mineralogie ist die Forschung vertreten. Andere Berufsbilder gibt es in diesem Bereich eher seltener.


Egal, ob du Baugrunduntersuchungen machst oder für die Uni forschst – nicht jede Analyse lässt sich am Schreibtisch oder im Labor auswerten, geschweige denn bekommen. Daher musst du deine Arbeit immer wieder vor Ort erledigen. Ein wenig Abenteuerlust und körperliche Belastbarkeit schaden daher nicht, wenn man sich oft outdoor herumtreibt.


Die einige Arbeitsbereiche wie etwa die Erdölexploration sehr international sind, solltest du mindestens Englisch als Fremdsprache beherrschen. Das ist auch Voraussetzung, da die Fachliteratur in englischer Sprache verfasst ist. Diese ist für die Literaturrecherche während der Promotion wie auch für die Weiterbildung während des Berufslebens zwingend erforderlich. Jede weitere Sprache kann nicht schaden und wird von Fachkräften, die bereits im Beruf als Geowissenschaftler jahrelange Erfahrung gesammelt haben, sogar oft ausdrücklich empfohlen. Rohstoffunternehmen schicken dich oft für eine lange Zeit ins Ausland, neben einer grundsätzlichen Reisebereitschaft solltest du dich daher woanders schnell einleben können und ziemlich flexibel sein. 


Viele Unternehmen legen fernab von Studienabschlüssen vor allem viel Wert darauf, wieviel praktische Erfahrungen du bereits vorweisen kannst – welche geologischen Situationen hast du bereits mit eigenen Augen gesehen, wo auf der Welt hast du bereits Exkursion miterlebt? Strebst du eine Stelle in der Wirtschaft an, ist eine Promotion im Gebiet der Planetologie nicht förderlich sondern hat dir sogar drei bis vier Jahre essentielle und fachspezifische Arbeitspraxis geraubt.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Als Geowissenschaftler steht dir im wahrsten Sinne des Wortes die Welt offen. Als Forscher kannst du dich in Gletscher stürzen, dich der Ozeanographie oder Antarktis widmen, um die wesentlichen Grundlagen der Geowissenschaften zu hinterfragen. Dabei wirst du auch viel mit den Themen rund um den Klimawandel zu tun haben. Vor allem in der Forschung beschäftigen sich heutzutage viele Menschen mit dem Beruf Geowissenschaftler mit Plattenverschiebungen, Vulkanausbrüchen aber auch den tiefergehenden Eigenschaften unterschiedlicher Gesteins- oder Bodenstrukturen. Ein wichtiges, aber bisher sehr wenig fortgeschrittenes Feld ist die präzise Vorhersage von Naturkatastrophen wie Tsunamis, Erdbeben oder Eruptionen.


Viele deiner zukünftigen Kollegen beschäftigen sich mit Baugrund oder der Geotechnik. Dort sind sie mit dem Landschaftsschutz vertraut und beurteilen Baugründe für bevorstehende Bauvorhaben. Dabei geht es um Fragen der Risikominimierung, Standsicherheit, Stabilität und Setzung. Gleichzeitig zu den geophysikalischen und geochemischen Eigenschaften des Bodens und der dortigen Umwelt hast du baurechtliche Prinzipien im Hinterkopf, um die Durchführbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts beurteilen zu können.


Die heutigen Produktionsverhältnisse sorgen dafür, dass wir eine immer größere Nachfrage an Ressourcen haben. Da viele natürliche Rohstoffe begrenzt sind und regionale Vorkommen schnell verbraucht werden, ist es der Beruf Geowissenschaftler, der dazu qualifiziert, in der Prospektion und Exploration neue Rohstoffquellen zu erkunden und zu erschließen. Das Spezialgebiet Erdölexploration betrifft vor allem große internationale Unternehmen und fällt unter die Lagerstättenkunde und wird oft auch Wirtschaftsgeologie genannt. Hierbei bist du für die also die Erkundung und Erschließung von Höffigkeitsgebieten verantwortlich. Da die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Teilen der Erde stetig zunimmt, sorgst du dafür, dass die Versorgung der Industriegesellschaft gesichert ist. Die Rohstoffgeologie und Erzlagerstättenkunde beschäftigt sich in ähnlicher Weise mit der Nutzung von Rohstoffen für wirtschaftliche oder technische Zwecke.


Eine gesteigerte Produktion und der höhere Konsum haben auch zur Folge, dass die Abfallmengen heutzutage unentwegt ansteigen. Im Beruf als Geowissenschaftler im Bereich Umweltgeologie und Altlasten stehst du vor der Herausforderung, eine verantwortungsvolle Entsorgung sowie einen vernünftigen Umgang mit Müll und Schadstoffen zu gewährleisten, ohne die vorhandenen Interessen von Mensch und Natur zu durchkreuzen. In der Altlastenerkundung spezialisierst du dich darauf, bisher unbekannte Risiken von Altdeponien, Abfällen und Überbleibseln alter Industrie- und gewerblicher Anlagen zu beurteilen. Zuerst werden die Altlasten erfasst, damit du später eine Gefährdungsabschätzung durchführen kannst. Die schaust dir die Art, den Umfang und das Ausmaß von Verunreinigungen an, ermittelst Schadstoffpotentiale, mögliche Verbreitungspotentiale und Expositionsmöglichkeiten und berücksichtigst dabei viele andere Faktoren, etwa die Geländenutzung und erarbeitest anhand dessen Sanierungsmöglichkeiten und erstellst einen Maßnahmenkatalog. Schad- und Gefahrstoffe sind auch für Hydrogeologen wichtig, da diese für das Grundwasser und die Grundwasserversorgung zuständig sind.
Als wäre das noch nicht genug, qualifiziert dich der Beruf als Geowissenschaftler auch dazu, GIS-Software zu entwickeln, die einerseits für Navigationssysteme genutzt werden können, andererseits sind die verwendeten Geodaten auch für ganz andere Vorhaben von großer Bedeutung. Soll etwa ein neuer Autobahnabschnitt gebaut werden, helfen deine Daten und deine Anwendung dabei, mögliche Interaktionspunkte der Straßenplanung mit bestehenden Naturschutzgebieten und Biotopen aufzuzeigen. Dabei dienen deine Systeme allerdings nicht nur Behörden oder Architekturbüros, sondern je nach eingepflegtem Datentyp auch Wirtschaftsunternehmen, indem du das Einzugsgebiet von Märkten visualisierst und somit Standortanalyse betreibst.


In der Geotechnologie wirst du im Beruf als Geowissenschaftler hauptsächlich an technischen Konzepten für Bauvorhaben mitwirken und bist dabei für die Beurteilung verantwortlich, ob die Pläne wirtschaftlich rentabel, technische Normen befolgen und den gesetzlichen Bestimmungen folgen. Dabei sind die Projekte oft sehr zukunftsorientiert, da sie sich mit neuen Energiequellen und anderen Ressourcen beschäftigen oder aber natürliche Gegebenheiten technisch ausnutzen - etwa die Kohlendioxid-Speicherkapazität.
Spezialisierungen
Geowissenschaftler/in
Fachjargon
Vulkanite

Mit Vulkanit sind alle Gesteinsformen gemeint, die einen vulkanischen Ursprung haben, also vulkanisch an die Erdoberfläche befördert wurden. Nach der Gesteinsschmelze sind sie schnell abgekühlt. Plutonite dagegen entstehen in der Tiefe durch eine extrem langsame Abkühlung. Zusammen bilden Vulkanite und Plutonite die so genannten Magmanite.

Streckeisen-Diagramm

Das Streckeisen-Diagramm wird auch QAPF-Schema genannt und gehört mit zu den wichtigsten Werkzeugen der Geologie. Es gibt zwei verschiedene Varianten, eine für Plutonite, eine für Vulkanite. Mit dem Diagramm werden die prozentualen Anteile an Mineralen definiert.

Setzungsdifferenzen

Zu große Setzungsdifferenzen können zur Verkippung oder Verschiebung von Bauteilen führen, wenn der Ballast eines Baus den Untergrund unterschiedlich stark zusammendrückt. Daher ist nicht die absolute Größe der Setzung ausschlaggebend sondern vielmehr die Differenz einzelner Elemente.

Wusstest du schon, dass...
  • das stärkste Erdbeben eine Stärke von 9,5 aufwies, während die Richterskala eigentlich nur bis 6,5 ausgelegt ist?
  • Forscher 45 bis 70 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche eine geschmolzene Schicht des Mantelgesteins entdeckt haben, obwohl dies bisher als ein sehr untypischer Ort für Magma angesehen wurde?
  • 50 oder 75 Grad eine so kritische Erhöhung der Magmatemperatur sein können, dass ein Vulkan innerhalb kurzer Zeit ausbrechen kann?
Was man kennen und können sollte
Arbeitsweise
  • Selbstdisziplin
  • Präzision
  • Geduld
Baugrunduntersuchung
  • Grundkenntnisse Baurecht
Sonstige Kenntnisse und Fähigkeiten
  • Englisch
  • Weitere Fremdsprache (sinnvoll)
  • Reisebereitschaft
  • Körperliche Belastbarkeit
Verwandte Berufsfelder:
Geowissenschaftler als Beruf - Infos zur Arbeit in der Geowissenschaft

Beruf als
Geowissenschaftler/in

Geologe Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 40-45 Stunden: Normal
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2500-2850 €
Männer/Frauen-Relation 8/2
Bewerber pro Stelle: 17 Bewerber
Spitzenverdiener 9500 €