Beruf als Dozent - Arbeiten in der Wissenschaft

Obwohl du dein Masterstudium schon hinter dir hast und deine Masterarbeit in den letzten Zügen steckt, spürst du anstatt Erleichterung nur Trauer? Du kannst es dir einfach nicht vorstellen, die Uni zu verlassen, weil du noch so viele Fragen zu Dingen hast, die unerforscht geblieben sind? Keine Panik, als Dozent bleibst du deiner Uni treu und kannst mit deiner Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrbeauftragter oder Professor Studierende betreuen und zugleich die Forschung in deinem Fachgebiet vorantreiben. 

Spezialisierungen
Dozent/in

Arbeitsalltag und Aufgaben als Dozent

Arbeitsalltag als Dozent Dozent/in werden

Im Beruf des Dozenten sind deine Hauptaufgabe die Lehre und die Betreuung deiner Studenten. Je nachdem wie viele Stunden du beschäftigt bist und welche Position du an der Uni als Dozent hast, hast du ein eigenes Büro oder teilst dir einen Raum mit weiteren Dozenten. Von hier aus kannst du deinen Unterricht vorbereiten, Sprechstunden geben oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter an deiner Dissertation weiterschreiben. Egal, ob du als Professor, Privatdozent oder Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität beschäftigt bist, um einen Büroalltag kommst du nicht herum. Dein Tag besteht zu einem großen Teil daraus, E-Mails zu beantworten, Sprechstunden abzuhalten oder telefonisch Termine für Konferenzen und Tagungen zu planen.

Wenn du als Dozent ein Seminar planst, dann ist es erst einmal wichtig, dass die Seminare auch in das Modul passen, für das du zuständig bist. Das Level muss ebenso berücksichtig werden, schließlich kannst du Erstis nicht die gleiche Leistung abverlangen wie Studenten aus dem sechsten Semester. Mit dem Koordinator deiner Sektion sprichst du dann ab, ob das Seminar so in Ordnung ist. Je nach Thema hast du bereits Vorwissen in diesem Bereich oder musst du dir noch einiges selbst anlesen, um vollkommen durchzublicken. Man kann ja schließlich nicht alles wissen. Danach fängt die Planung und Organisation des Seminars an. Du fertigst einen Verlaufsplan mit Terminen und Themen an, legst die Reihenfolge fest und suchst passende Literatur für den Kurs heraus. Wichtig ist auch, dass du darüber Bescheid weißt, wer welche Prüfungsleistungen erbringen muss. Sogar in einem Fach gibt es elf verschiedene Studienordnungen und über diese solltest du auf jeden Fall einen Überblick haben, damit die Studenten am Ende des Kurses auch ihre Noten erhalten.

Den Unterricht selbst bereitet man im Beruf des Dozenten zunächst einmal grob vor, da man sonst zu unflexibel ist. Intensiv sollte man sich dann noch einmal eine Woche vorher mit der anstehenden Stunde beschäftigen und eventuell noch einmal Themen aus der vorherigen Woche aufgreifen. Gestalte deinen Unterricht so, dass Referate eingebaut und Hausarbeiten mit passenden Themen dazu erstellt werden können. Neben der Planung des Seminars und der anschließenden Lehre kommen eine ganze Menge verwaltungstechnische Aufgaben auf dich zu. Du greifst deinem Institut in allen Dingen unter die Arme und springst auch mal als Vertretung ein. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter hilfst du natürlich auch deinem Doktorvater oder deiner Doktormutter und verfasst Fachartikel, an denen du neben deiner Dissertation arbeitest.

Wenn du dir in der freien Wirtschaft mit Wissenschaft Jobs dein Einkommen sichern willst, kannst du es vor allem bei großen Unternehmen und Firmen mit eigenen Abteilungen in der Forschung & Entwicklung schaffen. Die Dozenten Stellen bestehen überwiegend Organisationsaufgaben, die Betreuung und Umsetzung von Projektarbeiten oder innerbetriebliche Weiterbildungen, die du deinen Arbeitskollegen anbietest. Vor allem Geisteswissenschaftler werden oft als Dozenten für Schulungen im Bereich Soft Skills, Präsentationen oder wissenschaftliches Arbeiten eingestellt oder um eine Fremdsprache zu unterrichten.

Voraussetzungen für den Beruf Dozent

Machen wir uns nichts vor: Wenn du ein graues Mäuschen bist und vor fremden Leuten den Mund nicht aufbekommst, ist der Job des Dozenten leider nicht für dich geeignet. Es ist also eine wichtige Voraussetzung, dass du gerne im Mittelpunkt stehst und es dir nicht schwerfällt, vor anderen Menschen zu sprechen und zu präsentieren. Das Schwierige daran ist eigentlich, dass die Studierenden dabei nicht das Interesse an deinem Vortrag verlieren. Du solltest also nicht nur dröge Fakten herunterbeten, sondern das ganze lustig und anschaulich verpacken. Anekdoten aus dem praktischen Alltag oder deinem eigenen Leben kommen immer sehr gut an und suggerieren Nähe und Offenheit. Die Studenten schätzen es, wenn man sich als einer von ihnen präsentiert, schließlich war man auch mal in der gleichen Situation. Mit Charme und Witz erreicht man also viel mehr als mit konsequenter Strenge. Schließlich sind wir nicht mehr in der Schule und die Studenten sitzen in der Regel freiwillig in deinem Seminar.

Du musst außerdem extrem gut unter Druck arbeiten können. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter gibst du Seminare, hilfst dem Professor und musst nebenbei noch an deiner eigenen Dissertation schreiben. Das kann auf die Dauer sehr belastend und anstrengend sein. Auch Professoren rotieren häufig im Dauereinsatz. Lehre, Forschung und Verwaltung erfordern einiges an Selbstdisziplin und Organisation. Keine Frage, dass du für den Beruf des Dozenten die Prinzipien der wissenschaftlichen Arbeit sehr gut drauf haben und dazu bereit sein musst, dich mit Themen auseinanderzusetzen, mit denen du dich sonst nicht unbedingt beschäftigst. Auch im Austausch mit deinen Arbeitskollegen solltest du stets offen und kommunikativ sein, da dort viel Inspiration und wertvolle Tipps auf dich warten können.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Wenn du einen Job als Dozent haben willst, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie du an der Universität lehren und damit dein Geld verdienen kannst. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter hast du einen Tarifvertrag, der meistens auf 20 Stunden ausgelegt ist. Du unterrichtest dann zwei SWS (Semesterwochenstunden), was auf genau ein Seminar im Semester hinausläuft. Den Rest deiner Zeit verbringst du mit der Betreuung von Studenten, verwaltungstechnischen Aufgaben, der Vor-und Nachbearbeitung des Unterrichts und der Arbeit an deiner eigenen Dissertation. 

Wenn du als Lehrbeauftragter an der Universität oder Hochschule aktiv bist, dann ist deine Tätigkeit dort für ein Semester befristet. Du erteilst Unterricht in einem oder mehreren Seminaren und erhältst nach Ablauf eines jeden Semesters wieder einen neuen Lehrauftrag. Meistens wirst du von der zuständigen Fakultät gefragt, ob du auch im nächsten Semester wieder für Seminare bereitstehst, und erhältst nach einer kurzen Rückmeldung dann schnell die Zusage für ein weiteres Semester an der Uni. Du hast also kein festes Arbeitsverhältnis, sondern wirst auf Honorarbasis pro Seminar bezahlt. Du bist damit ein freier Mitarbeiter der Universität und kannst dich getrost als selbstständig bezeichnen.

Die Position von Lehrkräften für besondere Aufgaben ist, wie auch die der Lehrbeauftragten, ausschließlich für die Lehre gedacht und bezahlt. Solltest du eine Promotion anstreben, so wird diese, im Gegensatz zu der Stelle von wissenschaftlichen Mitarbeitern, nicht bezahlt. Klar ist, dass du auch dabei betreut werden kannst, allerdings musst du privat promovieren und darfst nicht während deiner Arbeitszeit an deiner Dissertation schreiben.

Im Dozenten Beruf als Privatdozent besitzt du als habilitierter Wissenschaftler zwar eine Lehrberechtigung, besetzt aber keine Professorenstelle. Du bist sozusagen ein selbstständiger Hochschullehrer und alleinverantwortlich zur akademischen Lehre berechtigt. Auch hier musst du eine Mindestzahl von Seminaren geben, damit du als Privatdozent aktiv sein kannst. Als Professor besitzt du eine Professur und bist somit an Universitäten für die Durchführung der wissenschaftlichen Forschung und Lehre zuständig.
Spezialisierungen
Dozent/in
Fachjargon
Networking

Sehen und gesehen werden, das ist gerade in der Wissenschaft wichtig. Tausche dich mit deinen Kollegen aus und knüpfe Kontakte mit wichtigen Leuten an deiner Hochschule. Es ist immer besser, wenn du die Dozenten deiner Fachrichtung persönlich kennst, denn so kann es zum Austausch von Fachgesprächen kommen, die auch deine Forschung vorantreiben können. Tauche also auf Veranstaltungen, Vorlesungen oder sonstigen Meetings auf, um dich als Dozent gut in die Gruppe zu integrieren. Besuche und gemeinsame Mittagessen in der Mensa mit der ganzen Truppe lockern die Situation oft auf und helfen dir dabei, deine Kollegen besser kennenzulernen.

Präsentation

Als Dozent ist es deine Aufgabe, zu lehren. Und wo tut man das? Genau, im Seminarraum. Du solltest dich also mit dem Gedanken anfreunden können, vor vielen fremden Studierenden zu stehen und referieren zu können. Scheu oder Schüchternheit sind da natürlich unangebracht. Ebenso wichtig ist es auch, dass du dich durchsetzen kannst, um Ruhe in den Raum zu bringen. Oft haben Studenten viele Seminare hintereinander und da lässt die Konzentration natürlich irgendwann nach. Sorge also dafür, dass du deine Themen spannend verpackst und interessant rüberbringst, denn dann wird auch der müdeste Student wieder hellwach.

Evaluation

Oft heißt es am Ende eines jeden Seminares: Evaluation. Hier haben deine Studenten die Aufgabe, das von dir gegeben Seminar kritisch zu beurteilen. Wie waren die zur Verfügung stehenden Lehrmittel? Warst du immer gut vorbereitet? Hast du Referate angeboten? Wie gut waren Betreuung und Hilfestellung, die du im Dozenten Beruf angeboten hast? So eine Evaluation ist ein großer administrativer Aufwand, da die Ergebnisse am Ende ja auch noch ausgewertet werden müssen. Es lohnt sich aber: Die regelmäßige Bewertung deiner Arbeit sorgt für Transparenz und hilft dir dabei, deine Lehre für zukünftige Aufträge oder Veranstaltungen zu optimieren.

Wusstest du schon, dass...
  • man seit Einführung der „Juniorprofessur“ im Jahre 2002 die Möglichkeit hat, auch ohne Habilitation direkt nach der Promotion an einer Hochschule zu lehren?
  • der Dekan bei offiziellen Anlässen in der Hochschule an traditionellen Universitäten teilweise mit der förmlichen Anrede „(Eure) Spektabilität“ (lat. Spectabilitas =„Ehrwürdigkeit“) angesprochen wird?
  • „Dozent“ vom lateinischen Verb docēre abstammt? Es bedeutet „lehren“.
Was man kennen und können sollte
Programme
  • Microsoft Office Programme
  • LaTeX (vor allem Naturwissenschaftler und Mathematiker)
  • Adobe Acrobat
  • Literaturverwaltungsprogramme (zum Beispiel Endnote, Citavi, Mendeley, Docear)
Fremdsprachen
  • Englisch
  • Weitere Fremdsprachen je nach Bedarf deines Faches (wünschenswert bis Voraussetzung)
Dieses Berufsprofil ist entstanden mit Unterstützung von

Laura Sollgan ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen. Ihr Fachgebiet sind die General Linguistics and Varieties of English.

Laura Sollgan
Laura Sollgan
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Verwandte Berufsfelder:
Dozent als Beruf - Infos zur Arbeit in der Wissenschaft

Beruf als
Dozent/in

Doktorand, Akademischer Mitarbeiter, Professor, Wissenschaftlicher Assistent, Lehrbeauftragter, Privatdozent, Lehrkraft, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 50 Stunden: Vielbeschäftigt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 1600-1900 €
Männer/Frauen-Relation 6/4
Bewerber pro Stelle: 20 Bewerber
Spitzenverdiener 5800 €