Beruf als Epidemiologe - Arbeiten in der Biologie

Seit jeher wird die Welt von Epidemien heimgesucht. Darunter versteht man Erkrankungen, die zeitlich und örtlich konzentriert in einer bestimmten Bevölkerung oder Population auftauchen. Auch  wenn die Medizin permanent fortschreitet, gibt es auch heute noch schlimme Krankheiten, die zahlreiche Opfer fordern. Ganz aktuell, im Jahre 2014 und damit 660 Jahre, nachdem 25 Millionen Menschen im Europa des 14. Jahrhunderts durch den schwarzen Tod gestorben sind, hat das Ebola-Virus auf dem afrikanischen Kontinent bereits viele hundert Menschen das Leben gekostet. Im Beruf als Epidemiologe ist es deine Aufgabe, gegen solche Krankheiten vorzugehen. Dafür studierst du Infizierungen und Erreger, konzipierst und führst Maßnahmen durch, um die Erkrankungen einzudämmen und zu bekämpfen. Was dich noch beim Beruf als Epidemiologe erwartet und was du für diese herausfordernde und verantwortungsvolle Aufgaben mitbringen solltest, das verraten wir dir hier. 

Arbeitsalltag und Aufgaben als Epidemiologe

Jobs als Epidemiologe Epidemiologe/Epidemiologin werden

Im Beruf als Epidemiologe beschäftigst du dich mit den Ursachen, der Verbreitung und den Folgen von Krankheiten. Durch Arbeit im Labor, etwa in Form von Blutanalysen, versuchst du herauszufinden, wie eine Krankheit übertragen wird, ob sie tödlich ist und wie man sich gegen sie schützen kann. Du bist aber auch vor Ort in betroffenen Gebieten im Einsatz, um quantitative und qualitative Studien durchzuführen. So findest du heraus, wer besonders gefährdet ist und wo die Krankheit am stärksten auftritt. Du beobachtest eine Bevölkerungsgruppe über einen bestimmten Zeitraum, nimmst Blutproben und befragst sie zu Ernährung und Lebensstil. Anschließend stehen immer wieder Nachuntersuchungen an, um so Entwicklungen und Veränderungen zu erkennen.

Dabei berücksichtigst du auch Ursachen wie Umwelteinflüsse, genetische Faktoren oder soziale Aspekte. Häufig spielen die Ursachen alle ineinander, z.B. wenn es aufgrund eines Hurrikans zu einer katastrophalen hygienischen Mangelversorgung kommt, bei der sich eine Krankheit rasant ausbreiten kann.  

Im Beruf als Epidemiologe bist du vor allem in der Forschung tätig und arbeitest an Universitäten, in Kliniken sowie staatlichen und privaten Forschungsinstituten. Aber auch bei Behörden wie Gesundheitsämtern und Landesämtern kannst du unterkommen. Daneben werden auch in den Forschungsabteilungen von Pharmaunternehmen oder Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen Epidemiologen gesucht.

Führst du im Beruf als Epidemiologe Studien durch, dann dokumentierst du deine Arbeit und wertest die Ergebnisse aus. Diese Ergebnisse gibst du nicht nur an die Medizin und andere Wissenschaften weiter, sondern informierst auch die entsprechenden Ministerien, Behörden und Medien, etwa wenn eine neue Grippewelle droht.

Weil sich viele Krankheiten vor allem in Krisen- und Kriegsgebieten ausbreiten, kann es auch sein, dass du im Epidemiologen Beruf öfters im Ausland im Einsatz bist, manchmal sogar für mehrere Monate. Das ist nicht immer ganz ungefährlich, was sowohl aggressive Erreger als auch mögliche soziale und politische Brandherde betrifft. Hast du dir schließlich ein Bild von einer Krankheit gemacht, dann konzipierst du Maßnahmen zu Prävention und Gesundheitsförderung. Außerdem leistest du Aufklärungsarbeit. Dabei wird dir, vor allem in Krisengebieten, nicht unbedingt immer mit Dankbarkeit oder Vertrauen begegnet.

Im Beruf als Epidemiologie stehst du mit vielen Mitarbeitern aus anderen Bereichen in Kontakt. Du arbeitest zum Beispiel eng mit Laborkräften zusammen oder unterstützt und berätst Ärzte. Auch mit anderen Wissenschaftlern tauschst du dich regelmäßig aus. Häufig arbeitest du auch mit Informatikern zusammen, zum Beispiel um bessere Datenerfassungssysteme zu erstellen. Im Beruf als Epidemiologe versuchst du außerdem, epidemiologische Methoden nachhaltig weiterzuentwickeln, wozu auch gehört, Fachartikel über deine Arbeit zu veröffentlichen.

Dein Einsatzgebiet hat natürlich wesentlichen Einfluss auf die Arbeitszeiten. Wenn du in der Universität und anderen Einrichtungen forschst, dann kannst du dich auf einen geregelten 9-to-5-Arbeitsalltag an den Werktagen einstellen. Bei einem Auslandsaufenthalt, vor allem in Krisengebieten, sieht das natürlich häufig völlig anders aus, dort bist du, je nach Dringlichkeit und Verbreitung einer Krankheit, quasi im Dauereinsatz. Ein Virus schert sich schließlich wenig darum, ob du gerade müde bist oder das Wochenende frei haben möchtest.

Voraussetzungen für den Beruf Epidemiologe

Wichtigste Voraussetzung für den Beruf als Epidemiologe ist ein Studium mit entsprechendem Schwerpunkt. Epidemiologie gibt es als Masterstudiengang, den du z.B. auf einen Bachelor in Biologie bauen kannst. Aber auch ein Abschluss in Humanmedizin, Biologie, Psychologie, Sozialwissenschaften, Public Health und sogar Statistik oder Mathe kann dich mit einem passenden Master bzw. Schwerpunkt in den Beruf als Epidemiologe führen.

Der Master ist also auf jeden Fall Pflicht, wenn du im Beruf als Epidemiologe arbeiten möchtest. Daneben hilft dir der Doktortitel, dich in ein bestimmtes Gebiet weiter zu vertiefen. Er ist auch gerne gesehen, wenn du dich später auf eine Führungsposition bewirbst. Möchtest du in der Lehre bleiben, z.B. als Dozent, dann ist die Promotion ohnehin Pflicht. Auch, damit man dir bestimmte spezialisierte Aufgaben in der Forschung überträgt, wird mitunter ein Doktor verlangt.

Da der Beruf als Epidemiologe stark geprägt ist von Statistiken, Daten, Untersuchungen und Erhebungen, gibt es außerdem allerhand Datenbanken, Statistikprogramme und qualitative sowie quantitative Forschungsmethoden aus der analytischen und deskriptiven Epidemiologie, die du beherrschen musst: Von Stichproben und Untersuchungen einzelner Patienten über Kohorten- und Fallkontrollstudien bis hin zur Auswertung der Symptome ganzer Bevölkerungsteile. Je mehr praktische Erfahrung du schon gesammelt hast, umso größer sind hier deine Kenntnisse.

Je nach Einsatzgebiet werden im Beruf als Epidemiologe auch Kenntnisse der lokalen Medizin, z.B. Tropen- und Infektionsmedizin, und der kulturellen Gepflogenheiten vorausgesetzt. Hier machen sich deine Auslandserfahrungen während des Studiums bezahlt, da du so häufig bereits eine ungefähre Vorstellung vom Arbeitsumfeld hast. Die Bereitschaft, auch mal über einen längeren Zeitraum zu verreisen, solltest du dir ohnehin beibehalten.

Da du häufig in internationale Teams integriert bist, solltest du fließend Englisch sprechen. Jede weitere Sprache ist im Beruf als Epidemiologe zusätzlich hilfreich, am sinnvollsten sind vor allem Französisch, Russisch und Arabisch, weil diese Sprachen in vielen betroffenen Gebieten weit verbreitet sind. Außerdem hilft es, ein Kommunikationstalent mit dem richtigen Maß an Einfühlungsvermögen zu sein, da du es auch häufig mit der oft leidgeplagten Zivilbevölkerung, Studienteilnehmern und Erkrankten zu tun bekommst.

Im Beruf als Epidemiologe steht dir auch dir die Selbstständigkeit offen. Epidemiologen können beispielsweise beratende Funktionen im Gesundheitsmanagement übernehmen, gerade Themen wie Hygiene oder die Stärkung des Immunsystems sind für Unternehmen aus allen Branchen und Bereichen immer aktuell. Außerdem kannst du als freier Autor arbeiten und von den Texten leben, die du schreibst. 

Spezialisierungsmöglichkeiten

Im Beruf als Epidemiologe gibt es viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Dadurch suchst du dir innerhalb der Epidemiologie eine Fachdisziplin, in der du dich nur auf bestimmte Aspekte einer Krankheit fokussierst. In der Infektionsepidemiologie beispielsweise betrachtest du übertragbare Erkrankungen, also Infektionskrankheiten und parasitäre Erkrankungen. In der Sozialepidemiologie untersuchst du hingegen soziale Bedingungen, z.B. Geschlecht und Wohnsituation.

Eine andere Fachdisziplin im Beruf als Epidemiologie findest du in der Krebsepidemiologie, die sich vor allem auf die Identifikation und Prävention von Risikofaktoren für Krebserkrankungen konzentriert. Die Ernährungsepidemiologie dagegen fragt zum Beispiel, wie eine Ernährung mit einer chronischen Erkrankung zusammenhängt.

Weitere mögliche Spezialisierungen im Beruf als Epidemiologe findest du in der Pharmakoepidemiologie, der Umwelt-, der Arbeits-, der klinischen und der genetischen Epidemiologie.

Spezialisierungen
Epidemiologe/Epidemiologin
Fachjargon
Inzidenz / Prävalenz

Inzidenz und Prävelenz sind zwei wichtige Maßeinheiten für die Epidemiologie. Die Inzidenz beschreibt die Anzahl neu aufgetretener Krankheitsfälle. Die Prävalenz bezeichnet hingegen die gesamte Anzahl von Erkrankungen innerhalb einer Population und in einem bestimmten Zeitraum. Das Ziel der Epidemiologie ist es auch, dass Inzidenz und Prävalenz zurückgehen.

Kontagionsindex

Der Kontagionsindex oder Kontagiositätsindex betrachtet, in wie vielen Fällen es nach einem Kontakt mit einem Krankheitserreger tatsächlich zu einer Infektion kommt. So lässt sich mathematisch die Ansteckungsgefahr berechnen. Besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass nach dem Kontakt die Infektion folgt, dann ist der Kontagionsindex 0,5. Mit die höchsten Kontagionsindexe haben zum Beispiel Masern (0,98) und Pocken (0,95).

Letalität

Unter Letalität versteht man in der Medizin und Biologie die Tödlichkeit einer Erkrankung, also das Verhältnis der Toten zur Anzahl der Infizierten. Die Letalitätsrate dagegen betrachtet, wie viele Infizierte innerhalb einer Population und in einem bestimmten Zeitraum an ihrer Krankheit gestorben sind und wie viele sich neu infiziert haben. Dabei muss aber das Alter der Erkrankten berücksichtigt werden, denn ältere Menschen sind häufig anfälliger als junge, kräftige Menschen.

Wusstest du schon, dass...
  • durch die Pest im 14. Jahrhundert ein Drittel der europäischen Bevölkerung, also schätzungsweise zwischen 20 und 50 Millionen Menschen, ums Leben kamen? Sie ist auch immer noch nicht ganz besiegt. 2013 starben über 30 Menschen auf Madagaskar an der Pest, 2014 ist bisher ein Mann in China der Beulenpest zum Opfer gefallen.
  • die zwölf gefährlichsten biologischen Kampfstoffe, zu denen unter anderem die Pest und Pocken gehören, als „dreckiges Dutzend“ bezeichnet werden? Diese Kampfstoffe lassen sich besonders leicht verbreiten, übertragen oder sind besonders tödlich.
  • die Bezeichnung „Ebola“ auf den gleichnamigen Fluss in der Demokratischen Republik Kongo zurückgeht? Dort gab es 1976 den ersten bekannten Ausbruch der Infektionskrankheit.
Was man kennen und können sollte
Sprachen
  • Englisch
  • Jede weitere Fremdsprache hilfreich, vor allem Französisch, Russisch und Arabisch
Fachliche Kompetenzen
  • Quantitative und qualitative Forschungsmethoden (z.B. deskriptive und analytische Epidemiologie)
  • Epidemiologische Datenbanken
  • Statistikprogramme
Verwandte Berufsfelder:
Epidemiologe als Beruf - Infos zur Arbeit in der Biologie.

Beruf als
Epidemiologe/Epidemiologin

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: bis 55 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 3300-3600 €
Männer/Frauen-Relation 5/5
Bewerber pro Stelle: 30 Bewerber
Spitzenverdiener 5600 €