Beruf als Biotechnologe - Arbeiten in der Biologie

Vitamintabletten zum Mittagessen und ein Bier nach Feierabend, Enzyme im Waschmittel und neue Blutdrucktabletten - biotechnologische Produkte verwenden wir jeden Tag. Die Welt schreit dabei ständig nach Verbesserungen. Die Menschen müssen ernährt werden, Plagen und Dürren machen der Ernte zu schaffen, die Lebensmittelindustrie erwartet Innovationen. Im Beruf Biotechnologe arbeitest du im Labor mit 0,1 Mikroliter-Pipetten und entwickelst gleichzeitig Modelle für riesige industrielle Fermentationsanlagen mit einem Volumen von mehreren Millionen Litern. Mit technischem Geschick und Forschergeist machst du dich auf die Suche nach neuen Wirkstoffen und besseren Produktionsmöglichkeiten. Du modifizierst alte aufwendige chemische Verfahren oder machst Pflanzen resistenter gegenüber schädlichen Pilzen und Insekten. Das Arbeitsfeld im Beruf als Biotechnologe ist überaus spannend und vielfältig. Was deine Aufgaben sind, welche Eigenschaften du mitbringen musst und wo du später wieviel Geld verdienst, all diese Fragen beantworten wir dir hier.

Arbeitsalltag und Aufgaben als Biotechnologe

Jobs als Biotechnologe Biotechnologe/-technologin werden

Ein wenig vom Arbeitsalltag im Beruf Biotechnologe kennst du schon aus dem Studium. Sowohl in der Grundlagenforschung an Hochschulen als auch bei international agierenden Unternehmen ist dein Arbeitsplatz das Labor. Mit Pipette in der einen und „Eppi“ in der anderen Hand untersuchst du Proben, modifizierst Mikroorganismen oder testest die Produktion von biotechnologischen Stoffen unter verschiedenen Temperaturbedingungen und Zeitparametern.

Arbeitest du im Beruf Biotechnologe beispielsweise in der Entwicklungsabteilung eines Pharmabetriebs, so bist du dafür zuständig, den Metabolismus von Mikroorganismen dahingehend zu verändern, dass sie den gewünschten Stoff produzieren. Gleichzeitig versuchst du die optimalen Haltungs- und Produktionsbedingungen anhand deiner Versuche zu erschließen. In der Produktion hingegen kannst du einerseits für die Qualitätskontrolle eingesetzt werden. Dort prüfst du im Labor, ob die Qualität und Quantität den Erwartungen entspricht, weist Verunreinigungen in den riesigen Gärkesseln nach und beugst sie vor. Andererseits kann dein Berufsbild auch technischer ausfallen und sich mit dem des Biotechnikers überschneiden. Dann bist du für die Kontrolle der Anlagen und Maschinen verantwortlich.

Ähnliche Tätigkeiten erwarten dich im Beruf Biotechnologe auch in der „grünen“ Biotechnologie. So nutzt du Pflanzen, um an neue oder gewünschte Stoffwechselprodukte zu gelangen oder Enzyme zu isolieren. Dazu führst du in langen Versuchsreihen geeignete Experimente durch, um die Produkte des Metabolismus nach und nach aufzureinigen und zu entschlüsseln. Für die Lebensmittelindustrie sind viele dieser pflanzlichen Produkte sehr interessant. Möglicherweise versuchst du, die Pflanzen dahingehend zu züchten, dass ihr Ertrag erhöht wird. Gleichzeitig kannst du aber auch die Abwehrmechanismen der Pflanzen gegenüber Schädlingen verbessern oder biologisch-abbaubare Pflanzenschutzmittel entwickeln. Anwendungsorientierte Forschung oder eine sehr technische Ausrichtung des Berufs ermöglicht dir auch, dich auf Stellen als Ingenieur/-in für Biotechnologie zu bewerben.

In der Grundlagenforschung geht es immer mehr um Erkenntnisse, die später in der Industrie Anwendung finden könnten, um die finanzielle Sicherung der Forschung zu gewährleisten. Interessante Projekte beschäftigten sich beispielsweise mit natürlichen Rohstoffen oder neuen, biologisch-abbaubaren Materialien.

Im öffentlichen Dienst sieht dein Alltag im Beruf Biotechnologe ähnlich aus, allerdings kontrollierst du hier nicht Produktionsprozesse, sondern oftmals Klär- und Aufbereitungsanlagen. Dazu überprüfst du die ausschlaggebenden Nährstoff- und Schadstoffwerte, die Betriebstemperatur im Faulturm und beurteilst die Qualität unseres Trinkwassers.

Voraussetzungen für den Beruf Biotechnologe

Dein langjähriges Studium sollte dir bereits einen Eindruck davon gegeben haben, welche Anforderungen der spätere Beruf als Biotechnologe an dich stellt, egal ob du Biowissenschaften, Biochemie oder Biotechnologie auf Bachelor of Science oder Engineering absolviert hast. Im Labor musst du präzise arbeiten. Die eingesetzten Volumina sind oft sehr klein, weshalb unerwünschte Schwankungen die Ergebnisse später stark beeinträchtigen können. Das macht nicht nur einen einzelnen Versuch zunichte, sondern oftmals ganze Versuchsreihen, die sich über Stunden, Tage oder sogar Wochen hinziehen können. Für die tägliche Laborpraxis empfiehlt sich eine ruhige Hand, um die Gel-Elektrophorese oder SDS-Gele ordentlich und genau zu beladen und später eindeutige Bilder zu bekommen. Eine saubere und verantwortungsbewusste Arbeitsweise garantiert nicht nur dir die nötigen Sicherheitsstandards im Labor, sondern auch deinen Kollegen. Diese Verantwortung sollte dir stets bewusst sein, wenn du mit Chemikalien oder gentechnisch veränderten Organismen arbeitest.

Die naturwissenschaftliche Forschung ist natürlich auch Handwerk, aber das sollte nicht deine Motivation sein. Die Lust auf Forschung, die natürliche Neugier und Entdeckergeist solltest du für die Arbeit an Hochschulen, Instituten oder Forschungsabteilungen von Unternehmen mitbringen. Für die wissenschaftliche Mitarbeit dort solltest du mindestens den Master abgeschlossen haben, große und eigene Projekte sowie die Teamleitung bleiben den Doktoren vorbehalten, schließlich ist ihr Anteil mit bis zu 75 Prozent sehr hoch.

Deine zahlreichen Versuche im Beruf als Biotechnologe wiederholst du ein ums andere Mal. So vergrößerst du den Datensatz und deine Ergebnisse zeigen eine größere Signifikanz. Nicht alle Ergebnisse sind jedoch auf den ersten Blick schlüssig oder eindeutig. Logisch-analytisches Denken hilft dir dabei, die Resultate schnell und sinnvoll zu interpretieren. Wenn du systematisch und organisiert vorgehst, sparst du Zeit und Material ein und bewahrst dich vor unnötigen Arbeitsschritten oder Fehltritten. Je mehr Praxiserfahrung du vorweisen kannst, desto leichter fällt dir der berufliche Einstieg. Neben den Pflichtpraktika und Kursen an der Uni zahlen sich insbesondere Tätigkeiten als HiWi oder in Unternehmen aus. So gelingt dir auch der Jobeinstieg deutlich schneller, wobei du als Biotechnologe den schnellsten Berufseinstieg unter den Biologen erwarten darfst.

Die Biotechnologie ist in unserem modernen Sinne ein sehr junger Forschungszweig der Biologie und entwickelt sich stetig weiter. Das vorhandene Wissen wächst exponentiell an und neue Techniken und Methoden etablieren sich immer wieder aufs Neue. „Früher war alles Besser“, so ein Denken überlässt du der älteren Generation, denn du musst die wissenschaftliche Entwicklung Schritt für Schritt mitgehen. Die tägliche Lektüre von Publikationen und Journals gehört zu deinen täglichen Pflichten. So bleibst du im Beruf Biotechnologe auf dem Laufenden und kannst andere Ergebnisse in deine Forschung und Entwicklung mit einbringen. Dazu sind gute Englischkenntnisse absolute Pflicht, denn mittlerweile führt nichts mehr um die Millionen von „paper“ herum.

Im Klärwerk läuft deine Arbeit eher nach Schema F ab. Hier musst du dich nicht ständig weiterbilden, aber wichtige Erkenntnisse auf deinem Fachgebiet sind dennoch vorteilhaft. In erster Linie zählt aber eine ordentliche, verantwortungsbewusste Arbeitsweise.

Spezialisierungsmöglichkeiten

Grundsätzlich stehen dir im Beruf als Biotechnologe die Forschung und Entwicklung, die Produktion und die Qualitätskontrolle offen. Dort kannst du einerseits fleißig dir aufgetragene Aufgaben übernehmen oder aber leitende Positionen anstreben. Daneben entscheiden sich natürlich die Branchen, in denen du arbeiten kannst, untereinander, und damit auch, in welchem farblichen Bereich der Biotechnologie du tätig sein möchtest.

In der grünen Biotechnologie setzt du dich mit Pflanzen und Lebensmitteln auseinander. Du entwickelst gentechnisch veränderte Maissorten, die resistenter gegenüber Schädlingen sind oder deren Ertrag deutlich höher liegt als bisher. In der roten Biotechnologie forscht du an neuartigen Medikamenten oder an diagnostischen Tests, mit denen sich Krankheiten nachweisen lassen. Die weiße Biotechnologie tangiert die anderen Felder oft, denn sie bezeichnet den industriellen Zweig der Biotechnologie. Hier kommen die Erkenntnisse zur Anwendungen und werden in großem Maßstab produziert – Beispiele sind Enzyme für Waschmittel, Vitamine für Lebensmittel oder Zusatzpräparate, aber auch Lebensmittel wie Biere und andere alkoholhaltige Getränke. Zu guter Letzt kannst du den Beruf Biotechnologe auch in der blauen Biotechnologie ausüben. Diese beschäftigt sich mit Einzellern aus den Tiefen der Meere, die oftmals ganz neue metabolische Prozesse besitzen.

Neben den üblichen Labortätigkeiten kannst du dich im Beruf Biotechnologe jedoch auch stärker auf die Technik hinter der automatisierten Produktion konzentrieren. Statt auf Enzyme und DNA-Stränge zu achten, geht es hier in der Entwicklung um Anlagenkonstruktion und –konzepte, mit denen biologische Strukturen in der Industrie effizient genutzt werden können. In der laufenden Produktion hingegen kontrollierst du die Maschinen auf ihre wirtschaftliche Arbeitsweise, kontrollierst die essentiellen Produktionsparameter und vergleichst Ist- und Sollwerte. Die vermehrt technischen Berufsbilder fallen oftmals unter die Bezeichnung Ingenieur für Biotechnologie.


Spezialisierungen
Biotechnologe/-technologin
Fachjargon
cisgen

Mit diesem Begriff bezeichnet man in der Biotechnologie Organismen mit neu eingeschleusten, genetischen Sequenzen. Dabei stammen die Sequenzen aus derselben Art.

DNA-Shuffling

DNA-Shuffling ist eine biotechnologische Methode, die in vitro die Rekombination von homologen Sequenzen ermöglicht. Das Shuffling vermischt dabei vorhandene Gensequenzen und erstellt damit neue Kombinationen. Die Forscher können gesunde Gene mit gezielten Mutationen austauschen und so die Funktion der Sequenzen entschlüsseln.

Scaffolds

Scaffolds bezeichnet biologische Strukturen, die als Gerüst dienen und beispielsweise bei der Züchtung von künstlichem Gewebe zu transplantativen Zwecken eingesetzt werden. Gewebe und Organe können so nachgebildet werden und anschließend als Träger für Zellen dienen. Scaffolds sind außerdem eine mechanische Stütze, wenn unterschiedliche Gewebe zusammengeführt werden sollen.

Wusstest du schon, dass...
  • die Geschichte der Biotechnologie mit der Herstellung von Wein, Bier und Käse begann? Damals nutze man die biologischen und chemischen Vorgänge allerdings, ohne etwas davon zu verstehen. Das änderte sich erstmals mit der Forschung im 19. Jahrhundert.
  • jährlich 80.000 Tonnen Ascorbinsäure (Vitamin C) hergestellt werden? Das alles geschieht natürlich nicht mehr, indem Arbeiter Zitronen auspressen, sondern biotechnologisch.
  • Aceton in der Biotechnologie ein äußerst wichtiger Stoff ist? Es dient als Ausgangsstoff für die Produktion von Plexiglas und als Lösungsmittel für Öl, Harze, Fette oder Kolophonium.
Was man kennen und können sollte
Fachliches Wissen
  • Gentechnische Verfahren
  • PCR, SDS, Lyse
  • GLP (Gute Laborpraxis)
Sonstige Kenntnisse
  • Fachliches Englisch (Wort & Schrift)
  • Bioinformatische Programme
  • Technisches Interesse
Soft Skills
  • Flexibilität
  • Teamgeist
  • Organisationsvermögen
Verwandte Berufsfelder:
Biotechnologe als Beruf - Infos zur Arbeit in der Biologie

Beruf als
Biotechnologe/-technologin

Bevorzugte Studiengänge
Work-Life-Balance: 40 Stunden: Entspannt
Durchschnittliches Einstiegsgehalt: 1900-5000 €
Männer/Frauen-Relation 7/3
Bewerber pro Stelle: 9 Bewerber
Spitzenverdiener 8300 €