Beruf als Entwicklungsingenieur - Arbeiten im Ingenieurwesen

"Probieren geht über Studieren" heißt es bekanntermaßen, doch bei sehr komplexen Prozessen ist häufig erstmal Planung gefragt. Da uns neue Entwicklungen auch immer vor neue Probleme stellen, bist du gefragt, wenn es darum geht, die passende Lösung zu entwickeln. Technische Herausforderungen lassen dich nicht verzweifeln, sondern sind dein Ansporn, um alle Möglichkeiten zu überdenken und zu testen. Schrauben oder Schweißen? Wie wirken sich thermodynamische Effekte auf die Leistung aus? Sind die Toleranzen zu groß? Das sind die alltäglichen Fragen, die du dir stellst und auf die du eine Antwort suchst. Von der Planung bis zur Auslieferung und Montage bist du im Beruf Entwicklungsingenieur / Konstruktionsingenieur involviert. Schritt für Schritt kommst du von der technischen Skizze bis zum Modell und zur Produktion voran.

Wie dein Alltag aussieht, was du als Bewerber mitbringen musst, wie es später um dein Gehalt steht und ob du für immer denselben Beruf ausüben wirst, das sagen wir dir hier.

Spezialisierungen
Entwicklungsingenieur/in
Verwandte Berufe

Arbeitsalltag und Aufgaben als Entwicklungsingenieur

Arbeitsalltag als Entwicklungsingenieur Entwicklungsingenieur/in werden

Die meisten deiner Projekte sind speziell auf den Kunden zugeschnitten. Selbst wenn sich die Arbeitsschritte gleichen, so sind die technischen Anforderungen immer unterschiedlich. Deshalb sieht dein Berufsalltag auch nicht bei jeder Stelle gleich aus. Das macht den Beruf Entwicklungsingenieur / Konstruktionsingenieur besonders spannend und abwechslungsreich. Wir bieten dir einen Einblick in einen möglichen Tagesablauf:

Wenn du morgens ins Büro kommst, checkst du zuerst einmal dein E-Mail-Postfach. Möglicherweise steht gleich ein Meeting an oder es herrscht akuter Handlungsbedarf bei einem deiner Projekte. Du antwortest also den Kollegen und begibst dich danach in die Besprechung, bei der du die aktuellsten Ergebnisse und den Status des Projekts präsentierst. Je nachdem, wieviel Verantwortung du übernimmst, wird das weitere Vorgehen im Team besprochen oder aber du bist erstmal allein gefragt. Es geht also zurück ins Büro, du stellst neue Berechnungen an und beziehst weitere Faktoren und Variablen mit ein, die sich aus dem Meeting ergeben haben. Du prüfst die Stückliste der Einzelteile. Einige werden selber produziert, andere müssen vom Zulieferer herangeschafft werden - so oder so ist es deine Aufgabe, die Aufträge dafür zu erstellen. Es kann also sein, dass du relativ viel Zeit mit administrativen Prozessen verbringen wirst, das hängt allerdings immer von der Organisationsstruktur deines Arbeitgebers ab. Für die benötigten Teile rufst du entweder in der Produktion an oder stellst Kontakt zum Lieferanten her, damit er dir die just-in-time Lieferung garantieren kann.

Engineering-Leistung ist dann wieder gefragt, wenn es die Teile in der gewünschten Form bisher nicht gibt. Dann entwirfst du sie selber und entwickelst womöglich sogar ein passendes Werkzeug dafür. Also erstellst du eine technische Zeichnung, gehst runter in die Werkshalle, sprichst mit Maschinisten in der Fertigung, testest den Prototypen, gehst wieder ins Büro, veränderst die Maße und dann beginnt der Zyklus wieder von vorne. Diesmal gibst du deine grobe Skizze an einen technischen Zeichner und kümmerst dich in der Zeit um dein zweites Projekt. Hier steht bald die Montage der Anlage an, also planst du bereits deine Reise in die Kundenwerkshalle, um die Installation und Inbetriebnahme vor Ort zu unterstützen und zu begleiten. Gleichzeitig musst du Messergebnisse und Fortschritte dokumentieren und vielleicht deinen Kollegen etwas hinterherlaufen, die sind schließlich ebenfalls mit mehreren Sachen gleichzeitig beschäftigt.

Am Abend geht’s nach Hause, die Arbeit für heute ist im Groben getan, aber die Projekte laufen natürlich weiter. Wenn du abends noch eine zündende Idee hast, kannst du sie dir nochmal schnell notieren, schließlich geht’s morgen früh als Erstes zu einem potentiellen Kunden.

Voraussetzungen für den Beruf Entwicklungsingenieur

„Weiß ich schon“, „kann ich nicht“ – das sind Sätze, die es in deinem Beruf nicht geben wird. Du bist für neue und innovative Ideen da. Was es noch nicht gibt, das erfindest du. Was es schon gibt, das verbesserst du. Dafür musst du ein Höchstmaß an Kreativität mitbringen, denn der Apfel ist bereits vom Baum gefallen und so leicht wie zu Newtons Zeiten ist es nicht mehr, bahnbrechende Ideenansätze zu bekommen. Die meisten Ideen für die technische Umsetzung musst du dir daher selber ausdenken. Ständiger Wissensdurst ist in diesem Job von großem Vorteil. Auch nach dem Studium kannst du noch nicht alles wissen. Stattdessen kannst du dir tagtäglich Know-How von Kollegen aneignen. Daher solltest du immer mal den Blick über den Tellerrand wagen und die Meinungen und Konzepte deiner Kollegen mit einbeziehen.

Obwohl Maschinenbau der typische Studiengang für den Beruf Entwicklungsingenieur / Konstruktionsingenieur ist, kannst du je nach Spezialisierung auch Wirtschaftsmathematik oder Wirtschaftsingenieurwesen studiert haben. Im Managementbereich ist sogar jeder Ingenieur willkommen.

Was es schon gibt, das verbesserst du. Um vorerst das Maximum aus Maschinen und Anlagen herauszuholen, ist analytisches Denken gefragt. Um alle relevanten Faktoren mit einzubeziehen bist du ebenfalls damit beschäftigt, neue Forschungsergebnisse zu recherchieren und so mögliche Optimierungen auf dein Projekt anzuwenden. Da du oft mit Kunden und Fachkräften aus anderen Niederlassungen oder Unternehmenszweigen im Ausland zu tun hast, ist Englisch verpflichtend, jede weitere Fremdsprache erleichtert dir den Berufsalltag ungemein. Der Kontakt zu vielen unterschiedlichen Kollegen und Fachkräften setzt auch ein hohes Maß an interdisziplinärem Denken voraus. „It’s all about the people“ – du musst wissen, wie die Mitarbeiter ticken und wen du ansprechen musst, um die gewünschte Antwort zu bekommen.

Die Kunden planen die Inbetriebnahme deiner Maschinen und Anlagen natürlich ebenfalls voraus. Hat dein Zulieferer Probleme, die benötigten Schrauben aufzutreiben, dann verzögert sich auch deine Montage und die Testphase.

Termindruck ist allgegenwärtig, zumal du nicht nur mit einem Projekt vertraut wirst. Hier gilt es dennoch, einen kühlen Kopf zu bewahren und gut organisiert zu sein, um die Termine einzuhalten und gleichzeitig die Qualität zu wahren. Ein unfertiges Produkt kann sich das Unternehmen nicht erlauben und sowas würde natürlich auch auf dich zurückfallen. Revision ist daher das A und O, um ein ausgereiftes Produkt auszuliefern, dabei sind Genauigkeit und Perfektionswille unabdingbar. Je mehr „ownership“, d.h. je mehr Verantwortung du über das gesamte Projekt und dessen Abläufe und Arbeitsschritte übernimmst, desto fordernder werden deine Aufgaben und je mehr wirst du auch unterwegs sein. Kundengespräche und –betreuung vor Ort sind daher keine Seltenheit. Reisebereitschaft solltest du daher generell mitbringen.

Spezialisierungsmöglichkeiten

In der Fahrzeugtechnik beschäftigen dich neue Antriebe, sparsame Einspritzanlagen, weniger Emissionen, automatisierte Systemelektronik und vieles mehr. Dich bewegt heute, was uns morgen bewegt.

Auch die Medizintechnik ist ein großes Feld, auf das du dich spezialisieren kannst. Erfindungen wie das MRT haben die Diagnose auf besondere Art und Weise vorangebracht. Dialysegeräte und Herzschrittmachen bedeuten für viele Menschen trotz schwerer Krankheit einen Großteil an Lebensqualität zurückzubekommen. Du entwickelst medizinische Geräte, die Ärzten und Pflegepersonal die Therapie von Patienten erleichtern und die Rehabilitation unterstützen.

Höher, weiter, schneller - Spielraum für Optimierungen gibt es fast überall, aber in der Luft- und Raumfahrttechnik forschst du an besseren, energiefreundlichen Antrieben für den zivilen Luftverkehr, arbeitest an Konzepten zur Aerodynamik oder aber an Kommunikationssystemen für Satelliten und Sonden, die später durch unseren Orbit kreisen sollen.

Neben der Branche kannst du auch das Tätigkeitsfeld im Beruf Entwicklungsingenieur / Konstruktionsingenieur für dich genauer definieren. Während manche ausgebildeten Ingenieure den Prozess von der Planung über den Test bis zur Montage oder Markteinführung übernehmen und begleiten, verzichten andere auf das Gesamtpaket und sind nur mit Teilaufgaben betraut, etwa der technischen Vorentwicklung, den Laborversuchen, der Montageüberwachung oder aber der Projektdokumentation. Je nachdem für was du dich entscheidest, sieht dein Berufsalltag wieder ganz anders aus.

Spezialisierungen
Entwicklungsingenieur/in
Fachjargon
MTBR

Die Abkürzung bedeutet eigentlich „mean time between repair“, also die Überbrückungszeit während einer Reparatur bzw. aus Unternehmersicht die Ausfallzeit bis zur Reparatur oder Austausch defekter Komponenten.

TC

TC steht für das englische „temperature control“. Die Temperatur ist eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für Maschinen und Anlagen, da Temperaturdifferenzen einen Einfluss auf die Toleranzen oder Ähnliches haben können.

P&ID

Hiermit ist das „piping and instrumentation diagram“ gemeint, bzw. im deutschen das R&I-Fließschema. Das ist ein Diagramm, das die Rohrleitungs- und Instrumentenfließschamata in der Anlagen- und Verfahrenstechnik darstellt.

Wusstest du schon, dass...
  • der Large Hadron Collider im Forschungszentrum CERN mit 26,7 Kilometern die längste Maschine der Welt ist?
  • Maschinenbau die älteste Ingenieursdisziplin ist und der Ingenieur im 18. Jahrhundert als eigenständiger Beruf eingeführt wurde?
  • es in Finnland durchschnittlich doppelt so viele Ingenieure gibt wie in Deutschland?
Was man kennen und können sollte
Programme
  • CAD-Software
  • Office (Excel)
Fachliche Kenntnisse
  • Technisches Zeichen
Sprachliche Kenntnisse
  • Englisch
Verwandte Berufsfelder: Elektrotechnik Ingenieur
Entwicklungsingenieur als Beruf - Infos zur Arbeit im Ingenieurwesen

Beruf als
Entwicklungsingenieur/in

Konstruktionsingenieur Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 45 Stunden: Normal
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 2500-3500 €
Männer/Frauen-Relation 8/2
Bewerber pro Stelle: 20 Bewerber
Spitzenverdiener 6700 €